163. Tag, Rest: 203 Tage

Schön, dass Sie wieder da sind! Ich bin inzwischen am Trafalgar Square angekommen. Der Weg war kurz, die Regent Street entlang und dann in Pall Mall einbiegen. Der Trafalgar Square hat dem Besucher mehr als Piccadilly Circus zu  bieten. Der Platz ist viel größer, weit geöffnet, mit vielen Möglichkeiten zum Verweilen. An der Nordseite begrenzt von der National Gallery. Eine weisse, wunderschöne Fassade mit wohlgeordneten Säulen über den breiten Eingangsstufen. Natürlich darf man umsonst hinein und kann stunden-, ach tagelang dort gucken und staunen. 

 

henry-havelock
Kommt man die Treppen von Charing Cross hoch, dann liegt der Platz so vor einem. Im Sommer sind allerdings einige tausend Touristen mehr anwesend, trotzdem kann man die Eingangssäulen der Natonal Gallery immer sofort erkennen.

 

Bei schönen Wetter wird man an einen der beiden Brunnen bleiben wollen und sicherlich fallen einem auch die Löwen auf, die gleich zu viert Admiral Nelson zu Füßen liegen. Dem fehlt übrigens auch etwas, eine Parallele zu Anteros in Piccadilly. Der wackere Nelson verlor seinen rechten Arm und ein Auge im Kampfgewühl. Man kann es aber gar nicht recht erkennen, denn irgendwie ist die Statue dem Künstler ein bißchen klein geraten. Irgendwo da oben steht der Held und wirkt ganz unproportioniert auf der langen Säule.

 

loewe
Löwen liegen Admiral Horatio Nelson zu Füßen. An sonnigen Tagen kann man sie kaum ohne auf dem Rücken thronende Touristen fotografieren. – Übrigens wird weltweit jede Entfernungsangabe zu London genau bis zu diesem Punkt angegeben.

 

Es gibt natürlich auch auf dem Trafalgar Square ein paar Dinge zu entdecken, die nicht sofort ins Auge fallen. Wenn man beispielsweise zur National Gallery geht, kommt man zunächst an einem Café vorbei. Da machen wir erst einmal Pause. Und während ich die vanilla custard von der raspberry rippled ice cream abschlecke, fällt mein Blick auf eine Stelle in der Wand, wo offensichtlich etwas kundgetan wird. Was ist das? frage ich George und zeige mit dem Finger auf das Muster. “These are the official Imperial Standards of Lenght”, erfahre ich. Ich gehe mal näher ran und dann erkenne ich es. Schade, dass wir keinen Zollstock dabei haben, sonst könnte man mal nachmessen. In Stein gemeißelt sind die Längen von: one inch, one foot, two feet and one imperial yard. Gut, dass das geklärt ist, dann gibt es nie wieder Diskussionen über die Standardlänge.

 

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Bei diesem Café sind die Imperial Standards in die Wand eingraviert. Gleich links neben dem Reiterdenkmal von King Georg IV. Ich hoffe, ich habe den Richtigen in Erinnerung.

 

Wir gehen noch einmal über den Platz, Richtung U-Bahn Treppe Charing Cross. Dort, in der süd-östlichen Ecke, kommt man an einem kleinen Häuschen vorbei. Kaum einer nimmt davon Notiz. Eigentlich besteht es nur aus einer Tür, die wohl immer verschlossen ist. Ich luke mal durch die Glasscheiben ins dunkle Innere und entdecke dort einen Besen. Vielleicht steht auch noch ein Eimer auf dem Boden, das lässt sich nicht ausmachen. Die meisten nennen das Ding wohl einfach lamppost, also Laternenpfahl. Tatsächlich ist auf dem Dach eine der schönen Laternen montiert, die man überall in London sieht. Ich liebe diese antiken Lampen, die mich an die Hamburger Lombardsbrücke erinnern. Die Londoner investieren viel Geld in solch’ teure Extras. Aber es macht den Unterschied aus.

 

polizeihaus
Das Häuschen mit Laterne auf dem Dach ist an der Ecke Whitehall / Strand. Gegenüber steht die Kirche St Martin-in-the-Fields.

 

Das Häuschen war früher ein Polizeiposten. Es bietet gerade genug Platz für einen Stuhl. Darauf saß ein “Bobby”, ein Spitzname, den ich eher in Deutschland als in London höre. Gemeint ist der englische Polizist, der keine Schusswaffen trägt. Das trifft übrigens noch heute auf die meisten zu. Dieser einsame Wachposten war wohl vor allem dann besetzt, wenn sich Demonstranten auf dem Trafalgar Square sammelten.  Die Situation wurde von dem Beamten beobachtet und wenn es sich zuspitzen sollte, holte er Verstärkung. Oder er machte schnell die Tür zu, falls man ihn aufs Korn nehmen wollte. Aber das passierte selten, denn der Engländer demonstriert nicht gerne. Das ist eines der Dinge, die ihm als furchtbar peinlich erscheinen. Wenn er mal öffentlich demonstrieren muß, benimmt er sich noch immer sehr rücksichtsvoll. Von den Touristen kann man das nicht immer sagen. Was ist mit den Kerlen los, die bei einem Brunnen sofort das Hemd ausziehen und baden gehen müssen? Werden da Ur-Instinkte geweckt oder ist das einfach schlechtes Benehmen? Ich fürchte die meisten pullern auch noch rein.

Es ist schon später Nachmittag. Wir waren ein paar Stunden unterwegs. Erst Piccadilly Circus, dann Trafalgar Square. Beides nicht ganz neu für mich, aber ich habe mich keine Minute gelangweilt. Und als ich abends noch einmal auf den Stadtplan sehe, da wird mir erstmals bewußt, dass wir keine 500 Meter gegangen sind! London hat einen Durchmesser von ungefähr 80 km. Wir haben wohl noch einiges zu entdecken.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “What about a second ice-cream? You can wash it down with a mug of steaming hot cocoa.”

Und ich: “Die Einladung nehme ich sofort an. Und um die Taille kümmern wir uns dann morgen.”

  

 

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