66. Tag, Rest: 300 Tage

Weil nicht jeder in einen Engländer über beide Ohren verliebt ist, muß ich es aushalten, wenn die meisten meiner Bekannten meine Meinung nicht so ganz teilen. Ihr Urteil über die Briten läßt sich etwa so zusammenfassen: loud, slow, and only a little sheepishly. Ja, manchmal schimmert sogar bei George für einen kurzen Augenblick diese Seite durch. Macht nix, nobody is perfect. “Dankyou!” – gerne.

Bei einer aktuellen Umfrage behaupteten 80% der Engländer, dass sie im Urlaub versuchen würden die Sprache des Gastlandes zu sprechen. Es würde ihnen Spaß machen?!? Na ja, ich lass’ das mal unkommentiert oder ergänze eine Winzigkeit: Sie sprechen etwas, von dem sie annehmen, es könnte Deutsch sein.

Liebenswert sind sie trotzdem. Immer wieder überraschen sie mich mit ihrer angenehmen Bescheidenheit. Übrigens der Grund ihres nachhaltigen Glücksgefühls. Ihre Wünsche sind erfüllbar und sie setzten sich Ziele, die erreichbar sind. Ein Beispiel gefällig? Es klingt sehr antiquiert, aber bis letztes Jahr war der meist geäußterte Wunsch eines Hochzeitspaares der Toaster!!! Eine Auswertung der wishing-lists war eindeutig. Ist das nicht süß? Da heiraten zwei junge Menschen und träumen vom Toaster. Seien Sie sich sicher, dass der Teekessel bereits vorhanden war. Jetzt brauchte der nur noch den elektrischen Bruder und schon kann man in eine glückliche Zukunft starten. Solche Gedanken meinen die Engländer wirklich ernst, egal welcher Alters- oder sozialen Schicht man angehört. Und wenn George mal wieder so einen Herzenswunsch äußert, könnte ich vor Rührung in die Knie sinken. Richtet man sich seine Welt auf diese Weise ein, dann ist alles wunderbar überschaubar, realistisch und erfüllbar. Nebeneffekt: Man fühlt sich emotional in jeder Hinsicht bombensicher. 

 

Der Toaster feierte schon 2009 seinen hundersten Geburtstag. Jetzt ist er nicht mehr sexy genug, um auf die wedding-list zu kommen. (Gut, unter ferner liefen …)

 

Jetzt aber ist auf der Insel etwas passiert. Quantensprung wäre wohl übertrieben, aber ein Paradigmenwechsel scheint sich anzubahnen. Der Toaster wurde von einem ziemlich extravaganten Konkurrenten abgelöst. Die älteren Briten werden den Kopf schütteln und sich fragen: “Is this something you really need?” Es geht um den NutriBullets für immerhin £200. Das ist der letzte Schrei und ein guter Grund die Ringe zu tauschen. Ich bin etwas altmodisch und wusste erst mal nicht genau, um was es eigentlich geht. Aber dann fiel der Groschen: Ein Standmixer! Ja, da stimme ich hundertprozentig zu, denn solch ein Ding habe ich mir erst vor kurzem gekauft: George hat mich an den Genuss gewöhnt; er quirrlt sich gerne einen Smoothie und ich lernte wieder etwas dazu. Inzwischen gehört ein großes Glas flüssiger Apfel, mit Salatgurke, Nüsse, Zimt und Kokosmilch zu meinem Frühstück. Ein Tipp von mir: Kaufen Sie sich nicht die billigen Maschinen sondern gleich eine gute Markenware. Es muß nicht der Profimixer für 500 Euro sein, aber rund 100 Euro sollten Sie ausgeben, dann stimmt die Leistung und der Drink wird wunderbar sahnig.

 

nutribullet
Der Mixer begeistert alle. Gesundes Essen auf Knopfdruck, lecker und kalorienarm. Der technisch interessierte Ehemann freut sich über den lauten Motor. Cool, gleich noch mal auf den Startknopf drücken – röahhhhhr, rööööööööööhhhhhr ….

   

  

The boss himself says:

George says: „What’s the number one on your wedding-list?”

Und ich: “Verflucht, jetzt habe ich mir den Mixer selbst gekauft. – Hmmm… Natürlich nur ein Wusch: only you.” “Perfect answer.”

 

 

wedding
Nein, das habe ich nicht manipuliert. Ist das nicht herrlich? Diese Umfrage wurde 2015 von den Engländern eindeutig beantwortet. Ich liebe diese Antwort.

 

 

Was passierte noch am 06. März?

de 1901

In Bremen wird Kaiser Wilhelm II. bei einem Attentat durch den Arbeiter Dietrich

Weiland schwer am Kopf verletzt. (Nie von gehört, was ist mir noch entgangen?)

uk 1987

The British ferry MS Herald of Free Enterprise capsizes in about 90 seconds killing 193.