132. Tag, Rest: 234 Tage

Manchmal fragt man mich vor einer England Reise, was man sich in London denn unbedingt ansehen sollte. Da muß ich dann passen, nicht weil mir nichts einfällt, sondern eher weil mir zuviel einfällt. Ich könnte einige Dutzend Ziele nennen, die einen Besuch lohnen, aber das lässt sich auch alles viel schöner und besser beschrieben in jedem Reiseführer finden. London ist nun mal eine Metropole, eine Weltstadt, die sich nicht in einem oder zwei Besuchen erkunden lässt. Man muß wohl Jahre dort leben, arbeiten und unterwegs sein, um brauchbare Tipps geben zu können. Und doch werde ich heute mal eine Ausnahme machen, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Ich sage ihnen wo man gar nicht hingehen sollte bzw. ich bestimmt kein zweites Mal auftauchen werde. Meine erste “Warnung” gilt dem London Stone. Vergessen Sie ihn!

In manchen Reiseführern wird er erwähnt, umrankt von spannenden Legenden. Eigentlich weiß man nix genaues über den ca. 1 m3 großen Stein. Ziemlich rund, ziemlich beige-grau, ziemlich ähnlich den großen Kloppern, die man im Garten findet, wenn man etwas tiefer gräbt. Ein typischer Nachlass der letzten Eiszeit, deren Gletscher beim Abschmelzen genau solche Dinger übrig ließen. Man sieht sie überall in Nord-/Ost-London, aber auch in Nord-/Ost-Hamburg herumliegen. [Mit ist erst neulich klar geworden, dass ich bei George in Hampstead auf exakt der gleichen geologischen Landschaft angekommen bin, wie ich sie gerade in Volksdorf verlassen habe. Zufall?]. Zurück zum London Stone, der an der vielbefahrenen Cannon Street zu bewundern ist. Genau gegenüber des gleichnamigen Bahnhofes befand sich eine Niederlassung von H. W. Smith. Die verkaufen überall Bücher, so eine Art englische Thalia Buchhandlung. Inzwischen ist die Filiale aber geschlossen, denn das Haus scheint teilweise ausgebrannt zu sein. Dort, an der Fassade, war ein unscheinbares Gitter eingebaut und dahinter lag der ominöse Stein.

original-stein
Sorry, aber so trostlos sieht das Original aus! Man könnte glauben es wäre eine Klimabox an der Hauswand. Tatsächlich ist hinter dem Gitter der London Stone versteckt.

 

Eine Legende sagt, der aus Troja stammende Römer Brututs (Gründer Britanniens) hätte ihn im Londoner Tempel der Göttin Diana als Opfer- bzw. Altarstein genutzt. Eine andere Geschichte erzählt von König Arthus und seinem Schwert Excalibur. Ich glaube dessen Klinge hat er an dem Stein gewetzt. Eine andere Story klingt ganz überzeugend, denn sie beruht auf Tatsachen, und hält den Brocken für einen letzten Überrest des Steinkreises, der in Urzeiten auf dem Ludgate Hill errichtet worden war. So eine Art Londoner Stonehenge; rund um die heutige St Paul’s Cathedral.

Auf jeden Fall ist der London Stone sehr, sehr alt. Schriftlich wird er schon im 10. Jahrhundert erwähnt. Sowohl Shakespeare kannte ihn, als auch Christoper Wren, der neben St Paul’s auch die Saint-Swith Church erbaut hatte. Dort war der Stein früher einmal in der Südwand eingebaut. Als die Kirche im 2. Weltkrieg (im Blitz, wie der Engländer sagt) bombadiert und völlig zerstört wurde, blieb nur der massive Felsbrocken heil. Da hat man ihn dann an seine heutige Postion in der Cannon Street 111 gebracht.

 

london-stone2
Auch aus nächster Nähe ist nichts spannendes zu entdecken. Ein Stein ist nun mal ein Stein. Keine Inschrift, keine geheimen Zeichen.

 

Aber vergessen Sie die Adresse gleich wieder. Erstens ist die Cannon Street selbst nicht besonders schön, erst am Ende, wenn die Kuppel von St Paul’s zu sehen ist, hat das Auge etwas Sehenswertes entdeckt. Und zweitens ist das Haus, wo der Stein aufbewahrt wird, heute eine Bauruine, die zum Abriß freigegeben worden ist. Ich glaube der London Stone wurde wegen der Bauarbeiten ins Museum verfrachtet. (Museum of London, 150 London Wall, ganz in der Nähe zu Fuß erreichbar und unbedingt einen Besuch wert, jedenfalls für alle, die an London’s Geschichte interessiert sind).

Dort im Museum ist der London Stone eigentlich viel besser untergebracht. Man kann ihm nur wünschen, dass er dauerhaft bleiben kann. Es wäre der perfekte Ort und gut hüten sollte man ihn auf jeden Fall. Denn es gibt noch eine weitere Legende, die sich um den rätselhaften Stein rankt. Man sagt, “so long as the stone of Brutus is safe, so long shall London flourish”. Ich würde da kein Risiko eingehen und dem steinernen Zeitzeugen eine kuschelige Ecke einrichten. Und wenn das in einem der stets eintrittsfreien Museen passiert, dann würde ich ihn wahrscheinlich auch auf meine “must have seen” Liste setzen. Bis dahin nutzen Sie ihre Zeit in London für aufregendere Sachen. Good luck!

 

st-pauls
Erst am Ende der Cannon Street wird es interessanter. Da kommt auf einmal die St Paul’s Cathedral in Sicht.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “I never noticed the stone before. Is it real? In the garden center you will pay arround £19.99 to buy a slab of stone like this.

Ich sage: “Es scheint keinen Zweifel an seiner uralten Existenz zu geben. Obwohl man schon fragen könnte, gibt es denn auch junge Steine? Und dauert es nicht immer Jahrtausende bis ein mittelhohes Gebirge zum kastengroßen Fels wird? Mehr Fragen als Antworten.” “And perhaps that’s the way it should be. It’s the reason for mysterious and mystic objects. I’m not sure if we want to know what it really was; in the end, that would spoil it. And that goes for you too!”

 

 

london-stone1

Oben, auf dem unscheinbaren Gehäuse, wo der Stein bisher untergebracht war, ist eine Metallplatte mit Inschrift angebracht. Dort kann man lesen: This is a fragment of the original piece of limestone once securely fixed in the ground now fronting Cannon Street Station.

Removed in 1742, to the north side of the street in 1798, it was built into the south wall of the Church of St Switun London Stone, which stood here until demolished in 1962.

It’s origin and purpose are unknown but in 1188 there was a reference to Henry, son of Eylwin de Londenstane, subsequently Lord Mayor of London.

 

 

Was passierte noch am 11. Mai?

de 1892

Hugo Asbach gründet nach seiner Rückkehr aus Frankreich in Rüdesheim am Rhein 

eine Weinbrennerei. – Wenn einem so viel Gutes widerfährt – das ist schon einen

Asbach Uralt wert. Als Kind gehört und heute noch im Kopf! Werbung wirkt.

uk 1820

HMS Beagle, the ship that will take Charles Darwin on his scientific voyage,

is launched. – Gemeint ist der Stapellauf des Schiffes.