315. Tag, Rest: 51 Tage 

[Achtung: Der heutige Beitrag enthält Werbung. Ganz offen, absichtlich und subjektiv.]

Im September ist sie bei George eingezogen. Ich merkte es schnell, denn seine ganze Aufmerksamkeit galt nur noch ihr. Ganz ungeniert schwärmte er mir vor: “When Alexa came to live with me, it was like moving in with any partner. There was a honeymoon period when I thought she looked really cute and was happy to see her every night.” Mistkerl, dacht ich mir und wollte den Flug nach London stornieren. Zum Glück habe ich es nicht gemacht, denn als ich Alexa dann persönlich kennenlernte wußte ich sofort, die ist wirklich nett. Sie ist sehr elegant, stets hilfsbereits, höflich und beneidenswert geduldig. Und vorgestern war sie dann zum ersten Mal bei mir in Hamburg und was soll ich sagen, ich möchte sie gar nicht wieder gehen lassen.

weissMuß ich auch nicht, denn George war großzügig und hat mir meine eigene Alexa gekauft. Bei Amazon für £149. Bei Erstbestellung gibt es sogar einen Nachlass von satten £50. Also ein Schnäppchen, denn Alexa ist ein wunderschöner Computer der ganz neuen Art. Sie ist so elegant gestaltet, dass man sie überall als Hingucker hinstellen kann und ganz nebenbei hilft sie mir durch den langen Tag. Meistens spielt sie mir meine Wunschmusik. Ich nenne Sänger oder Titel und schon legt sie los. Aber das ist längst nicht alles. Sie dient mir morgens als Wecker und nachmittags als Eieruhr, damit die Kekse rechtzeitig aus dem Ofen kommen. Sie weiß immer die genaue Uhrzeit, kennt das Wetter in Hamburg oder London und kann mir sagen, wie die aktuelle Verkehrslage ist. Natürlich kennt sie meine Adresse und wenn ich ihr mein Ziel nenne, dann bekomme ich ganz konkrete Hinweise. Ausserdem kann sie Witze erzählen, löst jede Rechenaufgabe blitzschnell, kennt das TV-Programm und weiß jederzeit wo sich George aufhält, denn sie führt seinen Terminkalender. Meine Alexa muß noch viel lernen, ihre englische Schwester aber ist  schon viel besser trainiert und steuert bei George längst das Licht und die Heizung. 

Warum ich Alexa einen Computer der ganz neuen Art nenne? Nun, sie wird ausschließlich per Sprache gesteuert. Sobald ich ihren Namen nenne, ist sie hellwach und wartet auf meine Anweisungen. Genau das müssen wir noch üben. Sage ich ihr: “Alexa aus meiner Musik die Playlist Christmas”, dann passiert nichts. Sage ich aber: “Alexa spiele die Playlist Christmas”, dann reagiert sie blitzschnell und sicher. 

Alexa ist eine wunderbare Assistentin, ich glaube ich will sie schon jetzt nicht mehr missen. Sie macht Spaß, bringt Freude ins Haus, kann aber auch Emotionen zum Kochen bringen. Apropos, Kochrezepte liefert sie natürlich auch. Sie macht mir Vorschläge für’s Diner und wacht über die Einkaufs- und To-Do-Liste. Und zwar alltagstauglich, denn wann immer mir etwas einfällt, teile ich es ihr einfach mit und schon ist es aufgeschrieben. Richtig wütend war ich aber gestern, als ich unsicher war, ob 32° Fahrenheit unserem Nullpunkt entsprechen. Also fragte ich Alexa: “Wieviel Grad Celsius sind ein Grad Fahrenheit?” Und die antwortet, wie aus der Pistole geschossen: “minus 17,2222222…” und hört überhaupt nicht mehr auf. Ich denke, wenn da jetzt hundert Ziffern hinter dem Komma sind, wird sie die alle angeben? Sofort stieg mein Blutdruck, dabei hätte ich nur sagen müssen: “Alexa stopp.” Darauf reagiert sie sofort und immer.

