183. Tag, Rest: 183 Tage (Halbzeit)

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Mit Stil durch den Thunderstorm.

Natürlich schmeichelt es mir, wenn ich auf den Besucherzähler schaue: schon über zwanzigtausend! Und wenn ich den einen oder anderen Leser mit meiner Begeisterung für London und die Engländer anstecke und ihn/sie zu einer Reise dorthin animiere, dann ist das prima. Und doch habe ich dann auch ein schlechtes Gewissen. Denn jetzt wird herauskommen, dass ich hier nur die halbe Wahrheit erzähle. Ich berichte hier nur von den Dingen, die ich durch meine rosarote Brille wahrnehme. Alles andere klammere ich aus; es würde mir doch nur die gute Laune verderben. Also hilft es alles nix, jetzt wird aufgeräumt. Die ganze Wahrheit kommt auf den Tisch. Und zwar über London, speziell während der Sommerzeit. Und wer könnte es uns besser madig machen als der Insider George. Lassen wir ihn heute mal zu Wort kommen. “Komm, wir machen eine Fahrradtour. Ab in die Heath, dann ins Spaniards auf einen Eisbecher, am Badesee vorbei oder hinein und die Bezahlung übernehme ich auch, schließlich ist dein Pfund nix mehr wert.” Ich weiß nicht welches Argument ihn überzeugte, aber er stopfte sich schon das Hosenbein in die Socke und das heißt “count me in”.

Bei Icecream und Latte Macchiato fange ich an George auszufragen. Hier kann er mir nicht entkommen. Also, was macht man im Sommer in London? Summer in the Big Smoke? fragt er zurück, da ist man auf Regen eingestellt und trinkt soviel Pimm’s wie der Bauch fassen kann. Man gönnt sich überteuerte Cocktails, steht stundenlang an, natürlich mit einem Lächeln auf dem Gesicht und checked pausenlos die Wetter-App im Handy. Sollte sich zwischen zwei Stürmen ein Sonnenstrahl ankündigen, dann rast man schnurstracks in den nächst gelegenen Park und packt sich auf den noch nassen Rasen.

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“Ach komm, der Juni war zwar wirklich gräuslich, aber eigentlich macht ihr eure gute Laune doch gar nicht vom Wetter abhängig.” “That’s right. If the weather ist too terrible we go to the Tube. There’s a climate hotter than Dubai.” Scheint dann wirklich mal morgens die Sonne, so fährt er fort, dann gibt es kein long lie-in. Das ist eine “code red situation; you’re up at dawn to defend a square inch of space at the local lido”. Beim ersten Sonnenstrahl zieht sich der Engländer das Hemd aus. Auch wenn es kaum 17° warm ist. Hurra, es ist Sommer. 

Abends besucht man das Lovebox Festival (im Victoria Park) und wartet geduldig eine Stunde in der Schlange vor dem Klo. Dabei bräuchte man nur 20 Minuten um zur heimischen Toilette zu kommen. Wann immer man mit seiner Liebsten im Open-Air Cinema weilt, schon sind die himmlischen Schleusen weit geöffnet. Es ist ganz egal, welchen Tag man sich aussucht, mit Sicherheit regnet es junge Hunde bzw. cats and dogs. “Na ja, ein Grund mehr enger zusammenzurücken, oder?” “That’s for sure.”

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Falls man an die Küste fliehen will, dann trifft man unter Garantie jeden Bekannten aus den letzten drei Jahrzehnten im Zug nach Brighton. That’s a given. Bleibt man hingegen lieber zu Hause, dann erwarten einen schon früh morgens am Corner Shop Touristen mit lukewarm Bulmers in der Hand. Die quatschen einen blöd an, weil ihnen der Apfelwein in den Kopf steigt. Abends besucht man Frank’s rooftop bar in Peckham, wo man natürlich keinen freien Platz mehr findet. Und überhaupt ist alles furchtbar teuer. Wie schön ist es doch im Winter, wenn man den ganzen Abend am heimischen Kamin sitzt und an der Pfeife nuckelt, das kostet keinen Cent. Und deshalb machen wir es im nächsten Sommer ganz anders. We’ll be backpacking in Peru or on a beach in Indonesia! Ich schaue in nach Zustimmung bettelnde Augen, überlege einen Augenblick und sage lächelnd: “But no, you won’t. You’ll be eating overpriced tapas in a hipster pavement cafe in West End like everyone else. London, never change.”

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Auf nach Camden Town in den Beach Club.

The boss himself says:

George says: “‘I tell you my lifelong dream: I will buying a house boat and parking it on Regent’s Canal.

Ich sage: “Ja ich weiß. Das ist dein Lebenstraum – seit letzter Woche.”

 

Was passierte noch am 1. Juli?

de 19xx 1969 Gustav Heinemann übernimmt sein Amt als deutscher Bundespräsident.

1974: Walter Scheel tritt sein Amt als deutscher Bundespräsident an.

1979: Karl Carstens nimmt die Amtsgeschäfte als deutscher Bundespräsident auf.

Ist es der Tag des deutschen Präsidenten? Oder alles nur Zufall?

uk 2007 Smoking in England is banned in all public indoor spaces. – Gott sei Dank,

sagt eine Ex-Kettenraucherin.