129. Tag, Rest: 237 Tage

Wenn Sie sich etwas länger in London aufhalten, sollten Sie unbedingt auch mal das Parlament besuchen. Das ist sehr beeindruckend. Ich meine nicht den Prachtbau selbst, den Palace of Westminster, sondern den politischen Betrieb in den beiden Kammern. Darf man denn da zuhören? Yes, man darf, allerdings nur mit Anmeldung. Es gibt eine ganze Palette von Angeboten für den Besucher: Da sind die Guided Tours, die für Touristen vielleicht am bequemsten sind. Wer nicht aufs Pfund gucken muß, bucht zusätzlich den Afternoon Tea im parlamentseigenen Café. Ich bevorzuge die Audit Tours. Da läuft man alleine herum, wird aber von einem virtuellen Führer akkustisch geleitet. Kommen Sie gar nicht erst auf die Idee, die gut gekennzeichnete Route durch die Räume zu verlassen. Sobald Sie die rote Linie, in diesem Fall rote Taue beidseitig des Weges, verlassen, wird man sie festnehmen und für immer in den Tower wegsperren. Man fühlt sich zwar herrlich alleine (ich war an einem Regentag im März dort), aber man geht keinen Schritt ohne Videoüberwachung.

 

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The House of Commons. Der Prime Minister debattiert mit den Abgeordneten.

 

Wahrscheinlich wird man Ihnen einen Termin am Samstag anbieten. Lehnen Sie den lieber ab, denn das ist dritte Wahl. Das Wichtigste fehlt dann nämlich: klar, die Abgeordneten. Sie können ohne weiteres wochentags während das Parlament tagt anwesend sein. Die Zeiten variieren, es gibt auch Ferienzeiten für die Abgeordneten, aber grundsätzlich ist sowohl vormittags als auch nachmittags das Haus gefüllt. Ausnahme ist der Mittwoch. Das ist zwar der spannendste Tag, denn dann findet zur Lunchtime die Prime Minister’s Question (PMQ) statt, aber dafür Tickets zu bekommen ist eher ein Glücksfall. 

Egal welche Tour sie buchen, sie werden hoffentlich alle diesselben Stationen zu sehen bekommen. Da wäre zunächst The Queen’s Robin Room. Wenn die Königin am 18. Mai dieses Jahres das Parlament wieder feierlich eröffnen wird, dann wird sie hier den königlichen Mantel anziehen und die zentnerschwere Krone aufsetzten. Das wird übrigens alles vorher geprobt und die Queen selbst legt größten Wert auf einen Testdurchgang. Leider steht ihr dann die Krone oftmals noch nicht zur Verfügung, denn das unbezahlbare Stück ruht entweder im Tresor oder in der Vitrine des Towers, wo Besucher sich sattsehen dürfen. Also muß improvisiert werden, denn die Königin will ein Gefühl für den schweren Kopfschmuck bekommen und weiß sich zu helfen. Sie setzt sich kurzerhand einen samtenen Beutel aufs Haupt, der grammgenau mit Mehl gefüllt ist und kann dann das Balancieren einüben. 

 

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Die Central Lobby. Alles sehr alte, sehr ehrwürdige Räume. Wobei allerdings der größte Teil des Westminster Palastes nach einem Brand, Mitte des 19. Jahrhunderts, zerstört wurde. Beim Wiederaufbau hielt man sich streng an das Original.

 

Weiter geht der Rundgang durch die Royal Gallery (Nelson, Blucher und Wellington sind in Öl auf riesigen Leinwänden zu bestaunen), dann in das House of Lords (rote Bänke), House of Commons (grüne Bänke), Central Lobby, ein Treffpunkt der Politiker und Vertreter aller Art, dann in die Member’s Lobby, wo uns Churchill als lebensgroße Bronzestatue schon erwartet und schließlich in die No Lobby. Ein düsterer, schmaler Korridor, durch den alle Abgeordneten gehen müssen, wenn sie mit einer Wahl nicht einverstanden sind. Übrigens haben sie dafür acht Minuten Zeit! Das muß ein ziemliches Stolpern und Gedränge sein. Schließlich landet man in der St Stephen’s Hall. Von dort kann man auf die Besuchergallerie des eigentlichen Parlamentsaales gelangen. Das ist wirklich spannend. Man meldet sich an, muß ein Formular ausfüllen, wird durch einen Detektorenscanner wie am Airport geschleust und gibt schließlich noch alles ab, was eine Batterie braucht (Kamera, Handy, Laptop …). Dann wartet man bis zu einer Stunde bis man eingelassen wird. Ich hatte Glück und war nach fünf Minuten auf der Besuchergallerie. Was ich da erlebte, erzähle ich morgen. 

 

house of lords
Im House of Lords haben auch hohe Würdenträger der Kirche ihren Platz.

 

 

The boss himself says:

 

Ich frage: Warum ist direkt vor dem Thron der Königin ein Wollsack platziert? Hast du irgendeine Ahnung was das symbolisieren soll?

 

George says: “The Lord Chancellor sits at the Woolsack. He is the Speaker of the Lords and the head of the British legal system. The Woolsack itself dates back to the 14th century, it is cushion stuffed with wool, which at the time was of immense importance to the English economy. – And, probably, the reason for the plague (schwarze Pest). Not the rats but the fleas spread the disease.

 

 

Was passierte noch am 08. Mai?

de 1842

Der Hamburger Brand kann nach vier Tagen endlich unter Kontrolle gebracht werden.

Beinahe ein Drittel der Altstadt ist zerstört. 51 Menschen sind ums Leben gekommen,

die Zahl der Obdachlosen wird auf 20.000 geschätzt.

uk 1984

The Thames Barrier is officially opened. – Das Sperrwerk liegt ein bißchen weiter 

westlich als Greenwich. Ein Besuch lohnt sich, am besten mit Auto einmal die 

ganze Themse bis zur Mündung abklappern.