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george
Der neue Star im Königshaus. Alles dreht sich um George. Wie bei mir.

Das englische Königshaus ist beliebter denn je. Queen Elizabeth findet breite Zustimmung in der Bevölkerung und dasselbe gilt für die ganze Familie. Catherine, Duchess of Cambridge, genannt Kate, ist ein Glückgriff. Seit der Heirat mit William geht es für die Royals steil bergan. Dann wurde George geboren und im letzten Jahr fieberte ganz England der Geburt der kleinen Charlotte entgegen. Prince Charles und Camilla werden längst vom Volk akzeptiert, ja geliebt, und Harry hat seine Rolle gefunden. Überhaupt sind die beiden Prinzen William und Harry bemerkenswerte Männer, denn sie haben den Spagat zwischen Funktionsträger und Persönlichkeit gemeistert. Sie sind inzwischen hervorragende Vertreter des Königshauses geworden und haben es doch geschafft ganz individuelle Menschen zu werden. Längst bin auch ich eine überzeugte Anhängerin des Königshauses geworden. Die Queen habe ich im letzten Jahr zweimal live gesehen; nur von Weitem, aber immerhin. Und immer wenn ich am Buckingham Palace vorbeigehe, ist mir bewußt, da drin ist jetzt die Königin. Und dann mache ich mich ein bißchen gerader und gehe ein wenig graziler und bin irgendwie stolz auf “unsere” Queen.

In allen Londoner Tageszeitungen wird täglich über das Königshaus berichtet. Oft auf der Titelseite, wenn aber nicht dort, dann unter der eigenen Rubrik ‘Royals‘. Ich lese es immer gerne und denke mir doch oft im Stillen, wie würde ich es finden, wenn täglich über mich öffentlich berichtet wird? Müssen Sie jetzt lachen, weil ich das doch eigentlich selbst in diesem Blog erledige? Na ja, das kann man nun doch nicht vergleichen. Ich darf verschweigen, was mir nicht ins Bild passt. Die Königin ist sich stets bewußt, dass jeder Schritt und jede Geste dokumentiert und bewertet wird. Und ich bin inzwischen voller Hochachtung für ihre unendliche Geduld, Disziplin und Freundlichkeit. Das soll ihr erst einmal einer nachmachen. Den künftigen Thronfolgern traue ich es zu; sie scheinen mir mental fit zu sein. Ihre Erziehung ist darauf ausgerichtet und das wird nicht immer Spaß gemacht haben. Charles erzählte vor wenigen Tagen erstmals, dass er im Internat regelrecht gemobbt wurde. Keine einfache Situation, hätte er sich beschwert, wäre er die Heulsuse gewesen. Und Trost wird er auch nicht bekommen haben, denn kein Lehrer wird sich trauen den künftigen König liebevoll in den Arm zu nehmen und die Eltern sind unendlich weit weg. Jedenfalls eskalierte die Sache damals bei einem Cricketspiel. Einer der Mitschüler rempelte Charles bewußt grob an und schlug dann auch noch mal kurz mit der Faust zu. Das Ergebnis war eine gebrochene Nase. Aber das durfte auf keinen Fall bekannt werden und so hatte der junge Prinz neben dem körperlichen Schmerz auch noch den seelischen auszuhalten. Wegen der Staatsräson, oder was auch immer, wurde ihm jede Anteilnahme an seinem Unglück verwehrt. Keinen Trost zu bekommen ist so ziemlich das Schlimmste was einem passieren kann. Egal wie alt man ist.

 

windsor
Windsor Castle liegt im Westen von London. Bis zum Buckingham Palace braucht man eine knappe Stunde im Auto.

 

Zurück zur Queen. Sie und ihr Mann leben ja eigentlich in Windsor Castle. Nur unter der Woche, meistens von Dienstag bis Donnerstag, sind sie im Buckingham Palace. Das ist das ‘Büro’, dort ist sie immer öffentlich, also in ihrer Rolle als Staatsoberhaupt anwesend. In Windsor geht es privater zu, darüber hört man weniger, obwohl es nun nicht gerade aus der Welt ist. Man fährt eine dreiviertel Stunde, immer auf der M4. Übrigens mautpflichtig, aber nicht für die Königin. Die hat weder einen Führerschein noch ein Nummerschild am Auto und darf trotzdem überall rumgurken. Was sie auch immer noch gerne mal macht. Dann rutscht der Chauffeur auf den Beifahrersitz und los geht’s. Gerade wurde angkündigt, dass die Queen ab sofort mehr Zeit auf Windsor verbringen wird. Mit anderen Worten, sie zieht sich ganz langsam aus dem Tagesgeschäft zurück. Justiert die work-life-balance neu, was George übrigens auch gerade macht. Und da wurde nun berichte, dass man sich nach einigen hundert (?) Jahren nunmehr dazu durchgerungen hat, die alten Federbetten gegen moderne duvets auszutauschen. Was für eine Nachricht! Also wenn ich es richtig verstanden habe, schlafen die Windsors noch ganz altmodisch unter dicken Steppdecken, prall gefüllt mit Eiderentendaunen. Darüber einen Bettwurf, seitlich und unten stramm unter die Matraze gestopft. Wenn man die Beine endlich drin hat, sind die Füße so fest fixiert, dass man sich beim Umdrehen eher den Miniskus einreißt, als dass der Fuß nachgibt. Jetzt also hat man eingesehen, dass modernere Bettdecken besseren Komfort bieten, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so exklusiv hergestellt werden. – Also mal ehrlich, möchten Sie in der Zeitung lesen wie, wo und wann Sie zu Bett gehen? Welche Decken sie nutzen und wie oft sie neu bezogen werden? Nee, also so gesehen bin ich dann doch ganz froh nur eine null-acht-fuffzehn Bloggerin zu sein.

 

bett
In Hamburg schlafen wir im Union Jack Bezug eingedreht. George versteht es als Liebeserklärung und so war es von mir auch gemeint.

 

 

The boss himself says:

George says: „What means zero-eight-fifteen ???“

Ich sage: “Das kann man nicht übersetzten. Vielleicht ‘quite ordinary’, aber irgendwie doch nicht.”

 

 

Was passierte noch am 6. Januar?

de 1983 Der Bundestag wird vom Bundespräsidenten Carstens aufgelöst. Kanzler Kohl hatte, wie verabredet, die Vertrauensfrage verloren. Neuwahlen im März.
uk 1915 In England ist nichts passiert. Erinnern wir uns stattdessen an das Attentat auf Charlie Hebdo, vor einem Jahr, in Paris.