284. Tag, Rest: 82 Tage 

Der Tower of London soll der meistbesuchte Ort Englands sein. Ich hätte da ja eher auf einen der Pubs getippt, aber bei der Umfrage ging es wohl nicht um die Gewohnheiten von George and his mates. Londons Tower war einst eine Festungsburg und Königssitz, später Waffenkammer aber auch Zoo. Und natürlich Gefängnis und Hinrichtungsstätte. Das eintausend Jahre alte Gemäuer hat bis heute alles überstanden. 

 

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Die Yeomen Warders passen auf den Tower of London auf. Ihr Wachwechsel ist genauso prachtvoll inszeniert wie der am Buckingham Palace.

 

Zwei Dinge werden besonders bewacht: Die Kronjuwelen und die Raben. Um sie, die eindrucksvollen Vögel, rankt sich die Legende, dass das gesamte Königreich zugrunde gehen würde, falls sie jemals den Tower verlassen sollten. Es müssen immer sechs von ihnen lebend anwesend sein und das nimmt man bis heute sehr ernst. Um nicht in Bedrängnis zu kommen, ist die Anzahl normalerweise auf neun Vögel aufgestockt. Drei sitzen sozusagen auf der Reservebank.

 

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Unser Herbstspaziergang führt uns am Tower of London vorbei.

 

Die älteste in der Rabenschar ist Munin. Sie wurde 1995 in Schottland geboren. Aber sie hat noch ein langes Leben vor sich, denn einer ihrer Vorgänger starb mit 44 Jahren. Es gibt übrigens eine Ecke für die toten Raben. Sie haben dort einen eigenen Friedhof. Man kann ihn von der mittleren Zugbrücke aus sehen. Die meisten Towerraben sind in Somerset, England, geboren. Da wären Bran, Porsha, Erin, Hugine, Rocky, Gripp and Jubilee. Der letzte kam natürlich 2012 zur Welt. Merlina dürfen wir nicht vergessen, sie ist eine Waliserin. Von Erin and Hugine wissen wir, das sie Schwestern sind. Munin, die Erfahrene, ist eines Tages einfach mal ausgekniffen. Ich denke sie wollte sich das wunderschöne London ansehen. Fünf Tage später fand man sie in Greenwich. Sie wurde eingefangen und zum Tower zurückgebracht. Ein happy end, denn bis heute ist sie geblieben.

 

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Raven Master Chris Skaife mit einem seiner Schützlinge.

 

Die Raben sind dem Tower of London, und damit natürlich auch der Queen, treu ergeben. Sie könnten fortfliegen, tun es aber nicht. Es sind wirklich immer dieselben Vögel. Ein bißchen hilft man ihrer Loyalität nach. Das ist der Job des königlichen Raven Masters. Er füttert die Raben, bringt sie abends zu Bett und lässt sie morgens wieder frei. Bei Sonnenuntergang erklimmten die Vögel freiwillig eine Hühnerleiter, um in die Schlafnische in der mächtigen Burgwand zu kommen. Nachts wurde der Schlafplatz mit einem Gitter verschlossen. Sicher ist sicher, denn Füchse schleichen gerne durch die City.

 

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Nachts würde ich mich auch mal gerne in den Tower schleichen.

 

Inzwischen haben die Raben einen sehr viel größeren Käfig bekommen. Den nutzen sie zum Schlafen, Ausruhen und Fressen. Das wurde ihnen nämlich vorher oft von den Möwen streitig gemacht. Der Raven Master erzählte uns davon: “Previously I put the food out around the Tower and that was stolen by seagulls – we have probably got the fattest around London here in the Tower because I lost a lot of the food to them.” Damit ist jetzt Schluß, die Möwen müssen sich wieder selbst um ihre Nahrung bemühen. Was ihnen nicht schwerfällt, denn irgendwo steht immer ein Tourist, mit einer Schale Fish & Chips herum.

 

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Die neue Käfiganlage für die Towerraben. Hier haben sie Ruhe.

 

Kolkraben sind intelligente Vögel. Sie imitieren Stimmen und Geräusche, sind sehr aufmerksame Beobachter, spielen gerne mit den Besuchern. Sie fressen rohes Fleisch und bekommen auch mal ein Ei am Sonntag. Wenn sie schlechte Laune haben, können sie heftig zuhacken. Also lieber Abstand halten. In ihrer neuen Käfiganlage, kann man sie gut beobachten und fotografieren. Aber auch im Freien sind sie leicht zu finden. Dazu hat das Tower Management eine hübsche Karte gezeichnet, auf der die Lieblingsplätze der Raben markiert sind:

 

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Am Coldharbour Gate (11) sind die Raben oft zu finden. Es ist ein altes Eingangstor zur Burg. Oder daneben, am Wall of the Inmost Ward (37) oder einfach auf dem Tower Green (33). Auf dem Platz wurde übrigens Anne Boleyn mit dem Schwert enthauptet. Hat man die Raben noch immer nicht gesichtet, dann lohnt sich ein Blick auf den Roman City Wall (22). Da sitzen sie gerne in der Mittagssonne.

 

 

 

The boss himself says:

 

Ich frage George: “Hättest du gedacht, dass fast zwei Drittel aller Londoner nicht wissen was Big Ben ist? Viele meinen es sei der Turm oder der Name der Uhr. Beides falsch, denn Big Ben ist die große Glocke im Turm.

George says: “I’m not surprised by that. The beauty of living in such a vibrant capital is that it is endlessly surprising.

 

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Tausend Jahre London auf einem Foto. Hinten links das über 300 Meter hohe Shard Building, im Nebel verschwindend, und vorne der gedrungenen, zeitlose Tower of London. Das meinte George wohl mit ‘endlessly surprising’.

 

 

Was passierte noch am 9. Oktober?

 

de 1962

Im Spiegel erscheint der Artikel „Bedingt abwehrbereit“ von Conrad Ahlers. – Das

löst eine Welle von Gewalt aus. Verlierer gibt es auf beiden Seiten. In Hamburg, wo

der Spiegel gemacht wird, bewaffnen sich Demonstranten und marschieren nachts

über die Strassen. Wir machen die Tür zu und bleiben erst mal zu Hause.

uk 1999

Das „London Eye“, derzeit das größte Riesenrad in Europa, wird aufgerichtet. –

Hurray! They get it up.