12. Tag, Rest: 354 Tage

Ich erwarte ein Paket aus England. Ich hatte es schon am Samstag erhofft, aber leider brachte der DHL-Bote nur einige Briefe. Heute kommt er bestimmt, also bleibe ich zu Hause und passe auf wie ein Luchs. Wenn, dann wird er gegen Mittag klingeln, da  bleibt noch genug Zeit um schnell in den Keller zu gehen und eine Maschine Wäsche zu waschen. Zwei Türen muß ich aufschließen, um in meinen Kellerraum zu kommen. Wir sind zwar nur eine kleine Hausgemeinschaft, passen aber gut auf, dass nichts passiert. Vorsicht ist der beste Schutz. Und als ich dann die Waschmaschine mit der schmutzigen Wäsche füllen will, da höre ich einen lauten, fast schrillen cattySchrei. Was ist los? Etwa die ältere Nachbarin im Erdgeschoß? Gleich darauf der nächste Hilferuf und das klingt jetzt eher nach einem Kind. Aber ich weiß schon genau, wer da ruft. Es wird eine Katze sein. Und damit hatte ich mich nicht getäuscht. Katzenschreie erkenne ich sofort, schließlich hatte ich selbst lange Zeit einen zugelaufenen rot-weißen Kater als Dauergast, der der merkwürdigste und liebenswürdigste Freund war, den man sich nur vorstellen kann. Auch er hatte einmal eine ganze Nacht im Fahrradkeller verbracht, weil er neugierig jemanden hinterher geschlichen war, der dann die Stahltür zufallen ließ. Heute Nacht ist es wieder passiert. Zum Glück hat der kleine Kerl Alarm geschlagen, so konnte ich ihm die Tür öffnen. Ich hatte ihn schon öfters in den Gärten gesehen, kenne aber weder die Besitzer noch seinen Namen. Er ist eher etwas scheu und so sprach ich beruhigend auf ihn ein, während ich ihm die Aussentür öffnete. Mit einem Sprung war er draußen. Endlich wieder an der frischen Luft und endlich im Licht, denn im Keller ist es stockdunkel. Ich wollte schon die Tür schließen, da dreht der Kater sich plötzlich abrupt um. Geht die Treppe wieder runter und “sagt” mir ein unmißverständliches Dankeschön! Ganz mutig überwindet er seine berechtigte Vorsicht vor Fremden und stellt sich direkt vor mich hin. Ich beuge mich zu ihm runter, streichel ihn und da kriegt der sich gar nicht wieder ein. Mein Trost scheint ihm gut zu tun, nach der endlos langen, einsamen Nacht braucht er wohl ein bißchen Zuspruch. Er schmust mir um die Beine und streift dabei gleich mal die langen Spinnweben ab, die ihm zwangsläufig im Fell haften blieben. Bequem wird es nicht gewesen sein. Auf dem Betonfußboden stehen nur Fahrräder. Noch nicht mal eine Pappe liegt auf dem sauber ausgefegten Boden herum. Sowas geht in die Knochen und bleibt im Gedächtnis haften. Deshalb dauert es wohl ein bißchen länger, bis er sich von mir trennen will. Aber ich weiß, dass er ein Zuhause hat und deshalb keiner weiteren Hilfe bedarf. Na, die werden sich freuen, wenn der Vermisste endlich wieder auftaucht.

Obwohl es noch so früh am Tag ist, habe ich schon meine gute Tat geleistet. Wenn jetzt noch das ersehnte Paket geliefert wird, kann es ein richtig guter Dienstag werden. Ich hoffe Ihr Tag fängt genauso gut an. Carpe diem.

 

cateyes
Nachts auf englischen Landstrassen kann man schnell eine unheimliche Begegnung mit “Cat Eyes” haben. Sie leuchten fast 200 Meter weit und sollen den Fahrer auch bei Dunkelheit sicher leiten. Als ich die Lichter erstmals entdeckte, wäre ich fast umgekehrt. Es sah ziemlich gespenstisch aus. Und immerhin war ich mitten in der Gegend unterwegs, wo die meisten Kornkreise am frühen Morgen entdeckt werden.

 

 

The boss himself says:

George says: „In this case nothing. – He is not amused to share me, the bed or his dish. So silence is golden.“

Und ich sage: “Ach mein Pelle, jetzt bist du schon zwei Jahre tot und ich vermisse dich noch immer.”

 

 

Was passierte noch am 12. Januar?

de 2004

Die Queen Mary 2, damals das größte Passagierschiff, bricht von ihrem Heimathafen 

Southampton aus zu ihrer Jungfernfahrt Richtung Karibik auf. Weil das Schiff längst

regelmäßig im Hamburg Hafen zu Gast ist, darf es in dieser Rubrik stehen.

uk 1976

Agatha Christie, English author and playwright, died at the age of 86 years.