336. Tag, Rest: 30 Tage 

Ohne Christmas tree ist Weihnachten für den Engländer undenkbar. Ich bin da eher flexibel. Gut, den Christmas pudding will der Brite natürlich auch haben. Dann braucht er zwingend seinen x-mas jumper, -und zwar genau den, der sich schon die letzten zehn Jahre so gut anfühlte-, und natürlich kann er auf die TV Weihnachtsansprache seiner Queen nicht verzichten. Das sind sozusagen die ‘Eckpfeiler’ des englischen Weihnachtsfestes, alles andere ist Zugabe. In den meisten Stuben steht bereits ein geschmückter Baum. Die Lichter sind übrigens immer elektrisch, niemand benutzt Kerzen. Wegen der langen Standzeit und der räumlichen Enge wäre ein Brand fast zwangsläufig zu erwarten. 

 

tradition
Jeder soll seine Tradition leben. Der Engländer liebt die See und geht auch am Weihnachtstag gerne in Brighton baden. Sie sind alle recht resistent der Kälte gegenüber, das haben sie ein Leben lang trainiert. Ich aber nicht. Brrrrr.

 

Wie schon einmal erwähnt, brachte Prinz Albert, der Ehemann von Königin Victoria, die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaumes aus seiner deutschen Heimat mit auf die Insel. Es war ein emotionaler Volltreffer, ab sofort wollte jeder einen buntgeschmückten Christmas tree haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und so kamen die Stadtväter von Coburg (Bayern) auf eine tolle Idee. Sie schenkten der heutigen Königin, Queen Elizabeth, einen Weihnachtsbaum zu ihrem 90. Geburtstag. Sie versprachen ihr die Tanne pünktlich anzuliefern und selbstverständlich auch für den Schmuck zu sorgen. Letzte Woche haben sie ihre Zusage eingelöst.

 

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Das Geburtstagsgeschenk wird geliefert. Ein deutscher LKW hält in Windsor.

 

Prinz Albert war auf Schloß Rosenau bei Coburg, im Jahre 1819, zur Welt gekommen. Gestorben ist er 1861 auf Schloß Windsor. Victoria, seine Witwe, trauerte bis zum eigenen Lebensende (1901) um den Gatten.

Vor dem Schloß Windsor wird jedes Jahr, Ende November, eine mächtige Tanne aufgestellt und mit vielen Kerzen geschmückt. Die Kosten dafür übernimmt die Queen. Dieses Jahr hatte nun die Stadt Coburg, bzw. Nachfahren des Prinzen Albert, den traditionsreichen Job übernommen. Mitte letzter Woche kam die Tanne in Windsor an. Vielleicht war sie in Bayern gewachsen oder sogar im Thüringer Wald? Auf jeden Fall war der prachtvolle Baum über 1.000 km transportiert worden, meistens wohl auf der Schiene, denn das gute Stück, natürlich eine Edeltanne, ist an die 12 Meter hoch.

 

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Das Aufstellen passierte am letzen Mittwoch. Freitag kamen dann die deutschen Dekorateure angefahren.

 

Wer das Schloß Windsor besuchen will, dem fällt sofort die mächtige Bronzestatur von Queen Victoria auf, die gleich an der High Street Kreuzung steht, als würde sie den Verkehr dort regeln. Dahinter ist ein kleiner Hügel, genannt Castle Hill, und auf dem wurde die Tanne aufgerichtet. So sieht sie noch höher und mächtiger aus. Freitag rückten dann die deutschen Techniker an. Auch sie waren von Coburg per Auto bzw. LKW angereist. Ihr Job war die fachmännische Dekoration der Lichterketten, das Befestigen der ballgroßen Kugeln und schließlich noch das Aufstecken einer vergoldeten Spitze. Das alles muß natürlich auch einem Wintersturm standhalten und deshalb hatten die Männer gut zu tun. Aber mit deutscher Präzision brachten sie es perfekt zu Ende. Sie wollten gerade wieder in ihre Fahrzeuge steigen, da entdeckte sie etwas an der Windschutzscheibe. 

