4. Tag, Rest: 362 Tage

Ab sofort hat London den Schmutzfinken den Kampf angesagt. Wer seinen leeren Pappbecher künftig einfach auf der Straße fallen lässt, wird zur Kasse gebeten. Die Strafen wurden drastisch erhöht. Wer erwischt wird zahlt £150 (gut 200 Euro) in die Staatskasse. Der zuständige Minister erklärte gleich zum Jahresbeginn: “Littering will no longer be tolerated.” Und wenn das Parlament so etwas ankündigt, wird es in aller Regel auch konsequent umgesetzt. Wenn George bei mir in Hamburg ist, fällt ihm sofort das “disziplinierte” Verhalten auf, das er in der U-Bahn oder z.B. im AEZ beobachtet und es beeindruckt ihn. Ich hatte bisher eine andere Sichtweise und hatte mich wohl nur auf diejenigen konzentriert, die alle Regeln des guten Benehmens missachten. Einige Fahrten in der Londoner Underground haben mein inneres Alarmsysteme neu justiert. Tatsächlich ist es in der Tube ganz selbstverständlich allen Müll einfach stehen zu lassen. Morgens, während der Fahrt ins Büro,  frühstückt fast jeder; man hat seinen take-away-coffee in der rechten und in der linken Faust das Sandwich oder den Bagle.. By the way, in London oft noch als ‘Beigel’ zu finden. Die tägliche Fahrt ins Office ist natürlich auch ein perfektes Zeittraining. Sekundengenau mit Ankunft am Zielbahnhof ist man auch mit dem Frühstück fertig und was soll man jetzt mit der leere Tüte und dem Pappbecher anfangen? Also stellt man den ganzen Kram unter den Sitz. Kaum fährt die Bahn wieder an, kippt der Cup um und schon rinnt der letzte Rest der gezuckerten Brühe auf den Boden. Gegen neun Uhr, wenn der Berufsverkehr abebbt, sind die Waggons mit einer klebrigen Masse überzogen, die jedem neuen Fahrgast bombensichere Bodenhaftung gibt.

muell
Der Londoner ist ziemlich hemmungslos wenn er Müll loswerden will. Man läßt den Kram dort fallen, wo man gerade steht. Ich renne stundenlang mit meiner leeren Cola Dose durch die Stadt und suche einen Mülleimer. Rare Behältnisse.

Nun muß ich die morgendlichen Bahnfahrer aber auch wieder in Schutz nehmen, denn sie haben eigentlich keine andere Wahl ihren Abfall loszuwerden. Mülleimer sind nur sehr spärlich im Untergrund vorhanden. Sie wurden früher gerne von der IRA für Bombenanschläge genutzt und deshalb hat man irgendwann einfach auf die Installation verzichtet. Heute ist der Grund leider aktueller denn je, wenn auch die Attentäter aus ganz anderer Herkunft stammen.

rubbish
Mülltonnen stehen fast immer frei vor den Häusern. Oftmals kommt die Müllabfuhr nur alle zwei Wochen; das soll jetzt geändert werden. Man will die wöchentliche Entsorgung wieder einführen. Gute Idee. Zwei Wochen alter Müll stinkt nicht nur im Sommer zum Himmel.

Für die aktuelle Aktion den Dreck nicht länger zu tolerieren, gibt es ganz besondere Gründe. Diesmal geht es um allerhöchste Priorität, nämlich um die Queen herself! Sie feiert im April ihren neunzigsten Geburtstag und London wird das Ereignis wochenlang ausgiebig zelebrieren. Jeder wird sich fein machen und das beginnt in diesen Tagen mit einer gründliche Reinigung der Stadt. Vom 4. bis 6. März ist jeder Londoner aufgerufen aktiv mitzumachen. Und sie werden es tun, ich garantiere es. Eine der größten Müllsammelaktionen wird dann stattfinden und jeder Londoner wird fleißig mitsammeln. Das ist man seiner Königin schuldig. Offiziell wurde vom Parlament der erste national clean-up day beschlossen. The ‘Clean for the Queen’ initiative is being officially launched by the Government today, lautete die Nachricht. Der zuständige Minister appelierte an das Gewissen und das dürft funktionieren: Littering and fly-tipping are deeply anti-social and unnecessary. 

The boss himself says:

George says: „What will happen in ten years? National suck up rubbish? Shared street cleaning with a toothbrush?“

Ich sage: “Wahrscheinlich werden demnächst alle Coffee Cups in der Themse schwimmen. Irgendwo muß man den Becher ja lassen.”

 

Was passierte noch am 4. Januar?

de 1954  Duisburg stellt als erste deutsche Stadt Parkuhren auf.
uk 1958 The Caribbean Islands (Trinidad, Tobago, Barbados, Jamaica) became independend of the United Kingdom.