65. Tag, Rest: 301 Tage

Nichts ist englischer als ein Treffen am Nachmittag zum Tee. Das ist immer etwas ganz Besonderes. Angefangen bei guter Garderobe ist natürlich die Wahl des Ortes wichtig. Einmal im Monat darf der Tee mit Stil und Pomp zelebriert werden und dazu laden beispielsweise alle großen Hotels rund um den Hyde Park ein. 

Es gibt keine feste Zeit, der five-o’clock-tea scheint den Engländern unbekannt zu sein, aber man liegt richtig, wenn man um four o’clock einlädt. Bevor wir in’s Dorchester, Intercontinental oder Marriott Hotel schreiten, sollten wir uns erst einmal Klarheit über die Art der Einladung verschaffen. Zu was sind wir geladen? Afternoon tea, cream tea or hight tea? Dazwischen liegen zwar keine Welten, aber der Unterschied ist deutlich. Fangen wir mit dem cream tea an. Der ist die richtige Wahl um den kleinen Hunger zu besiegen. Es handelt sich um einen einfachen Imbiß, bestehend aus Tee mit Milch, dazu süßes Gebäck, meistens die leckeren scones and clotted cream (Kalorienbombe) mit Erdbeermarmelade. 

high-tea
High-Tea wörtlich genommen: im 32. Stock des Centre Point Buildings in Soho. Dort lädt das Paramount Restaurant ab £27 ein. Wer den Nachmittag mit Lachssandwich und Champagner ausklingen lassen will, muß rund £40 bezahlen. Der sensationelle Rundblick auf die City ist im Preis inbegriffen.

Das mittlere Kaliber ist der afternoon tea. Ein gehaltvoller Imbiß im edlen Ambiente. Beim ersten Gang werden die klassischen englischen Sandwiches gereicht. Natürlich im Dreieck geschnitten und vom Rand befreit. Erst dann folgen die scones or crumpets und dazu noch ein paar kleine Kuchen, die auf der Etagere serviert werden.

Manche reichen zusätzlich Sandwiches mit Leberwurst oder Thunfisch. Wohlgemerkt im Wechsel mit Kuchen. Das geht dann schon fast nahtlos in den high tea über. Die Grenzen sind hier fließend. Die Kleidung wird behutsam angepasst, statt Anzug wird George inzwischen den dunklen Dreiteiler tragen. Ich muß aufpassen, dass ich mithalte.

afternoon-tea
Einmal im Monat zum afternoon tea. Stilvoll, elegant und trotzdem herrlich gemütlich. Nix für Singles, man braucht Gesellschaft.

Schließlich der high tea. Eine opulente Angelegenheit. Da spielt das Getränk selbst eher eine Nebenrolle. Eigentlich ist der high tea ein vollwertiges Essen am Tisch. Das Wort tea bezeichnet in England nicht nur das Getränk, sondern auch das Abendessen. Fragt mich George: “When will we eat (!) our tea?” dann meint er das Abendbrot und nicht etwas die Tasse Tee oder Kaffee. Es dauerte bis wir merkten, dass wir an ganz verschiedene Dinge dachten. Wird vom high tea gesprochen, besonders in deutschen Hotels, wird fast immer der kleinere Bruder, der afternoon tea serviert. Gut zu wissen, aber nicht kriegsentscheidend. Viel wichtiger ist es ein richtig gutes Gurkensandwich zubereiten zu können. Und das schmeckt wirklich zu jeder Tageszeit, egal ob im Sommer oder Winter. Und gesund ist es auch noch. Also: Man braucht Weizen-Toastscheiben. Sie werden mit Frischkäse bestrichen. Dann den Rand abschneiden. Die Salatgurke wird geschält und in hauchdünne Scheiben geschnitten. Eine Toasthälfte mit Gurke belegen, dazu eine Prise Salz und einen Spritzer Zitrone geben. Dann die zweite Scheibe  einfach drauflegen. Ganz wichtig, die Scheibe jetzt unbedingt diagonal durchschneiden. Ein Sandwich muß dreieckig sein! Alles andere gilt nicht. Es ist so traditionell englisch, dass man meinen könnte es wäre längst mit der Titanic untergegangen. Aber weit gefehlt. Jeder liebt den Toast, wohlgemerkt am Nachmittag zur guten Tasse Tee. 

cucumber
Beim Gurkensandwich lange ich zu, bis George mir die rote Karte zeigt. Ich bin nicht so für Süßes und freue mich deshalb umso mehr über Gurke, Leberwurst und Thunfisch.

The boss himself says:

George says: „You can’t talk about afternoon tea. Try it and enjoy.”

Und ich: “Damit hat er allerdings Recht.”

 

Was passierte noch am 05. März?

de 1969 Der SPD-Politiker Gustav Heinemann wird im dritten Wahlgang zum dritten

deutschen Bundespräsidenten gewählt. (Erst der dritte? Heuss, Lübke …)

uk 1946 Winston Churchill coins the phrase “Iron Curtain” in his speech at Westminster College.