42. Tag, Rest: 324 Tage

Wie oft habe ich schon von meiner Begeisterung über die gut gekleideten Londoner hier berichtet? Dutzende Male und immer war es aus der Seele gesprochen. Ich habe mich von den modisch-eleganten Engländern gerne infizieren lassen und schon sehr bald nach meinem ersten Besuch den eigenen Kleidungsstil von Grund auf neu erfunden. Inzwischen macht es mir Spaß mich gut anzuziehen. Dezenter Schmuck und gerne auch roter Nagellack sind mir längst unverzichtbar. Also auf in die Oxford Street, dort sollte ich leicht herausfinden, was die Londoner Dame in diesem Frühjahr tragen wird. 

Kleine aber feine Shops, reihen sich an die bekannten Modeketten und riesigen Warehouses. In ein solches biege ich ein, John Lewis heißt das Einkaufsparadies. In der zweiten Etage sind die Themenwochen aufgebaut. Im Februar ist es die “Wedding Boutique“. Kurz bleibe ich stehen und entschließe mich dann doch für das Angebot daneben: “Mother of the Bride“. Hier könnte ich fündig werden. Wir sind zwar zu keiner Hochzeit eingeladen, aber vielleicht gehen wir ja mal wieder groß aus?

 

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Wir sind mit jemanden in der University of Westminster verabredet. Der Eingang liegt in der Regent Street. Gleich daneben ein Kino, dessen Foyer ganz ähnlich aussieht. Ich habe es gerade noch rechtzeitig gemerkt. (Wieso hängen hier so viel Filmplakate?)

 

Ich bin mit George verabredet, aber er hat angerufen, dass es später wird. So bin ich erst einmal alleine in der All Bar One, die in der Regent Street gleich neben der University of Westminster zu finden ist. Ich komme schnell mit einer Londonerin ins Gespräch, die an der Uni tätig ist und hier ihre Lunchpause macht. Sie ist interessiert Neues aus Deutschland zu erfahren, denn ihr Sohn studiert in Heidelberg. Davon kann ich ihr gar nichts berichten, aber sie freut sich auch über jede Nachricht aus meiner Heimatstadt Hamburg. Als hätte Sie es mir angesehen, fängt sie auf einmal von alleine an über den Kleidungsstil zu sprechen. Aber nicht lobend wie ich, sondern eher verärgert. Ich horche auf und erfahre ganz neue Seiten. Sie erzählt mir von Eltern, die ihre Kinder morgens im Pyjama in der Schule abliefern. Also die Eltern sind dann noch im Schlafanzug, der Nachwuchs ist bereits gewaschen und angekleidet. Das ist den Lehrern jetzt zuviel geworden, sie fürchten um die guten Sitten. Was sie den Kindern tagsüber mühevoll eintrichtern, zerrint schlagartig, wenn die Eltern so ein schlechtes Vorbild geben.

 

Dieser Brief ging an die Eltern, mit der Bitte auf korrekte Kleidung zu achten. Eigentlich gar nicht verkehrt.

 

Mir scheint ich laufe mit Scheuklappen durch London, denn wenig später erfahre ich vom dress-code bei Tesco. Der ist nicht für die Mitarbeiter gedacht, sondern für die Kunden: “To avoid causing offence or embarrassment to others, we ask that our customers are appropriately dressed when visiting our store (footwear must be worn at all times and no nightwear is permitted).” – Nun ja, sowas passiert schon mal, wenn man rund um die Uhr geöffnet hat.

 

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Im Pyjama zur Schule? Nein, bitte nicht. Auch Eltern sollen sich vorher anziehen. Immerhin trägt die Frau einen sehr schicken Wollmantel und die Schuhe sind bequem und trotzdem elegant. – Soll ich mal mit deutschen Schlappen zum Supermarkt schlurfen? Da würden sich die Briten aber die Augen reiben.

 

Ganz falsch kann meine Wahrnehmung dann aber doch nicht gewesen sein. Die Engländer, auf jeden Fall die in London lebenden, sind im Berufsalltag deutlich besser gekleidet, als ich es je in deutschen Büros gesehen habe. Die Schulen, an denen die under-dressed parents auffielen, liegen alle außerhalb, auf dem Land. Und als der Brite gefragt wurde: “Is it acceptable to wear pyjamas and dressing gowns on the school run?” antworteten 92% der Befragten: “No, parents should be role models for their children.” Und das sehe ich auch so.

 

The boss himself says:

George: „Last July the nights were so warm that I didn’t wear my pyjama bottoms. I don’t think the rest of the pub has noticed.

Und ich: “Erwischt. Diesen schönen Satz habe ich George in den Mund gelegt. Gesagt bzw. gestanden hat er im Tagebuch von Mrs Fry, das ich ihnen zum Lesen ans Herz lege. Allerdings, wundern würde es mich auch nicht  … “

 

 

Was passierte noch am 11. Februar?

de 1990

Michail Gorbatschow stimmt bei einem Besuch Helmut Kohls zu, dass Deutschland 

sich wiedervereinigen dürfe.

uk 1975

In einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Edward Heath wählen die britischen 

Conservatives mit Margaret Thatcher erstmals eine Frau zur Parteivorsitzenden.