224. Tag, Rest: 142 Tage 

Frühstück am Sonntagmorgen ist dem Himmel auf Erden recht nahe. Jedenfalls in England. Da wird die gute alte Breakfast Traditon zelebriert: Lange ausschlafen und dann stundenlang frühstücken. Herrlich. Inzwischen gehen wohl die meisten (jungen) Londoner zum sonntäglichen Brunch in eines der schicken urban food-eater restaurants, aber George ist entschieden dagegen. Sein Argument ist so kurz wie überzeugend: “I want hollandaise AND syrup!” und ich fürchte, dass das ernst gemeint ist. Aber erst einmal wird der Wecker ignoriert. A long lie-in ist einer meiner nicht verhandelbaren Erwartungen für ein brunch at home. “Else brexit?” “Genau.” Also drücke ich den snooze button mehr als einmal. “When will you entering the kitchen?” Gemach, gemach. Ein Brunch definiert sich doch wohl noch immer als eine Mischung aus Frühstück und Lunch, irgendwann zwischen Sonnenaufgang und vier Uhr nachmittags.

sleeping

Aber dann bekomme ich doch Hunger und die Küchenschlacht kann beginnen. Rolling up his sleeves George is firing up the ovens. Dann übergibt er an mich, your turn. Die Frage, ob ich ein Ei auf irgendetwas legen soll, erübrigt sich. Die Antwort ist immer YES. Am Frühstückstisch gibt es nichts, was dem Engländer mit Ei nicht noch besser schmecken würde. Nach langen (heimlichen) Training, bin ich inzwischen fit im “Kochen” von pochierten Eiern. Bitte nur sieden lassen, sonst wird die Sache steinhart. Poached eggs sind die Oberliga im englischen Frühstück. Und sie schmecken wirklich sehr lecker. Selbst die, die optisch etwas misslungen sind. George kommentiert mein Können beeindruckt mit: “Your skill (in masterin poached eggs) is like playing the piano or knowing all the prime numbers”. Aber eigentlich ist es ihm egal, was ich mit den Eiern gemacht habe. Ein simples Spiegelei oder ein Berg Rühreier ist dem Engländer genauso recht. The only that counts is an egg on the top.

breakfast

Wir zelebrieren das Sonntagsfrühstücks ganz traditionell: Eier, Speck, Tomaten, Pilze, Bohnen. Auch gerne Pudding (hier: süße Pasteten) and toast with marmelade for him and jam for me … Das hört sich nach großen Mengen an und genau das ist es auch. Der Küchentisch, der leicht für sechs Personen Platz hat, ist über und über vollgestellt. So muß es sein. Der Input hält dann energetisch für die ganze Woche vor. Unter drei Stunden schaffen wir es selten. Allerdings ab Halbzeit wird der Prosecco geöffnet. Damit rutscht man dann automatisch in die zweite Tageshälfte hinein. Einen Schluck Sekt, einen Becher Latte, zwischendurch am Tee nippen. So gehört sich das und zu zweit macht es verdammt viel Spaß. 

 pudding

 

The boss himself says:

George says: “‘Sundays are too short to spend them in a loud room, filled with simpering bloggers and power-tripping waiters. Let’s enjoy the brunch at home.

Ich sage: “Leider funktioniert das echte englische Frühstück in Deutschland nicht. Küche, Tisch und Ofen sind zu klein. Wer hat schon drei Pfannen und sechs Herdplatten? Aber ein langes Sonntagsfrühstück mit Brötchen, Schinken, Salaten und Käse oder gerne auch Honig und Marmelade lässt sich wunderbar in Hamburg geniessen.” “And no egg????” “Aber natürlich, die gibt es immer dazu. Du kannst sie gebraten, pochiert oder gekocht haben. Und von mir aus kröne sie dir mit einem guten Schuss Himbeersirup.”

 

Was passierte noch am 11. August?

de 1999

Sonnenfinsternis vom 11. August 1999: In Mitteleuropa ist eine totale 

Sonnenfinsternis zu beobachten. – Daran kann ich mich bestens erinnern;

und George weiß es auch noch. Da hatten wir also schon gemeinsam in

den Himmel geschaut, lange bevor wir uns trafen.

uk 1968

The last steam hauled train runs on British Rail. – Heute kann man wieder

mit dem Flying Scotsman durchs Land reisen. Aber nur als Touristenattraktion.