3. Tag, Rest: 363 Tage

Das bargeldlose Bezahlen ist in London längst Alltag. Im Restaurant bevorzugt man ganz klar die Kreditkarte, wenn es ans Bezahlen geht. Im Hotel sowieso, aber auch im Supermarkt. Sogar im Corner Shop, -der englische Tante-Emma-Laden-, wird die Karte gerne gesehen. Black Cabs, wie die bequemen Londoner Taxis heißen, sind ebenfalls mit Kartenlesern ausgestattet. Ganauso Londons Bahnen und Busse. Ohne Oyster Card, die man problemlos im Internet kaufen kann, und die einem sogar in Deutschland innerhalb weniger Tage zugeschickt wird, kann man keinen Bahnsteig betreten. Ist man schon in London, lädt man die Karte an einem der vielen Automaten einfach wieder mit einem Guthaben auf. Die automatischen Schranken vor den Bahnsteigen, die sich nur mit Benutzung der Karte öffnen lassen, halten jeden Fahrgast effektiv vom Schwarzfahren ab.  Wenn George, mein Londoner Freund, in Hamburg ist, staunt er am meisten über die frei zugänglichen Bahnhöfe. Er kann es nicht fassen, dass dem Kunden soviel Vertrauen entgegengebracht wird. Ohne unmittelbaren Grund würde sich kein Engländer einen Fahrschein kaufen und das Argument ‘das gehört sich doch wohl so’ ist ihm nicht begreiflich zu machen.

Nun ist das Londoner System nicht schlecht: Ohne Fahrausweis keinen Zutritt. Da wird niemand in Versuchung geführt. Gestern aber war es dann passiert. Die EDV streikte, hatte den Jahreswechsel wohl nicht verkraftet, und prompt waren alle Londoner Bahnhöfe schlagartig verriegelt. Das heißt Stillstand und das tut einer Metropole gar nicht gut. Also öffnete man sämliche Sperren und ließ jeden ungeprüft die Underground benutzen. Ich glaube das ist so noch nie passiert und die Londoner rieben sich verwundert die Augen. Freier Zugang zur U-Bahn war ganz neu.

schranken
Nanu!? Alle Schranke sind offen??? Die Kartenleser sind down, deshalb hat man freien Zugang zum Londoner Bahnhof. Ein ganz neues Gefühl.

Weil es in London seit Jahren so gut mit dem Kartensystem funktioniert, wird man es jetzt auch auf alle Fernzüge anwenden. Demnächst kann man auch dort nur noch bargeldlos bezahlen. Am einfachsten ist es mit dem kontaktlosen Verfahren. Das heißt man hat eine Debit- oder Kreditkarte mit Speicherchip, mit der man nur noch vor dem Lesegerät herumwedelt und schon ist der Betrag vom Konto abgebucht. Simsalabim. Oder man nutzt gleich das Handy, das in England nur als mobile phone bekannt ist. Mit entsprechender App kann das Telefon in sekundenschnell Kontakt zum Scanner aufnehmen und schon unterhalten sich die beiden Automaten ganz von alleine. Sie regeln meine Reise, legen Ab- und Ankunft fest und einigen sich über einen angemessenen Preis. Schöne, bequeme, neue Welt. Hätte mein Handy Beine könnte es eigentlich auch ganz alleine mit der Bahn fahren, aber weil es so immobil ist, braucht es mich als Transporteur.

oyster-down
2016 in der Tube: Das fängt ja gut an.

Anfangs mußte ich mich an die automatisierte Bezahlung in London gewöhnen, mein innere Widerstand war hoch, denn ich bin ein altmodischer Mensch und habe immer noch am liebsten Bargeld in der Tasche. Jetzt aber liebe ich diese moderne Bezahlung. Wann immer ich startbereit bin, um Londons City zu besuchen, warnt George mich vorsorglich: Don’t forget the mobile! Und dann sage ich thank you, und stecke sein Handy ein, das er mir bereitwillig hinhält. Er glaubt es zwar bis heute nicht so ganz, aber es es ist wirklich wahr: Ich habe gar kein eigenes Handy!

Tipps für Reisende: Falls Sie mit Englands Bahnen durch das Land reisen wollen, können Sie ihr Ticket per Internet kaufen und bezahlen. Sie erhalten dann eine Nummer, die Sie am Bahnhofs-Ticket-Automaten eingeben und dann wird der Fahrschein gedruckt. Eigentlich wie der self-check-in am Flughafen.

Die Oyster Card ist eine Fahrkarte für alle Londoner Bahnen und Busse. Sie ist im Kreditkartenformat und hat auch genau diese Funktionen. Man zahlt deutlich vergünstigte Preise für alle Verkehrsmittel und es gibt ein Tageslimit. Wer es erreicht, fährt für den Rest den Tages umsonst. Damit der Rechner ihren richtigen Fahrpreis ermitteln kann, muß die Karte auch beim Aussteigen benutzt werden! Ab £10 ist man dabei. Einfach die passende Karte im Internet bestellen: https://oyster.tfl.gov.uk/oyster/entry.do. – Wer aber zum ersten Mal in London ist und nur wenige Tagen bleiben will, vielleicht nicht so gut Englisch spricht um sich mit dem Tarifsystem der Oyster Card zu befassen, ist mit der Travel Card gut bedient. Mit der Karte können alle Bahnen und Busse in London benutzt werden. Für ein verlängertes Wochenende die ideale Lösung. Sie ist ebenfalls im Internet zu kaufen: https://ticketshop.london.de/fahrkarten-transfers/london-visitor-travelcard

Und noch ein Nachtrag: Vor wenigen Tage habe ich es selbst erlebt. Auf der High Street wurde mir eine Sammelbüchse vor die Nase gehalten, die mit einem Lesegerät ausgestattet war! Vorbei mit der Ausrede: “Sorry, I don’t have any change.“Ab sofort kann man seinen wohltätigen Beitrag auch kontaktlos via mobile phone spenden! George wird sich freuen, wenn er seine CC-Abrechnung erhält. Mal sehen wie lange es noch dauert, bis er mir ein eigenes Handy schenken wird.

 

The boss himself says:

George says: „Did you know that tube driver earn almost £50,000 a year? Why do they strike all the time?“

Ich sage: “London kann man auch ganz gut zu Fuß erkunden. Sonst ist der Bus meine erste Wahl. Oben sitzen und genießen.”

 

Was passierte noch am 1. Januar?

de 1980 Die Deutsche Bundespost führt für Ortsgespräche am Telefon den Acht-Minuten-Takt ein.
uk 1958 The Caribbean Islands (Trinidad, Tobago, Barbados, Jamaica) became independend of the United Kingdom.