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Der typische Engländer hat einen unerschütterlichen Optimismus. Und darum beneide ich ihn. Egal wie schlimm es auch kommen mag, er wird nie aufgeben. Selbst wenn er seine Niederlage einsehen muß, wird er immer noch irgendeinen Dreh finden, um der ärgerlichen Situation doch noch etwas Gutes abgewinnen zu können. Auch hier gilt wieder die erste Bürgerpflicht: Bringe ein bißchen mehr Freude in die Welt. Ein Paradebeispiel konnte ich jetzt beim Besuch eines Freundes von George erleben. Wir mußten zum Burgess Park in Südlondon fahren und kamen durch ein Industriegebiet in Southwark. Viele kleinere Betriebe hatten dort ihre Werkstätten und zwischen den flachen Hallen gab es auch einige brach liegende Grundstücke. Auf einem solchen, stand etwas Kunterbuntes, das sofort meine Aufmerksamkeit hatte. Beim Näherkommen gab es keinen Zweifel mehr, das ist ein Panzer! Ein russischer T34. Wie um alles in der Welt kommt der hierher?

 

tank 

Wir erfuhren es etwas später, als wir bei unseren Gastgebern ankamen. Der Panzer war ihnen gut bekannt, denn er hat eine ziemlich irrwitzige Geschichte. Und weil man damit Besuchern auch heute noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, wird niemand in Southwalk auf die Idee kommen, dieses Monstrum zu entsorgen.

Der russische T34 Panzer ist gut 35 Tonnen schwer. Dieses Exemplar wurde 1968 beim ‘Prager Frühling’ zum letzten Mal eingesetzt, und wir Älteren erinnern uns sofort an die schockierenden TV-Bilder. Dann kaufte ein englisches Filmteam die Kriegsmaschine und brachte sie nach London. Nach dem Dreh kam der Panzer dann gegen Geld in den Besitz des Privatmannes Russel Gray. Der hatte einen ganz speziellen Verwendungszweck für den Schrotthaufen.

Russel hatte sich ein Grundstück in Southwark gekauft und wollte darauf ein Haus errichten. Das zuständige Bauamt verweigerte ihm aber die Erlaubnis. Sehr ärgerlich, denn was sollte er mit dem leeren Grundstück ohne Baugenehmigung anfangen? Kein Mensch würde es ihm abkaufen, es war für ihn nutz- und wertlos geworden. Aber gibt sich ein Engländer damit zufrieden. Nein, niemals. Für einen guten Witz wird es doch wohl noch dienen können.

Und so kaufte Russel den Panzer und stellte einen Antrag auf Errichtung eines tanks. Im Englischen bedeutet dieses Wort sowohl Tank als auch Panzer. Die Behörde reagierte schnell, vielleicht hatte man ein schlechtes Gewissen wegen der verweigerten Baugenehmigung. Gegen einen Wassertank war nichts einzuwenden. Das es etwas anderes sein könnte, kam niemand in den Sinn. Und so bekam Russel das schriftlich OK für seinen ‘tank’

 

collage
Graffiti Künstler dürfen den Panzer von Zeit zu Zeit neu anmalen. Ansonsten ändert sich aber nix. Schließlich hat Russel eine schriftliche Genehmigung.

 

  

 

The boss himself says:

George says: “For Russel the tank became a two-fingered salute for the council office that refused him his house planning permission.

Ich sage: “Seit 1995 steht der Panzer jetzt auf dem Grundstück. Solche Scherze sind dem Engländer stets viel Geld, Aufwand und Mühe wert. Hauptsache alle hatten ihren Spaß.

 

 

 

sat
Sogar in Google-Map ist der Panzer inzwischen eingetragen. Das Grundstück ist noch immer unbebaut und trotzdem längst eine lokale Attraktion.

 

 

 

 

Was passierte noch am 10. September?

de 1988

Steffi Graf gewinnt als erste Deutsche alle Grand Slam-Turniere einer Saison. – Wir

haben sieben Stunden ohne Pause vor dem Fernseher gesessen. Danach fing ich

selbst mit dem Tennisspielen an und habe heute noch Spaß daran. Aber nicht gegen

George, der spielt die fiesesten Aufschläge der Welt. Daher sein Spitzname: Bangle.

uk 1985

Schottlands Nationaltrainer erleidet während des letzten Gruppenspiels der Qualifikation

zur Fußball-WM einen tödlichen Herzinfarkt. – Man darf es nicht übertreiben, sonst gilt

ganz schnell das Motto: Sport ist Mord.