253. Tag, Rest: 113 Tage 

flaggenBei mir kribbelt’s schon. Ein Tag noch, dann ist es wieder soweit: Last Night of the Proms. Ab 22:00 Uhr live im TV (NDR III). Dieses Jahr könnte der Abend in der Albert Hall noch spektakulärer als sonst werden. Erstmals könnte die Kulisse zu politischen Zwecken misbraucht werden. Die sogenannten “Remainer”, also die Engländer, die gerne in der EU bleiben würden, haben sich nämlich angemeldet. Man plant statt des Union Jacks die EU-Flagge zu schwenken. Einige hundert Exemplare hat man schon unter sich verteilt und will damit möglichst flächendeckend die Balustraden der Balkone schmücken.

Das kommt beim Londoner aber gar nicht gut an. Egal ob pro oder contra Brexit, in einem Punkt ist man sich einig. Und das ist die Bedeutung des Sommer-Abschiedskonzertes. Wer das für seine Zwecke nutzen will, muß mit Widerstand rechnen. Wobei der Plan eigentlich schlau ist, denn die Übertragung wird von Millionen Zuschauern weltweit verfolgt. So eine Bühne bietet sich kein zweites Mal. Und trotzdem wird gewarnt: “The climax of the Last Night is the singing of Rule Britannia! – which is the great hymn to Britain and certainly not to the European Union.” Das ist wohl wahr. 

flag

Ich hatte schon letztes Jahr das Vergnüngen mittenmang zu sein. Ach, es war herrlich und unvergeßlich. Dieses Jahr werde ich mir das Konzert im TV ansehen (in England wird zeitgleich auf BBC 1 und 2 übertragen, das gewährt man sonst nur der Königin für ihre Ansprache am Weihnachtstag) und vielleicht ist es ganz gut, diesmal etwas räumlichen Abstand zu wahren. Wer weiß was passiert, wenn auf einmal politische Akteure stören wollen. Das könnte schief gehen. Denn nüchtern ist da niemand. Gut, vielleicht die Musiker, obwohl …? Einige Politiker warnen die BBC (der Veranstalter) bereits im Vorfeld die Störer auszusortieren. Was ja eigentlich nur anhand der Flagge möglich ist. Sofort hat man reagiert und wird nun mit Fahnen kommen, die vorne den EU-Sternenkranz zeigen und hinten den Union Jack. Das ist doch ein prima Kompromiss, oder?

Gerne wäre ich vor Ort dabei, vielleicht im Hyde Park, wo das Ganze auf einer riesigen Leinwand zu sehen ist. Man feiert dort zusammen mit einigen tausend Begeisterten Menschen und spätestens beim …

God save our gracious Queen,

Long live our noble Queen,

God save the Queen!

Send her victorious,

Happy and glorious,

Long to reign over us;

God save the Queen!

… werden wir aufstehen, mitsingen und die Champagnergläser klingen lassen. Und dann muß ich mich erst einmal ausschniefen und genieße das wohlige Gefühl, das sich in mir breit macht. Ich bin mir ganz sicher, dass es auch dieses Jahr wieder genau so sein wird. Ich wünsche mir, allen Besuchern vor Ort (die ich ein bißchen beneide) und allen TV Zuschauern: enjoy the music and the emotional night! 

panorama

The boss himself says:

George says: “It’s the most patriotic night in the classical music calendar. I like to see the Royal Albert Hall decked out with Union flags and singing together with concert-goers ‘Land of Hope and Glory.’ And now remainers plot to hijack the evening? That’s no cricket!

Ich sage: “Da bringst du ein starkes Argument ein. No cricket bedeutet so viel wie unfair. Und das kommt beim Engländer ganz schlecht an. Damit ist die geplante Aktion schon im Vorfeld so gut wie tot.” “God save the last night.”


 

 

programm2016
Das wird uns in diesem Jahr geboten. Der zweite Teil des Konzertes, ab Elgar, ist jedes Jahr identisch. Mit Auld Lang Syne gedenkt man zum Schluß (deshalb gibt es nie eine Zugabe) den Verstorbenen des letzten Jahres. Eine schöne Geste, die der heiteren Stimmung keinen Abbruch tut. Das bekommt der Engländer gefühlstechnisch wunderbar zusammen.

 

 

Was passierte noch am 09. September?

 

de 1948 Berlin-Blockade. Ernst Reuter ruft in die Kameras: Ihr Völker der Welt! Schaut

auf diese Stadt! – In Hamburg Winterhude heiraten meine Eltern.

uk 2015 Elizabeth II became the longest reigning monarch of the United Kingdom. –

Ist das schon wieder ein Jahr her? Kann doch gar nicht sein. Meine Güte,

jetzt sind meine England Erlebnisse schon persönliche Vergangenheit!