5. Tag, Rest: 361 Tage

Im Englischen Wohnzimmer ist es oftmals eng. Die Räume sind deutlich kleiner als wir es so gewohnt sind. Das stört den Engländer aber nicht, im Gegenteil er schätzt die Nähe und freut sich über eine quirrlige Kinderschar. Drei Kinder pro Ehe sind fast schon Durchschnitt. Vier oder fünf kommen also auch schon mal vor, vor allem da der Engländer gerne mehrere Ehen eingeht. Also natürlich nacheinander. Kaum ist er geschieden, sucht er wieder die Nähe und mit Trauschein macht es ihm noch einmal soviel Freude. Er ist ohne Frage ein Familienmensch, wobei der Begriff weit gefasst werden darf, der Hund gehört auf jeden Fall dazu. So kommt es in den kleinen, typisch englischen Reihenhäusern oft zu einer brisanten Mischung: drei oder vier Generationen mit vielen Kinder auf engen Raum. Will man seine Ruhe haben, könnte es helfen einfach mal laut “times table!” zu rufen. Ist man nicht gerade bei Newtons eingeladen, werden sich die Kleinen in Windeseile verdrücken.

Aber aufpassen und nicht timetable sagen, denn das heißt Fahrplan oder auch Stundenplan. Das wird kein Kind verängstigen. Wirkung zeigt nur der Plural, also times table, und das heißt soviel wie Einmaleins. Seit Anfang des Jahres ist die Multiplikation in den Mittelpunkt der Schulbehörde gerückt, denn nur wer die Lösungen wie aus der Pistole geschossen aufsagen kann, –include the 12 times table!-, also bis zum Ergebnis 144, kann von der primary in die secondary school versetzt werden. Und das heißt ab sofort für alle elfjährigen Engländer/innen einen Mathe-Test zu absolvieren.

 

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Ich gehöre einer Generation an, die das Kleine Einmaleins eingeprügelt bekam. Wenn es in der Rechenstunde nicht flutschte, mussten wir in den Schulhof gehen, wo dann bei sportlichen Übungen in militärischer Art weiter geübt wurde. Man konnte mich nachts wecken und ich hätte jedes Ergebnis fehlerfrei nennen können. Wohlgemerkt beim Kleinen Einmaleins. Mit 11 oder 12 hätte ich nachrechnen müssen, das hätte gedauert. Als ich nun von den Tests der Engländer hörte, erinnerte ich mich an die eigene Schulzeit und stellte dann mit einigen Schrecken fest, dass im Laufe der Jahre etwas verloren gegangen sein muß. 8 x 8 = 64 scheint sich für immer in meinen Ganglien eingraviert zu haben, aber 8 x 6 hakt! Da muß ich doch tatsächlich erstmal den Umweg über 7 x 6 machen und dann klammheimlich einen Sechser zurechnen.

Die zuständige britische Ministerin Nicky Morgan hält Mathematik für ein unverzichtbares Bildungselement und wer schon bei den times tables strauchelt wird eine extra Lektion verdauen müssen. Sprich staatlichen Nachhilfeunterricht. Eigentlich finde ich das ganz gut, denn auch ich halte die Beherrschung der Grundrechenarten für wichtig. Und zwar nicht durchs Eintippen in’s Handy, sondern durch eigenene Kopfarbeit. Dort muß man die Zahlen solange durch die Gedankenmühle drehen bis ein Ergebnis aus dem Nebel aufsteigt. Was aber, wenn nun jemand auf die Idee kommt auch Rentner diesen Test machen zu lassen. Nach dem Motto, wer eins und eins nicht mehr zusammenkriegt, sollte auch seine Rente nicht mehr alleine verpulvern dürfen. Wahrscheinlich ist das nur eine sehr neurotischen Angstphantasie meinerseits, aber um auf Nummer sicher zu gehen, gehe ich die Reihe mit der 6 lieber noch einmal durch.

 

heft
George lässt sich anstecken und kramt dann auch in seinen Erinnerungen. In einer Kiste findet er seine alte Mathe Kladde. Die Aufgabe sieht kompliziert aus. Er guckt sie sich minutenlang an und stellt dann achselzuckend fest: “I haven’t the faintest idea.”

 

 

 

The boss himself says:

George says: „I can’t remember anything I learned in school. Hope it was nothing of importance.“

Ich sage: “Ich war eine gute Schülerin, aber ich haßte die Schule. Es war wie im Gefängnis und das in einer Lebensphase, wo jedes Jahr doppelt zählt und die Länge dreifach gefühlt wird.”

 

 

Was passierte noch am 5. Januar?

de 1876  Vor 140 Jahren wurde Konrad Adenauer in Köln geboren. Er war der erste deutsche Bundeskanzler.
uk 1769 James Watt had been granted a patent for the steam engine. The change-over into the age of machinery.