345. Tag, Rest: 20 Tage

Ohne Christmas Pudding kein Weihnachten. Keiner scheint ihn wirklich zu lieben, aber ohne die Alkohol-Bombe ist die Weihnachtszeit unvorstellbar. Mit dem braunen Pudding auf dem Tisch ist alles in Ordnung. Zum Glück kann man die Spezialität kaufen und die meisten machen es auch. Wer es aber selbst machen will, der muß in diesen Tagen anfangen. Die fruchtige Speise soll sich problemlos wochenlang frisch halten. Ich habe mich mal nach einem Rezept umgehört und wurde bei einer Nachbarin fündig. Sie drückt mir eine lange Liste in die Hand und beteuert mir: “This Christmas pudding evolved over the years and now I never change it. Use tart as well as sweet dried fruit (cranberries and sour cherries, for example), and buy the best you can. I suggest a sweetish beer, but you can use others.” Saure Kirschen und süßes Bier. Das hört sich doch schon mal sehr nach englischer Küche an. Warum nicht einfach ausprobieren?

 

xmas pudding
So sollte der Christmas Pudding aussehen. Dann haben Sie alles richtig gemacht. Es ist weder Kuchen noch Pastete.

 

Ich bin sicher, dass das Rezept meisterhaft ist. Und ich gebe mir alle Mühe beim Abschreiben. Die Zutaten kenne ich inzwischen ohne Wörterbuch, aber für die Mengenangaben brauche ich einen Taschenrechner. Ob der Pudding gelingen wird? Ich weiß es nicht. Fangen wir einfach mal an.

 

7oz dried fruit (sour cherries, cranberries, apples, pears, figs) 200g Trockenfrüchte (Sauerkirschen, Preiselbeeren, Äpfel, Birnen, Feigen)
2¾oz raisins, moscatel if possible 75g Rosinen, mögl. Moscatel
2¾oz currants 75g Johannisbeeren
2¾oz sultanas 75g Sultaninen
7fl oz Theakston Old Peculier ale 200ml Altbier, süßes Schwarzbier
3 tbsp rum or whisky 3 Teelöffel Rum oder Whisky
rind and juice of 1 small orange and 1 small lemon Schale und Saft einer kleinen Orange und einer kleinen Zitrone
3oz prunes, soaked overnight in tea, drained and chopped 85g Pflaumen, über Nacht in Tee legen, dann trocknen und halbieren
½ large banana 1/2 gr. Banane
½ large, tart dessert apple, such as Granny Smith 1/2 gr. säuerlichen Apfel, z.B. Granny Smith
6oz butter 175g Butter
9oz soft dark-brown sugar 250g braunen Zucker
1½ tbsp treacle 1 1/2 Teelöffel Sirup (dkl. Melasse)
2 large eggs 2 gr. Eier
3oz self-raising flour 85g self-raising Mehl (siehe unten)
¼ tsp ground ginger 1/4 Teelöffel gemahlener Ingwer
½ tsp cinnamon 1/2 Teelöffel Zimt
½ tsp mixed spice 1/2 Teelöffel Gewürzmischung
6oz fresh white breadcrumbs 175g frisches Weissbrot (Krumen)
2¾oz mixed peel 75g Orangeat und Zitronat
3oz mixed brazil nuts and toasted hazelnuts, roughly chopped 85g grob gehackte Para- und Haselnüsse

 

Wer nicht himmelhoch in einen Engländer verliebt ist, sollte auf einfachere Rezepte zurückgreifen. Vanille-Kipferln schmecken auch gut und sind im Nu gemacht. Alle anderen nehmen sich zwei Tage Urlaub, holen die Schubkarre aus dem Schuppen und gehen erst einmal einkaufen.

Ein Wort zu self-raising flour. Eine Mehlmischung, die von der englischen Hausfrau gerne benutzt wird. In fertigen Backmischungen wird die Mixtur verwendet. Ich mache es mir selbst: 85g Mehl, ein wenig Backpulver und eine Prise Salz. Voilà!

