44. Tag, Rest: 322 Tage

Es muß an einem der verregneten Novembertage passiert sein, als George sich langweilte und mit seinem Handy herumspielte. Auf einmal war die App geladen, die uns in den folgenden Wochen mehrmals täglich anpiepte. Ich hätte sie ja gleich wieder gelöscht, aber er verschob es von Tag zu Tag. Vielleicht weil Kollegen von der University of Sussex zu den Machern gehörten. Mappiness, so heißt sie, meldete sich in unregelmäßigen Abständen per Beep und fragte an, wie glücklich wir gerade wären. Also eigentlich er; ich hatte mit der Sache nix zu tun. George konnte dann auf einer Skala sein akutelles happy feeling wählen und kurz den Grund benennen. Zum Glück hat mappiness sich niemals gemeldet, wenn wir richtig glücklich waren. Trotzdem dürfte George häufig eine satte 10 vergeben haben. Inzwischen wurden die mehr als eine Million Rückmeldungen ausgewertet. Das Ergebnis war überraschend und interessant. Und so bin ich doch ganz froh, indirekt teilgenommen zu haben. Wenn auch nur als Ursache seines Stimmungsbarometers.

Ich möchte mal andersherum anfangen und aufzählen was dem Deutschen am allermeisten Freude bereitet: Am häufigsten wurde die Gesundheit (1) genannt, auf Platz zwei landete Partnerschaft (2), dann Familie (3), gefolgt von Menschen (4) und schließlich eine Aufgabe (5) haben. Und der Engländer? Nun, seine Prioritäten liegen woanders: Intimacy, making love (1), theatre, dance, concert (2), exhibition, museum, library (3), sports, running, exercise (4) und schließlich gardening, allotment (5).

Das Ergebnis wundert mich nicht, ich finde es aber bemerkenswert. Erstens ist der Engländer offener in Sachen Sexualität. Er genießt sie und redet darüber. [Ein Tipp ganz unter uns: Trotzdem ist er schüchtern. Lassen Sie beim ersten Mal lieber das Licht aus. Ein angebrochener Zeh macht ihm weniger aus, als nackte Tatsachen.] Und dann ist er natürlich viel praktischer im Denken. Seine Wünsche sind erfüllbar, der Deutsche setzt sich hingegen Ziele, die vom Schicksal gemanagt werden. So wundert es nicht, dass in der deutschen Top Ten auch Dinge zu finden sind wie ‘Gutes tun’ und ‘Glaube’. An vergleichbarer Stelle steht beim Engländer ‘bird- or nature watching’ und ‘drinking alcohol’ (!) Entwaffnend ehrlich, aber ich mag das.

 

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Ein Besuch im Museum macht den Engländer genau so glücklich wie guter Sex! Hier im National Railway Museum in York würde George sich im siebten Himmel wähnen.

 

Und wie sieht es mit den Dingen aus, die ihm am wenigsten Freude bereiten? Da bin ich erstmal platt, denn auch nach intensiven Suchen finde ich keine Statistik. Dafür gibt es mehrere Umfragen bezüglich der größten Ängste und Sorgen. Das gibt man in Deutschland gerne preis: Steigende Staatsschulden (1), unsichere Renten (2), überforderte Politiker (3), steigende Preise (4) und Kinder ohne gute Ausbildung (5). Von diesen Themen findet der Engländer kein einziges spannend oder gar so sexy, dass er sich auch nur eine Minute damit beschäftigen würde. Seine Sorgen sind deutlich konkreter. Wann immer die App jemanden anpiepte, dessen Laune sich gerade am unteren Ende der Wohlfühlskala befand, wurden auch diese Leute nach den Gründen gefragt. Das Ergebnis ist: Travelling, commuting (1), In a meeting, seminar, class (2), Admin, finances, organising (3), Waiting, queueing (4) and Care or help for adults (5). Schon interessant, oder? Und noch ein Beweis für die Ehrlichkeit der Engländer. Ziemlich einig waren sie sich darin, dass die tägliche Arbeit ein Gute-Laune-Killer ist. The biggest drop in happiness was seen when people were at work. It appears that work is highly negatively associated with momentary wellbeing. At any given moment, we would rather be doing almost anything else. Zum Glück verwendet man im english office viel Zeit auf das gegenseitige Aufmuntern. Man macht oft und gerne Witze, talked stundenlang am Kaffeeautomaten oder lädt sich gleich die Freundin an den Arbeitsplatz ein. Alles kein Problem.

 

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Gardening macht glücklich. Vermutlich sind diese Herren keine Engländer. Obwohl wer weiß, abends im Pub ist alles wieder gut.

 

 

The boss himself says:

George: „ Sex makes us happy – but visiting the library also floats our boat. Work is miserable. Fact. But mooching around a museum perks us up almost as much as sex.

Und ich: “Wie gut das du die Arbeit reduziert hast. Deinem Glück steht nichts mehr im Wege. – Übrigens was wollen wir am Wochenende machen? Museum für Kunst und Geschichte oder Sex im Bett?” 

 

 

Was passierte noch am 13. Februar?

de 1883

 

starb Richard Wagner und 1996 gibt die britische Boygroup Take That ihre

Trennung bekannt. Da kann man nur sagen: Back for good.

uk 2004

Astrophysics announces the discovery of the universe’s largest known white dwarf star.

They named it “Lucy” after The Beatles’ song “Lucy in the Sky with Diamonds”.