313. Tag, Rest: 53 Tage 

maerchenHeute will ich mal wieder einen Mutmacher schreiben. Ich glaube fest daran, dass Märchen wahr werden können. Ich kann zwar keine Anleitung geben, kenne aber den Anfang, um den eigenen Traum real werden zu lassen. Erst einmal sollte man natürlich eine Vorstellung davon haben, wie das Leben sein soll, indem man sich rundum wohl fühlt. Kein Witz, die meisten Leute können es nur vage beschreiben. Fragt man dieselben aber danach aus, was sie auf keinen Fall (länger) haben wollen, werden sie ganz konkret. Also, denken Sie mal über ihren Traum nach und stellen Sie ihn sich wie eine inszenierte Bühnenshow vor. Am besten täglich, bis sie das Szenario so verinnerlicht haben, dass Sie anfangen es in ihre nächtlichen Träume wie selbstverständlich einzubauen. An diesem Punkt bleiben viele dann stehen und warten geduldig darauf, dass nun auch ihre reale Welt sich ändern möge. Das passiert aber nicht, denn der erste Schritt muß von Ihnen gemacht werden. Sie setzen den Impuls, der dann das Leben von Grund auf ändern kann. Und dieser erste Schritt ist unbequem, denn er verlangt von einem, dass man sich für eine gewisse Zeit aus der eigenen Komfortzone heraus bewegt. Das macht fast niemand freiwillig. Leider muß es sein, denn wer sein Ziel erreichen möchte, muß sich bewegen.

Genug der Theorie. Es gibt ja genug Menschen, die es gemacht haben. Einer davon ist James Bowen. Mit seinem Namen können viele nichts anfangen, wissen aber sofort wer gemeint ist, sobald sein Kater Bob ins Spiel kommt.

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Wer kennt sie nicht? James Bowen und sein Kater Bob. Beide haben sich für die Premiere schick gemacht.

James wurde in England geboren und ging dann mit seiner Mutter nach Australien. Die Kindheit war schwierig, ihm fehlte der Vater, er war einsam und vermisste die Heimat. Als junger Mann kehrte er nach London zurück. Er war mittellos und verdiente sich ein bißchen Geld als Strassenmusikant in Covent Garden. Das Geld reichte kaum für eine warmes Essen. Er betäubte seinen Schmerz mit Alkohol, dann mit harten Drogen. Er hatte alles verloren und lebte zehn Jahre lang obdachlos auf Londons Strassen. Ein hartes Leben. 

Dann startete er einen Versuch vom Heroin loszukommen. Er fand Aufnahme in einem Anti-Drogenprogramm. Er bekam Methadon, um den Entzug durchzustehen, und ein Zimmer im vierten Stock eines heruntergekommenen Wohnhauses in Tottenham, um einen Platz zum Schlafen zu haben. Und dort lag eines Tages ein verletzter Kater vor seiner Zimmertür. Obwohl James weder Geld, noch Platz hatte, nahm er den in Not geratenen auf. Er fuhr mit ihm zum Tierheim nach Southwark, wo der Streuner kostenlos behandelt wurde. Weil James den Besitzer nicht ermitteln konnte, nahm er den Kater auf und nannte ihn Bob. Der begleitete fortan James täglich in die Innenstadt Londons, um dort stundenlang neben ihm auszuharren, wenn der zur Gitarre sang. Beide wurden schnell bekannt, denn die Zusammengehörigkeit war deutlich sichtbar. Da lief ein Kater, ohne Leine, neben seinem Freund durch die Strassen. Bob gab James das Gefühl, dass er jetzt für jemanden sorgen mußte. Sein Leben fing an einen Sinn zu bekommen. Er suchte sich eine Arbeit als Zeitungsverkäufer des Big Issue (Odachlosenzeitung) und irgendwann wurde jemand neugierig und überredete James sein Leben aufzuschreiben. 

Das Buch ‘A Street Cat Named Bob’ wurde ein Bestseller. Schließlich wurde es verfilmt und hatte am dritten November in London Weltpremiere. Die Duchess of Cambridge, Kate Middleton, liess es ich nicht nehmen der Premiere beizuwohnen. Sie ist die Schirmherrin von ‘Action on Addiction’. Das ist eine Hilfsorganisation für alkohol- und drogenabhängige Menschen. James Bowen ist ein eher schüchterner Mann. Jedenfalls wirkte er auf mich so, als ich ihn einmal am Bahnhof Angle sah. Er ist kaum zu übersehen, fast zwei Meter groß, aber sehr zurückhaltend. Aber am Premiereabend war er sichtlich aufgeregt. Man konnte es ihm ansehen, wie er ungläubig wahrnahm, was da gerade passierte. Cool wie immer war Bob. Der hatte es sich wie gewohnt auf den breiten Schultern seines Freundes bequem gemacht und sah sich den ganzen Trubel aus erhöhter Perspektive an. 

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Kate, die Duchess of Cambridge, ist Patronin der Veranstaltung zu Gunsten der Drogenabhängigen. Sie sitzt mitten unter den  Zuschauern und verfolgt die Filme, an deren Herstellung die Betroffenen selbst beteiligt waren.

Bisher habe ich den Film nicht gesehen, kenne aber natürlich das Buch und werde deshalb von der Handlung nicht überrascht sein. Die Kritik war eher mäßig, man fand die Story zu rührselig. Nun, sie ist immerhin authentisch. Jetzt in der Weihnachtszeit ist der Film ganz sicher ein Seelenwärmer. Wer solchen Gefühlen lieber aus dem Weg geht, sollte wissen, dass an Orginalschauplätzen gedreht wurde. Mit anderen Worten, der Film ist ein wunderbarer Streifzug durch London. Alleine deshalb lohnt sich der Besuch.

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Ein Märchen wurde wahr. James ist angespannt, Bob schnurrt ganz entspannt.

The boss himself says:

 

George says: “Everybody loves the story. The moggy (Katze) seemed as lonely and helpless as James who took the chance to care for another creature. They are really incredible when Bob sits all day, quite happily watching the world go by, while James earned a living.”

Ich sage: “Ach, ich kann jetzt gar nichts sagen. Schnieeeef.

 

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Man muß die eigene Komfortzone verlassen, wenn man was Neues finden will. Eine Garantie aufs Glück gibt es nicht, aber einen Versuch ist es allemal wert. Trau dich!

Was passierte noch am 8. November?

 

de 1930 In Berlin findet die Uraufführung des Singspiels Im weißen Rößl von 

Ralph Benatzky statt. – Komisch, ich muß ewig suchen, um wenigstens

eine neutrale Nachricht zu finden, die es wert war, überliefert zu werden.

uk 1971 Die britische Band Led Zeppelin veröffentlicht den Song Stairway to Heaven.