153. Tag, Rest: 213 Tage

In Hwlffordd, im Südwesten Wales, fuhr Carol (65) zum Einkaufen. Sie steuerte die große shopping mall in der Kreisstadt an, denn rundherum sind zwar viele wunderschöne Naturparks, aber nur wenige Läden zu finden. Weil auch die englische Zunge den walisischen Ortsnamen nur schwer aussprechen kann, ist das Städtchen im Reiseführer unter Haverfordwest zu finden. Aber das ist hier gar nicht wichtig. Carol parkte also auf einem der großen, nicht überdachten Parkdecks ihren Mitsubishi und marschierte Richtung Shopping Center. In den nächsten Stunden wird sie einkaufen, gucken, entdecken, vielleicht einen small-talk halten und auf jeden Fall eine gute Tasse Tee genießen.

Kaum war sie fort, da näherten sich neugierige Augen ihrem geparkten Auto. Sie versuchten wohl den Klassiker, nämlich das Aufbrechen der Hecktür, aber ohne Erfolg. So etwas ist ganz schön anstrengend und deshalb liessen sich die ‘car thiefs’ erst einmal nieder und machten Pause. Aber sie diskutierten die ganze Zeit sehr aufgeregt darüber, wie es denn nun weitergehen soll. Und das fiel schließlich einem anderen Kunden auf, der auch gerade sein Auto abgestellt hatte. Er ging also zu dem Mitsubishi und machte eine für ihn sehr überraschende Entdeckung. An der Heckklappe hatte sich ein Bienenschwarm angeheftet und liess sich durch nichts vertreiben. Im Gegenteil, die Buzzers flogen ziemlich erregt schnurstracks zurück, sobald man sie verscheuchte.

 

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Jungs, die Königin ist da drin. Wie kriegen wir die Hacklappe auf?

 

Der Mann holte telefonisch Hilfe. Es waren Kinder in der Nähe und die Sache war ihm nicht geheuer. Bald waren die Alarmierten vor Ort und schließlich traf auch ein Wildhüter aus dem nahegelegenen Pembrokeshire coast national park ein. Das war der richtige Fachmann, der wußte wie man Bienen einfängt. Trotz aller Erfahrung, war auch er ganz schön überrascht, denn der Schwarm war ungewöhnlich groß. Wohl so an die 20.000 Bienen. Zusammen mit zwei Kollegen konnte er die aufgeregten Tiere vom Auto in Kartons fegen und damit abtransportieren. Die Sache schien erledigt. Das Auto hatte keinen Kratzer abbekommen und deshalb gab es auch keinen Grund auf die Fahrerin zu warten.

Als Carol vollbepackt mit ‘Pütt un Pann’ zurückkam, verstaute sie alles im Kofferraum und fuhr dann über eine Landstrasse heim. Und da passierte es, dass auf einmal die Bienen wieder am Autoheck auftauchten! Sie verfolgten den fahrenden Wagen gut zwei Meilen weit, bis Carol zu Hause ankam. Sie nahm vorsichtig die Tüten über den Rücksitz aus dem Auto, schloß es ab und ging ins Haus. Am nächsten Morgen waren die Bienen noch immer da. Also wurden noch einmal die Imker alarmiert. Bisher wurde niemals bekannt, dass Bienenschwärme ein Auto verfolgen. Man kann es sich nur so erklären, dass die Bienenkönigin im Kofferraum gefangen war. Das wäre für ihr Volk ein stichhaltiger (ha, ha) Grund, um nicht locker zu lassen. Gefunden hat man sie allerdings nicht. Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt, die Bienen sind im Nationalpark und Carol kann ganz entspannt zum Shoppen fahren.

 

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Déjà-vu am Morgen. Die Bienen sind wieder da und lassen nicht locker.

 

Nachtrag: Der freundliche und aufmerksame Mann, der die Hilfe auf dem Parkplatz geholt hatte, zahlte sein Neugierde mit einigen Bienenstichen! Fünf mal stachen sie zu, in den Kopf, den Nacken und hinter die Ohren. Sein Kommentar: “My stings are a bit itchy, but they are not too bad now. I’m pleased it all worked out and I was able to help.” Englische Untertreibung und irgendwie sooooo nett. Und weil ihm, und auch George, die Bienen und ihr Wohlergehen sehr am Herzen liegen, ergänze ich sehr gerne noch seinen nächsten Satz: “People need to realise that bees are valuable animals and they need to be looked after and not hurt.” Recht hat er.

 

 

The boss himself says:

George says: “The honey from my city bees is much more tasty than most nectar from country bee colonies.

Ich sage: “Ja, das stimmt. Der Honig deiner Bienen ist tatsächlich sehr aromatisch und lecker. Warum ist er besser als der von den Land Bienen?” “In the countryside you find large-scale monocultures, Year after year they have the same crops and patented seeds. That’s the reason. My girls gather nectar of many blooms and resin from the buds trees. Very simple, no secret.”

 

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George hat ein leidenschaftliches Verhältnis zu seinen Bienen, ‘my girls’. Das macht mich allerdings nicht nervös. Ich halte lieber Abstand, irgendwie finde ich keinen Draht zu den Tieren. Meine Bitte lautet eher: Won’t you buzz off?

  

 

Was passierte noch am 1. Juni?

de 1964

Mit der geänderten Straßenverkehrsordnung erhalten in der Bundesrepublik Deutschland

die Fußgänger auf einem Zebrastreifen Vorrang vor motorisierten Verkehrsteilnehmern.

uk 1967

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band by The Beatles is released. – Was die da wohl

so alles im Studio weggekifft hatten. Damals (und auch heute) finden sich einige Songs

auf der LP, die etwas sonderbar klingen.