307. Tag, Rest: 59 Tage 

Russland hat es längst gemacht und die Türken planen es. Schluss mit zwei Zeiten pro Jahr. Das findet sofort meine Zustimmung, denn die dauernde Umstellung bringt nix und nervt. Besonders von Winter- auf Sommerzeit. Da bin ich dann wochenlang hundemüde. “But this change means an extra hour in bed”, schaltet sich George ein. “Ja, zum Glück, but only this weekend“. Andererseits sah ich der lästigen Sache ganz entspannt entgegen, denn fast alle Uhren im Haus werden per Funksignal gesteuert. Die werden sich von alleine umstellen, wobei ich schon gerne wüßte wie? Dreht sich der Zeiger mitten in der Nacht eine Stunde lang links herum? Oder bleibt er stehen und schnellt dann schlagartig vor? Passiert das sekundengenau oder irgendwann? Leider interessieren mich diese Fragen. Und zwar genau um 0:58 Uhr. Zu früh um wach zu bleiben, obwohl es reizvoll wäre. Schließlich gebe ich auf und schlafe wieder ein.

 

uhr

 

Am Sonntag morgen werde ich von alleine wach. Der Wecker zeigt 7:35 Uhr. Punktgenau. Aber ist das jetzt wirklich  schon die aktuelle oder noch die gestrige Zeit? Die Welt scheint mir gerade extrem relativ zu sein. George schläft hörbar tief und glücklich. Er grunzt manchmal zufrieden, ist also noch im Tiefschlaf und schaukelt auf den Deltawellen. Da ist keine Hilfe zu finden. Aber ich bin mir auch alleine ganz sicher, dass unser Wecker seine Zeit von irgendwo aus dem Äther bekommt. Greenwich? Royal Air Force? Oder womöglich von der ISS, wenn sie gerade mal wieder vorbeischwebt? Wer weiß? Auf jeden Fall sollte er jetzt, am frühen Sonntagmorgen, up-to-time sein. Aber wieso ist es dann draußen noch so dunkel? Die ungelösten Fragen wollen nicht enden, bewirken aber immerhin, dass sich in meinem Hirn das Licht längst angeknipst hat. Also was soll’s, aufstehen. Auf dem Weg zum Bad verrät mir das Radio, dass ich eine Stunde zu früh bin. Wir haben man gerade 6:39 Uhr!

Mir ist kalt, der Morgennebel kriecht durch die Fenster. Zum Glück funktioniert die Heizung, keine Selbstverständlichkeit in Londons Häusern. George ist gegen Kälte immun, wie alle Engländer. Er startet den Tag mit einer ‘short round of jogging’. Wenn er zurück ist, -so seine Kalkulation-, ist das Bad frei und das Frühstück fertig. Mit Mütze auf dem kahlen Kopf und kurzen running pants will er loslaufen. Meine Nachfrage wegen der nackten Beine bügelt er ab: “I sweat like a bull, I’m hot.” “Wo? Unten rum?” Aber inzwischen kenne ich die Kälteresistenz der Insulaner und mache mir deswegen keine Sorgen. Als er zurückkommt erzählt er mir stolz von einem unerwarteten Kompliment. Man hat ihm im Park nachgerufen: “Sexy legs!” Ich heuchle Interesse und frage nach dem Alter der Dame. “No, they were two young men.” “Glückwunsch!”

 

fog

 

Inzwischen ist es fast Mittag und ich habe hoffentlich alle Uhren durch. Also fast, denn da wäre noch das Auto, dann das Radio mit Uhr in der Gartenlaube, die Mikrowelle und die Kombianzeige ‘Datum/Uhrzeit/Luftdruck’. Ach und dann wären da noch …

Damit will ich Sie jetzt aber nicht langweilen. Stattdessen zeige ich lieber ein Foto, das vor wenigen Tagen James Loveridge gelang. Es zeigt die Steilküste am Ärmelkanal. Der Frühnebel gleitet ganz sanft über die Klippe hinunter und vereinigt sich dann mit dem Meer. Ein Wasserfall aus Nebeltropfen. Mir macht das Lust auf den November, das kann noch ganz gemütlich werden.

 

mist

 

 

The boss himself says:

 

George says: “End of British Summer Time means that the evenings are a lot darker in the run of Christmas.

Ich sage: “Aber da kommt doch erst mal der November und dann starten wir in die Weihnachtszeit.” “Selfridges decorated the Christmas windows last week and the first ice skating at Canary Wharf is open.”

 


canary-wharf

 

Was passierte noch am 2. November?

 

de 1981

Am Flughafen Frankfurt am Main beginnen unter heftigen Protesten die Bauarbeiten

für die Startbahn West. – Das erleben auch gerade die Londoner. Es wird heftig um

die Erweiterung von Heathrow gestritten. Man wird nicht umhin kommen, denn immer

mehr Reisende landen auf London’s größten Flughafen.

uk

1960

Der Verlag Penguin Books wird in Großbritannien von der Anklage freigesprochen,

mit D. H. Lawrences Roman Lady Chatterley’s Lover Obszönitäten veröffentlicht zu

haben. – Na, da muß man schon tief zwischen die Zeilen geraten, um ‘something

naughty’ zu finden.