92. Tag, Rest: 274 Tage

april-foolWas für eine Woche. Erst langes Wochenende, dann Ostern, schließlich auch noch Geburtstag gefeiert. Jetzt brauche ich erst einmal alkoholfreie Abende, gesundes Essen und ganz viel Schlaf. George würde das auch gut tun; schließlich wurde er ein Jahr älter.  

Die Party im Pub war erwartet feucht-fröhlich. Ich habe mich zurückgehalten, -sorry I have to drive-, und dafür umso aufmerksamer zugehört. Was acht Herren mit viel Zeit (wer noch nicht pensoniert ist, übt sich in Altersteilzeit) so alles in wenigen Stunden von sich geben, ist einen eigenen Blogbericht wert. Einige Damen waren auch dabei, das verhinderte das Schlimmste. Ich erinnere an nächtlich abgestellte Dinosaurier auf Landstraßen. So etwas war also nicht zu befürchten, wir, die Frauen, hatten ein Auge auf unsere mates. Eine Runde nach der anderen wurde abwechselnd ausgegeben. Nur der Jubilar war von der üblichen Regel ausgenommen. Am Geburtstag zahlen ausschließlich die Gäste. Praktisch. Weil der April vor der Tür steht, kam das Gespräch ganz von alleine auf die gute alte Tradition of the April Fools’ Day. Den kennt man nämlich auch in Engand. Klar, jemanden in den April zu schicken ist den Insulanern in die Wiege gelegt. Wahrscheinlich haben sie’s sogar erfunden.

 

donkey
Es kommt häufiger vor, das man am 1. April von einem Esel geweckt wird. Der steht dann laut schreiend auf der Terrasse oder wenn die Kumpels ganz gewieft sind, sogar im Flur. Die meisten Engländer freuen sich über den Überraschungsgast, man ist sehr tierlieb.

 

Die Herren sind inzwischen gut in Fahrt. Lautes Gelächter. Jeder gibt seine besten Aprilscherze zum Besten. Als ich mich mit gespitzten Ohren nähere, verstummt George. Wetten, dass er etwas für mich ausheckt. “Yes! I’ve been plotting something genius since last April.” Na, das kann ja heiter werden. Die ganze Runde ist sich einig, das es eine Schande ist, dass der erste April kein offizieller Feiertag sei. Das beklagt man todernst. Einige sind übrigens Mitarbeiter von George und das ist deshalb erwähnenswert, weil die jokes, die man im Office abzieht, fast immer gegen den Boss gerichtet sind. Er ist derjenige, den man reinlegt. Große Ehre. Und schon gib Jack seinen Gag vom Vorjahr bekannt: “I plant cress seeds in the computer… and watch them grow.”

“It’s so easy to enjoy everybody. Change the language on your colleague’s computer and wait.” Ja, das wirkt beim monolingualen Engländer Wunder. Der versteht die Welt nicht mehr und glaubt sich im online Kontakt mit Aliens. Attach an air horn under your boss’s seat.” Aha, der uralte Witz mit dem Pupskissen zieht also immer noch. Für leichte bis mittelschwere Frivolitäten haben die Engländer generell ein Faible. Da darf man nicht prüde sein. Ganz besonders im Office, da wirkt so’n Ding am besten. Martin hat auch noch etwas beizusteuern: Hard boil all the eggs in the carton and place them back in the fridge.” Den habe ich mir gemerkt. Wie war das noch? Kann man nicht per Drehen erkennen, ob ein Ei roh oder gekocht ist. Gleich nachlesen, wenn wir zu Hause sind. George lässt sich auch nicht lumpen und steuert seinen Einfall bei: Fill a hair dryer with talcum powder.” Als Glatzenträger wähnt er sich auf der sicheren Seite.

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Die Polizei hat sich letzte Jahr am Aprilscherz beteligt. Auf ihrer Facebook Seite konnte man abstimmen, wer aus dem Knast entlassen werden soll. Erinnert ein bißchen an die Ostergeschichte. Der Sieger gewinnt zusätzlich eine Reise. – Oh je, wenn das bei uns passieren würde. Abends ein Brennpunkt, dann kommt der Bundesstaatsanwalt, schließlich Rücktritt des Ministers … (Das ist die offizielle Facebook Seite der Polizei in Manchester, kein Fake!)

 

Ich habe genug gehört und gehe zur Damenrunde zurück. Da geht es inzwischen fast genauso hoch her. Man hat eine Zeitschrift gefunden mit den besten Aprilscherzen aller Zeiten. Ob ich da eine Anregung finde? Ikea made a fool out of its furniture fans by producing and releasing a high chair for dogs in 2011. Nie von gehört, vielleicht haben sie es nur in England gemacht? Der eigentliche Witz waren die hundeverrückten Engländer. Sie stürmten die IKEA Häuser um den Stuhl für ihren pooch zu kaufen. “Oh Jesus, it’s only a prank???”

Selbst die geizigen Schotten sparen am 1. April nicht mit Witzen. Bei ihnen heißt der Tag ‘Huntigowk Day’. George erklärt mir: “Gowk is being Scots for a cuckoo or a foolish person.” Dank you. 

Zurück bei den Männern, frage ich Jack, ob er die Kollegen in den April schicken wird. “No, I’ll just giggle at other people’s pranks on the internet at work”, antwortet er grinsend, während sein Boss neben ihm steht. Aber der findet das völlig in Ordnung und trinkt noch ein Bier. Die Arbeitsmoral ist locker, die Effizienz gering und der Spaß wird groß geschrieben. Auch und gerade am Arbeitsplatz. Schließlich verbringt man dort viel Zeit. Eigentlich eine ganz gesunde Einstellung.

Also gut einen Aprilscherz bin ich dann wohl noch schuldig. Nichts für schwache Nerven. Mitte März hat man mitten in London eine Ratte gefangen. Ein Monster Biest! Die war sage und schreibe 1,20 lang. Sie glauben ich spinne? Nun, schauen Sie selbst:

 

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Aprilscherz oder nicht? Monsterratte auf Londoner Spielplatz; März 2016

 

 

 

The boss himself says:

George says: „What you think about my April Fool for the colleagues?” 

Und ich: “Nicht schlecht. Das könnte funktionieren. Ich stelle schon mal den Wecker.Er hält mir ein sehr offiziell aussehendes Schild vor die Nase, das wird er in aller Herrgottsfrühe an den Eingang des Labors hängen. Darauf steht: 

 

new-sign

  

 

Was passierte noch am 01. April?

de 1881

Das erste Telefonnetz Deutschlands wird in Berlin mit 48 Teilnehmern in Betrieb genommen.

uk 1814

In Londoner Straßen brennen die ersten Gaslaternen.