 

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An der Zufahrt zum Schloß, gleich hinter der Queen Victoria Statue, steht der deutsche Weihnachtsbaum. Er wird ganz gewiß von Queen Elizabeth viel Aufmerksamkeit erhalten.

 

Tatsächlich hatte ein Polizist alle drei Autos mit einem Knöllchen bedacht. Obwohl riesengroß auf den Wagen zu lesen war: ‘Christmas tree express for the Queen’. Und Windsor nun auch nicht so riesig ist, dass die Aktion sich nicht herumgesprochen hätte. Ganz besonders bei der Verkehrspolizei. Aber der Beamte kannte kein Pardon und so tat er, was er tun mußte. Falsch parken wird in England teuer berechnet und sollte sofort bezahlt werden. Sonst drohen Zuschläge, die die Summe schnell verdoppeln können. Die Deutschen fuhren aber erst einmal in ihr Hotel, wo der Mayor of Windsor (eigentlich Maidenhead) schon auf sie wartete. Er bekam sichtbar rote Ohren, als er von der Sache hörte. Man stornierte die Strafzettel sofort und, was unverzichtbar und viel wichtiger ist, man entschuldigte sich tausendfach bei den großzügigen Deutschen. Die nahmen die Entschuldigung sofort an und dann wurde es doch noch ein richtig netter deutsch-englischer Abend.

 

lichter
Abends wird der Baum auch die Queen Victoria ins rechte Licht setzten.

 

Mir gefällt die Idee des gespendeten Weihnachtsbaumes riesig. Da hat man sich wirklich mal Gedanken gemacht, womit man jemanden eine Freude machen kann. Und das ist bei einer Königin nicht ganz so einfach. Aber dieses Geschenk traf voll ins Schwarze und findet viel Beifall bei den Engländern. Ein bessere Werbung hätte man für Deutschland nicht machen können. – Und wenn es den Coburgern bei Queen Elizabeth gelungen ist, ein Geschenk ganz nach ihrem Geschmack zu finden, na, dann werden wir es bei unseren Lieben doch wohl auch schaffen.

 

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Die Spitze muß noch auf den Baum. – Die Engländer fanden das deutsche Team auch Spitze, denn sie akzeptieren ihre Entschuldigung: “The delegation were very understanding and have accepted our apologies”, erzählten sie erleichtert der anwesenden Presse.

 

 

   

The boss himself says:

 

George says: “O Christmas tree, O Christmas tree, much pleasure doth thou bring me! For every year the Christmas tree, brings to us all both joy and glee.”

Ich sage: “Ich bin beeindruckt. Und, sorry, nein auf deutsch kann ich es nicht singen. O Tannenbaum, O Tannenbaum … und dann? Wie geht es weiter? … aus der Traum. Oder was reimt sich sonst noch? – Aber ich kenne ein anderes: Am Weihnachtsbaume, da hängt ‘ne Pflaume … trallala. ” “Till Christmas you have to know it inside out. And by the hell, where is my x-mas jumper? I cancel Christmas without the knitty gritty!”

 

 

arsenal
Arsenal London. Wie singen die immer? Wir sind elf Männer und … siebenundzwanzig Elche?

 

 

 

Was passierte noch am 1. Dezember?

 

de 1984

Unter der Bezeichnung ‘Controlled Impact Demonstration’ bringt die NASA eine

ferngesteuerte Boeing 720 kontrolliert zum Absturz. – Das hat jetzt gar nix mit DE

zu tun, aber vielleicht etwas mit dem 911 Anschlag? Wofür testet man so was?

uk

1990

Beim Bau des Eurotunnels erfolgt der Durchbruch. Zum ersten Mal seit der

letzten Eiszeit kann man trockenen Fußes vom europäischen Festland nach

Großbritannien gehen. – Ein Flüchtling hat es wörtlich genommen und ist

tatsächlich zu Fuß durchgegangen. Zum Glück kam kein Zug. Jetzt lebt er

in England. Hoffentlich haben sich seine Träume erfüllt.