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Kann man London mit dem Fahrrad erkunden? Ja, man kann. In den Aussenbezirken radelt es sich wunderbar, man sieht einfach viel mehr als es mit dem Auto; in der Innenstadt wird es eng, also knifflig. Zum Glück wurde London im Krieg nicht flächendeckend zerstört. Viele Gebäude und vor allem Straßenzüge blieben völlig intakt. Das ist der Grund, warum etliche Straßen sehr eng und oft auch kurvenreich sind. Sie wurden für Pferd und Wagen gebaut, nicht für Doppeldeckerbusse. Andererseits wird man in der City selten schneller als 20 km/h fahren und damit lassen sich auch Engpässe problemlos meistern. Da wäre ein Fahrrad doch eigentlich eine echte Alternative.

 

santander
Eine typische local docking station in London. Hier stehen die Boris Bikes, die aktuell von Santander gesponsert werden.

 

Das sagte sich auch Boris Johnson, Bürgermeister von London und begeisterter Radler. Er führte ein Mietradsystem ein, das viel zu bieten hat. Für £2 pro Tag (24 Std.!) leiht man sich ein Fahrrad an einer der 400 Verleihstationen aus. Die erste halbe Stunde ist sogar kostenlos. Man kann bequem one-way Routen fahren, weil das Rad an jeder Station abgestellt werden darf. Für eine ganze Woche würde man £10 bezahlen. In der Underground dürfen die Räder nur zwischen 10-16:00 Uhr oder nach 19:00 Uhr mitgenommen werden. Und das gilt auch nur für einige Strecken; ich weiß mit Sicherheit, dass es für die Circle, District und Metropolitan gilt. Die Eisenbahn nimmt Fahrräder immer mit, einfach einen Kinderfahrschein kaufen, dann geht es in Ordnung.

Die local docking stations der Mietfahrräder sind nicht zu übersehen. Wer sich nicht so gut auskennt, steckt sich einen Plan ein oder lädt die App auf sein Handy. Ganz neu sind die Cycle Superhighways, Fahrrad Autobahnen quer durch die City. Im November wurde die erste Strecke für die Radler freigegeben. Sie haben jetzt eigene Fahrspuren, deutlich vom restlichen Verkehr abgegrenzt. Die erste Strecke ist 1,5 km lang und führt über die Vauxhall Bridge. Ein klassischer Arbeitsweg für Pendler. Es sollen weitere Routen folgen, aber das liegt dann nicht mehr in der Hand von Boris Johnson. Seine Amtszeit läuft ab und er hat Ambitionen auf höhere Ämter, ja mancher handelt ihn bereits als nächsten Premier Minister.

Wir radeln lieber rund um die Stadt, immer entlang der Kanäle, aber wir bzw. ich fühle mich auch nicht so ganz wohl, wenn ich auf dem Rad im dicksten Verkehr unterwegs bin. Genial ist das eingebaute Laserlicht im Boris Bike. Es projiziert bei Dunkelheit ein großes, nicht übersehbares Symbol, etwa fünf Meter vor einem, auf die Fahrbahn. So kann man leicht von Autofahrern wahrgenommen werden.

 

laser
Das grüne Rad auf der Fahrbahn wird vom Radfahrer, rechts neben dem Bus, per Laser projiziert. Es ist immer 5 Meter vor ihm zu sehen, also auch für den Busfahrer gut erkennbar.

 

Mein Fazit lautet, die Leihfahrräder sind eine prima Sache. Die separaten Fahrradwege (cycle highways) auch; mal sehen wieviele davon tatsächlich gebaut werden. Das Fahren auf den engen Straßen mitten in London ist gefährlich; ich würde es nicht wagen. Andererseits sind die Berufsradler, also die Boten auf zwei Rädern, oft eine ernste Bedrohung für Autofahrer. Sie schiessen wie ein Blitz durch den Verkehr und missachten so ziemlich alle Regeln. Das Fahrradfahren ist in London eher unbeliebt es folgt an letzter Stelle aller Möglichkeiten. Am liebsten bewegen sich die Menschen im Auto, dann folgt schon der Fußmarsch. Danach erst kommen Bus und Bahn und dann mit unter 3% wird das Rad als bevorzugtes Verkehrmittel genannt. Mal sehen wie sich das entwickeln wird.

 

highway
Der Cycle Highway trennt die Radfahrer vom Autoverkehr.

 

 

The boss himself says:

George: „If you’ cycle in the city don’t forget your organ donar card. Then it’s much easier in hospital.“

Und ich: “Die Leihfahrräderstationen würde ich auch in Randbezirken einer Stadt super gut finden.”

 

 

Was passierte noch am 13. Januar?

de 1993

Erich und Margot Honecker gehen ins Exil nach Chile.

uk 1598

Der Londoner Stahlhof der Hanse wird auf Weisung der Königin Elisabeth I. 

geschlossen und alle Ware beschlagnahmt.