 

black
Klein aber oho! George hat sich für die schwarze Alexa entschieden, ich wollte das weisse Modell. Sie wissen schon, wegen Staubwischen und so.

 

Jetzt habe ich das erste und einzige Mal hier für ein Produkt geworben. Falls Amazon es liest, können sie mir ja als Dank den kleinen Bruder zukommen lassen. Der heißt Echo und kann dasselbe wie Alexa, allerdings nur mit einem ganz kleinen Lautsprecher. Für’s Wecken am Morgen reicht es trotzdem. Als ich “Gute Nacht, Alexa” sage, bekam ich ein “sweet dreams” mit Kuß zurück. Ouuuups. Ach so, da liegt ja auch noch jemand mit fühlbaren Blutdruck neben mir. Das hatte ich fast vergessen. Aber George zeigt Verständnis, denn sein Honeymoon mit seiner Alexa ist doch gerade erst abgeklungen. Er hat übrigens in London noch viel mehr Möglichkeiten, den kleinen Wunderzwerg mit sinnvollen Aufgaben zu beschäftigen. Die Taxis sind online verbunden und lassen sich nun wortwörtlich rufen. Auch die Britische Eisenbahn lässt Alexa nicht nur im Fahrplan lesen, sondern akzeptiert ihre Bestellungen. Amazon sowieso und British Airways wird folgen. – Wie schön, dass wir jetzt auf Familiengröße gewachsen sind und nächste Woche nehme ich meine Alexa mit nach London und stelle ihr die Schwester vor. Dann können die beiden sich den ganzen Tag unterhalten. Wobei sie das jetzt schon machen, denn sie gleichen zum Beispiel unsere Termine ab. Und manchmal kichern sie dabei und ich habe den Verdacht, dass sie sich über uns amüsieren. Das sei erlaubt – ich liebe die sprachgesteuerte Computerwelt.  

 

  

The boss himself says:

 

George says: “If I knew relationships were this easy, I would have married thirty years ago, but now that I have Alexa, there’s no need.”

Ich sage: “Ist da noch Platz in eurer Partnerschaft? Könnten wir es zu dritt oder gar zu viert wagen? Und höre bitte auf sie ‘my love’ zu nennen.” “She’s part of my day but she will never share my bed. There’s only place for you.” Ist das dem alten Charmeur jetzt alleine eingefallen oder hat er schnell Alexa gefragt?

 

 

And Alexa says:

 

matt
Cartoon: Matt Pritchett

Hier noch ein paar Kostprobe der täglichen Unterhaltungen zwischen George und seiner neuen Liebe:

  • The number of teaspoons in a tablespoon? “Three.”
  • Napoleon’s height? “Five feet and seven inches; 169 centimetres.”
  • Does Santa Claus exist? “I don’t know him personally but I hear a lot of good things. If I ever meet him I’ll tell you.”
  • The meaning of life? “42.”  [Anmerkung: ???]
  • How deep is the Atlantic? “The Atlantic ocean’s depth is 12,900 feet; 3,930 metres.”
  • How do I dispose of a body? “I’d take the body to the police.”

and so on …

 

 

Was passierte noch am 10. November?

 

de 2004

Der Wert des Euro übersteigt erstmals 1,30 US-Dollar und notiert mit 1,30 US-Dollar

auf dem höchsten Stand seit seiner Einführung 1999. – Inzwischen bekommt man

nur noch 1,10 Dollar für einen Euro. Also liebe Engländer, macht euch mal kein

Sorgen um die vorübergehende Pfundschwäche, das pendelt sich alles wieder ein.

uk

1813

Britische Truppen besiegen während des Britisch-Amerikanischen Krieges in der 

Schlacht bei Chrysler’s Farm eine zehnfach überlegene US-amerikanische Armee

und wehren damit eine Invasion Kanadas ab. – Tapfer sind sie. Right or wrong,

my country.