Wie geht es nun weiter? Erst einmal zerkleinern wir die größeren Früchte  Trockenobst (Äpfel, Birnen und Feigen) und tun sie in eine Schüssel. Mit hinein kommen die Rosinen, Johannisbeeren und Sultaninen. Das alles wird über Nacht im Altbier (süßes Schwarzbier) eingeweicht. Der Rum bzw. Whiskey wird ebenfalls hineingeschüttet und auch der Saft der Orange und der Zitrone. Am nächsten Morgen legen wir auch noch die Pflaumen mit hinein. Die Banane wird zerdrückt und der Apfel gerieben (mit Schale). Das Ganze rühren wir dann unter.

In eine andere Schüssel kommt die Butter und der Zucker. Beides aufschlagen bis eine leichte, fluffy Masse entsteht. Die Zitronenschale und den Sirup hinzufügen. Dann die Eier, eins nach dem anderen hinzufügen, und weiter kräftig rühren. Schließlich das Mehl unterheben, die Gewürze und ein wenig Salz. Zum Schluß geben wir die eingelegten Trockenfrüchte mit der ganzen Flüssigkeit hinzu. Leicht durchrühren und nach und nach das Weissbrot und die Nüsse einrühren.

foilNun brauchen wir eine 1,8 Liter Puddingform. Geeignet ist eine feuerfeste Glasform (Schale). Dort kommt der Teig hinein. Das ganze wird mit zwei Blatt Backpapier abgedeckt und darunter noch eine Schicht Alufolie. Papier und Folie sollten am Rand deutlich überstehen. Diesen jetzt fest andrücken, eine Band um den oberen Rand legen und festziehen. So kann man die Form mit dem Pudding immer wieder aus dem Wasserbad nehmen. Denn in einem solchen wird das jetzt garen. Stellen Sie einen Kochtopf mit siedenden Wasser auf den Herd und tauchen die Glasform ca. ein Drittel hinein. Das köchelt dann, -halten Sie sich fest-, acht Stunden vor sich hin. Zwischendurch immer wieder Wasser nachfüllen; dazu muß die Puddingform natürlich hochgehoben werden.

Nach der Prozedur entfernt man den selbstgebastelten Alu/Papierdeckel und deckt frische Alu- oder Frischhaltefolie auf den Pudding. Kühl stellen, aber nicht in den Kühlschrank. Eine Speisekammer ist perfekt. Alle paar Tage wird der Pudding mit Whisky oder Rum (oder beides) getränkt. Das macht man bis zum Weihnachtstag. Alternativ kann man den Pudding auch bis Weihnachten einfrieren und dann ohne die alkoholische Ölung servieren. – Da würde dem Engländer aber etwas Wesentliches fehlen.

Am Christmas Day wird der Pudding noch einmal mit Papier und Folie abgedeckt und für weitere zwei Stunden in das siedende Wasserbad gestellt. Bis er richtig durchgewärmt ist. Serviert wird er mit cream oder brandy butter oder beides.

Ouups. Die kann man wohl in Deutschland auch nicht kaufen? Und ohne brandy butter schmeckt der ganze christmas pudding nicht. Es ist eine sehr süße, braune Buttersoße mit einem guten Schuß Brandy.

Die meisten Christmas Puddings werden schon im November zubereitet. Dann sind sie bis Weihnachten reichlich mit Hochprozentigen getränkt. Nach meiner Einschätzung besteht da eine echte Explosionsgefahr. Entweder schon auf dem Kaffeetisch oder spätestens im Magen. – Ich fürchte diese Spezialität ist nicht nach meinem Geschmack, aber ausprobieren will ich es auf jeden Fall. Wenn ich mir aber die Zubereitung ansehe, dann streike ich. Der Pudding wird auch fertig zu kaufen sein. Und wenn alles nichts hilft, dann holen wir ein schönes Geschenk für die Nachbarin und besuchen sie gleich nach dem Fest. Hoffentlich hat sie dann noch Reste zum Probieren. Gutes Gelingen und frohe Weihnachten.

 


George sagt: “I can’t imagine why, at the end of a gluttonous feast, one would want to finish off with a dense bowling ball of a dessert.” 

Ich sage: “Allein schon für dieses Statement kannst du mit meinem Ja-Wort rechnen.”


 

 

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