235. Tag, Rest: 131 Tage 

Die Puple Line ist die London Underground, die die Pendler weit im Westen abholt und morgens in die City bringt. Abends geht es dann wieder zurück. Auf allen Fahrplänen ist ihre Strecke in einem leuchtenden lila Farbton eingzeichnet. Sie soll 34 Haltestellen haben, 40 Meilen (ca. 67km) lang sein und dafür eine Stunde und elf Minuten brauche. Ich kann das nicht bezeugen, denn ich kenne nur den Streckenabschnitt zwischen Baker- und Liverpool Street aus erster Hand. Und auch das muß ich noch einschränken, denn parallel wird diese Strecke auch von der Circle- und Hammersmith Line bedient.

 

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Die Met startet ganz im Westen, außerhalb (!) Greater Londons, und bringt vor allem Pendler in die City. Zwischen Baker Street und Aldgate fahren parallel auch andere Linien.

 

Die Züge, die auf der Met, wie man die Strecke praktischerweise nennt, eingesetzt werden, erinnern mich stark an die Hamburger U-Bahn. Auf der der Met-Line fahren oft vollklimatisierte Wagen. Im Sommer weiß man das zu schätzen, denn da kann es in den Tubes stickig heiß werden. Diese modernen Züge haben ihre Waggons nahtlos aneinandergekoppelt, so dass man von vorne bis hinten durchgehen kann (walk-through underground train). Das ist auch ein Sicherheitsplus, gerade abends, wenn die Bahnen nicht so stark frequentiert sind. Aber eigentlich fühle ich mich immer sicher in den Londoner Bahnen und Bussen. Und meinen Bewacher habe ich fast immer an meiner Seite. Immerhin hat er den schwarzen Gürtel im Aikido, aber George wiegelt ab und behauptet, dass sich das kaum vermeiden lässt, wenn man jahrzehntelang aktiv dabei ist. Und außerdem würde ich Blödsinn erzählen, denn die Fertigkeiten werden in ‘Dan’ unterschieden, nicht in Gürtelfarben. “Aha?”.

 

Ohne Titel
Auf der Met-Line verkehren walk-through trains. Sie sehen für mich sehr vertraut aus, denn die Hamburger U-Bahn hat ganz ähnliche Farben und Design.

 

Dann erzählt er mir von einem Pub, der früher einmal auf dem Gleis 2 in der Station Baker Street zu finden war. Sehr praktisch, denn war einem die Bahn vor der Nase weggefahren, konnte man dort erst einmal ein Bier trinken. Der Name war originell gewählt: Moriarty. – Am Bahnhof Liverpool Street steige ich gerne aus, wenn ich in die City of London will. Sobald man aus dem U-Bahntunnel heraus ist, steht man vor den imposanten Hochhäusern, die längst zum Wahrzeichen Londons geworden sind. Da bleibt mir jedesmal kurz die Luft weg. Toller Anblick.

 

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Die Met war weltweit die allererste U-Bahn, die in Betrieb genommen wurde. Das passierte 1863, damals noch gezogen von Dampflokomotiven. Das größte Problem war die Belüftung, denn qualmende Lokomotiven in einer engen Tunnelröhre sind keine gute Kombination. Alle paar hundert Meter mußte deshalb die Tunneldecke großflächig geöffnet werden, um genug frische Luft einströmen zu lassen. Ich hatte schon davon berichtet (siehe/suche: Leinster Terrace); dort gibt es ein mehrgeschossiges Haus, das nur aus Fassade besteht. Dahinter ist nix, bzw. nur ein großes Loch, nämlich ein Lüftungsschacht für die U-Bahn.

 

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So fing alles an. Man dampfte durch einen Tunnel, der eigentlich keiner war.

 

Und noch eine Station ist auf besonderem Grund gebaut, nämlich Barbican Street. Dieser Flecken gehörte nachweislich einmal William Shakespeare. Ja, der hat eine Zeit in London gelebt. Das er gerade hier sein Land hatte passt thematisch wunderbar, denn wir steigen an dieser Haltestelle aus, wenn wir abends ins Barbican Center wollen. Das ist ein sehr großer Gebäudekomplex. Darin finden sich Galerien, Konzertsäle und das London Symphony Orchester ist dort beheimatet. Und es gibt dort ein bekanntes Theater, das Barbican, wo gerne auch mal Shakespeare aufgeführt wird. Letztes Jahr feierte dort Benedict Cumberbatch Erfolge mit seinem Hamlet. Wir kennen  den Schaupsieler als durchgeknallten Sherlock aus dem TV.

Falls Sie einmal in der Purple Line unterwegs sein sollten, -sie ist weder bei Touristen noch bei den Londonern besonders beliebt-, dann können Sie ab sofort mit diesem Insiderwissen glänzen. Gute Fahrt!

 

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Der Bahnhof Liverpool Street ist riesig und supermodern. Trotzdem findet man sich leicht zurecht, denn die Beschilderung ist sehr gut.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “‘In addition to your post: Liverpool Street Station is built on top of the notorious ‘Bedlam’ asylum. What a big difference time can make.

Ich sage: “In London gibt es wohl ein Dutzend oder mehr Bahnhöfe, die ich nur mit dem Hamburger Hauptbahnhof vergleichen kann. Mir gefallen die weitläufigen, hoch modernen Londoner Stationen sehr gut. Wer nicht gut zu Fuß ist, wird eine andere Meinung haben.”

 

 

 

Was passierte noch am 22. August?

de 1999

 

Die GPS-Wochen-Zählung für das Satelliten-Navigationssystem erreicht die GPS-Woche

1023 und somit die maximale Ausnutzung. Sie wird auf 0 zurück gestellt, was dem Datum

06.01.1980 entspricht. Erwartete Pannen bleiben aus. – Heisst das, dass wir von einem

GP-System im Verkehr gesteuert werden, dass alle 19 1/2 Jahre auf Null zurück gestellt

werden muß? Und das kann wirklich Autos alleine lenken???

uk 1642

Der Englische Bürgerkrieg zwischen Royalisten und Parlamentariern beginnt. – Davon

hat man in der Schule auch nix gehört. Ich habe mir jetzt mal ein Buch über die wichtigsten

Ereignisse der Englischen Geschichte gekauft. Es behandelt auf 93 Seiten die Zeitspanne

von 500.000 v.Chr. bis heute! Die Hälfte des Textes sind ziemlich komische Anekdoten.

So lehrt man in England trockenen Unterrichtsstoff. Komischerweise finde ich zu fast

jedem Ereignis irgendeinen schlauen Satz in diesem schmalen Band.