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George macht Urlaub, Das heißt genau genommen ist er in Hamburg, aber das empfindet er hoffentlich wie Urlaub. Da bleibt mir nicht viel Zeit für den Blog. Also kommen wir gleich zur Sache und klären mal warum die Waliser heute grell-gelb herumlaufen.

 

david-day
Bißchen wie Karneval. Mittags gibt es einen Umzug in Cardiff.

  

St. David ist der Nationalheilige von Wales. Das ist der westliche Teil der Insel, der einen blutroten Drachen in seiner Flagge trägt. Waliser zeigen gerne diesen Dragon, man sieht ihn auf Manschettenknöpfen oder auch Krawatten. Man erkennt die Waliser aber auch sofort an der Sprache. Das ist kein Dialekt, sondern ganz und gar eigenständig, eben walisisch. Sobald man die nicht sichbare Grenze zwischen England und Wales überschreitet, sieht man überall zweisprachige Schilder. Die Haupstadt ist Cardiff; man zählt in Wales so ungefähr 3 Millionen Einwohner. Das ist nicht viel. Wales hat(te) reiche Kohlevorkommen, aber dort dreht sich schon lange kein Förderrad mehr. Seitdem ist der Westen der Insel verarmt und das lässt sich nicht übersehen. Landschaftlich allerdings wunderschön; neben Naturparks auch kahle Schieferhalden, die ich aber sehr mag. Wer die Natur sucht, ist hier im Paradies gelandet.

Der heilige David ist also der Waliser Patron und auch der Schutzheilige der Tauben. Die Waliser nenne ihn Dewi Sant. Als die Normannen das Land überfielen und in Besitz nahmen, leistet er handfesten Widerstand. Anschließend widmete er sich den kirchlichen Tugenden. Er zog ins Heilige Land und wurde zum Archbishop geweiht. Er war bekannt für strenge Disziplin und Verzicht. Keine weltlichen Freuden, endloses fasten, selbst die Hilfe der Ochsen beim Pflügen lehnte er ab. Ob es wahr ist? Mir sind solche lebensfeindlichen Charaktere suspekt. Aber ich bin ja auch keine Waliserin. Nebenbei versuchte David sich auch als Magier und soll so manches Wunder vollbracht haben. Seinen Zeitgenossen war er wohl nicht ganz geheuer, denn Mönche trachteten nach seinem Leben. Sie vergifteten ihn, -womit? Er nahm doch nur Brot und Wasser zu sich.-, und wie von Zauberhand überstand er den Anschlag schadlos. Ein walisischer Rasputin.

Ganz nebenbei munkelte man, David wäre der Neffe von King Arthur. Andere meinten seine Mutter wäre Arthur’s Nichte. Die Familienverhältnisse waren wohl unklar. Auf jeden Fall eine illustre Verwandtschaft. Gelebt hat er so um 1500 nach Christus Geburt. Ein Skelett gibt es bis heute. Es ist in der St David’s Cathedrale in Pembrokeshire beigesetzt. Eine schöne, alte, sehr typisch britische Kirche. Solche Prachtbauten finden sich überall. Da fährt man irgendwo durch das flache Land und auf einmal, hinter der nächsten Kurve, steht dann solch ein beeindruckendes Gebäude. So was gibt es wohl auch nur auf der englischen Insel zu bestaunen. Jedenfalls in dieser Häufigkeit.

 

pembrokeshire
David’s Cathedrale in Pembrokeshire, Wales. Hier liegen seine Knochen.

 

Die Waliser Nationalflagge zeigt wie gesagt den roten Drache, aber heute am St David’s Day sieht man überall schwarze Flaggen mit einem gelben Kreuz. Obwohl der Heilige schon so lange tot ist, sind seine letzten Worte noch immer jedem Waliser geläufig: “Be joyful, and keep your faith and your creed. Do the little things that you have seen me do and heard about. I will walk the path that our fathers have trod before us.” Das gefällt mir, be joyful, das war also schon damals das Lebensmotto des Insulaners. Neben der auffallenden Fahne, schmücken sich die Waliser heute mit daffodils (Narzissen). Viele halten auch eine Porreestange (leek) in der Hand, sie ist das persönliche Zeichen des heiligen David. Wahrscheinlich war er ein Suppenfan? Ausserdem schmückt man sich zum Umzug mit historischen Kleidern. Das sieht auf jeden Fall immer sehr farbenfroh aus. Ein erster Frühlingsgruß.

 

pudding
Der Monmouth Pudding ist für mich typisch walisisch. Er besteht aus Früchten, Zucker, und Sahne. Sehr lecker. Und unvergessen. Wir waren letztes Jahr in den Naturparks unterwegs. Erstklassige Hotels mit bezahlbaren Preisen sind eines der Highlights in Wales.

 

 

 

The boss himself says:

George says: „Can you give me some cash. They won’t take my card at the bakery. Why? The account is covered.”

Und ich: “Der Engländer hat so gut wie kein Bargeld mehr bei sich. In Hamburg legt George deshalb seine UK (!) Kreditkarte auf den Tresen und wundert sich, wenn man ihm einen Vogel zeigt.” 

  

 

Was passierte noch am 01. März?

de 1879

An seinem Haus installiert der Ingenieur Werner von Siemens eine von ihm entwickelte 

Kohlebogenlampe. Die Stadt Berlin stattet kurz darauf weltweit erstmals einen Straßenzug

mit dieser elektrischen Lichtquelle aus. – Es werde Licht.

uk 1946

The Bank of England is nationalised. (Nach der Verstaatlichung wurden die

Altaktionäre mit Geld abgefunden.)