227. Tag, Rest: 139 Tage 

Also doch! Der stets bis zum Kragen verschlossene Engländer entdeckt die Lust am Nacktsein! Das hätte ich nicht mehr erwartet. Passiert ist es in Hull, am Humber (Nordsee), im nördlichen England. Mein lieber Mann! Da hat sich nicht etwa ein Urlauber am Strand ausgezogen, nein, es war eine echte Massenbewegung. Am Ende liefen über dreitausend Engländer splitternackend durch das Seebad. Rekord.

 

hull
Hull ist ein beschauliches Fischer-Städtchen in Yorkshire, mit ca. 250.000 Einwohnern.

 

Nie hätte ich es für möglich gehalten, aber man (ich) lernt stetig hinzu. Zu der Aktion hatte der US Fotograf Spencer Tunick aufgerufen. Er wollte die Wellen des Meeres mithilfe von menschlichen Körpern darstellen. Dazu brauchte er mindestens dreitausend nackte, erwachsene Leiber. Die sollten mit vier verschiedenen Blautönen eingefärbt werden und dann, eng an eng, die Rundungen der Meereswellen nachformen. Die Körperfarbe war natürlich biologisch unbedenklich und hundertprozentig abwaschbar, darauf wurde vorsorglich hingewiesen.

Hätte das nicht funktioniert, hätten sich die Teilnehmer mit Sicherheit ein paar rote und weiße Streifen dazu gemalt und wären wochenlang als Union Jack herumgelaufen. Bunt und glücklich 😉

Dass das Spektakel ausgerechnet in England stattfinden sollte, fand ich ziemlich ambitioniert. Weiß ich doch um die anerzogene (?) Schüchternheit der meisten britischen Erwachsenen. Und deshalb hätte ich auch nix darauf gewettet und hoch verloren. Denn es kamen die gewünschten Damen und Herren, ja sie strömten geradezu herbei. Selbst der Fotograf konnte es nicht fassen: “They came in their thousands, some walking, some leaning on crutches, others wheelchair-bound – but all naked.” Hull mußte seine Innenstadt für gut zehn Stunden für Autos sperren, sonst wäre wohl ganz UK dort hingefahren. 

 

bridge
Tausende zogen sich in Hull aus und posierten dem Fotografen Spencer Tunick für seine “Körpermontage”.

 

Das Fotografieren dauerte dann gut drei Stunden. Die nackten Menschenmassen wurden von Assistenten mit Megaphonen dirigiert. Aber eigentlich war diese Hilfe kaum nötig. Sie bewegten sich von ganz alleine fast synchron. Sobald die Unterbüx gefallen war, die erste Schrecksekunde überstanden, fingen die Leute an Spaß zu haben. Auf einmal fühlten sie sich näher denn je, es gab keine Unterschiede mehr und ich vermute einige waren sich tatsächlich näher als geplant. Da ist der Engländer dann nämlich wiederum gar nicht schüchtern.

 

street
They came in their thousands, some walking, some leaning on crutches, others wheelchair-bound – but all naked.

 

Eine Teilnehmerin drückte ihre Gefühle, die sie während des Shootings hatte, mit so wunderbaren Worten aus, wie es nur in englischer Sprache möglich ist: “I had second thoughts when I get naked but my alarm went off. It really didn’t take long for me to get into the swing.” – Ich bin ja eher der skeptische Typ. Wenn mich ein Fotograf zum Ausziehen überreden will und behauptet, das wäre alles nur wegen des künstlerischen Anspruchs wichtig, dann geht bei mir normalerweise die Alarmsirene an. Allerdings in diesem Fall muß ich sagen, die Sache gefällt mir. Das sind wirklich schöne Fotos, der Bezug zum Meer ist erkennbar und angezogen hätte es tatsächlich nicht funktioniert. Ich gebe also fünf Sterne.

 

art
Vorsicht, bitte nirgends drauf treten. – Sieht gut aus, gell? Mir gefällt’s.

 

 

The boss himself says:

George says: “” Did we dared to take part?” “Ich glaube schon. Wenn alle mitmachen ist es ziemlich blöd als einzige angezogen zu bleiben.” “Hmmm, and how long do you need to get into our swing?

Ich sage: “Schneller als du deine Pants wieder hochziehen kannst.”

 

 

 

Was passierte noch am 14. August?

de 1892

In Hamburg beginnt eine Cholera-Epidemie. Unfiltriertes Trinkwasser aus der Elbe und

unhygienische Zustände im Armutsviertel begünstigen die Ausbreitung des Bazillus. Über

8.600 Menschen kommen in den folgenden Wochen ums Leben. – Schließlich zeigt der

englische Ingenieur W. Lindley den Hanseaten, wie man ein Abwassersystem baut.

uk 1969

Nach einer Eskalation des Nordirlandkonflikts in Derry kommt es zum Einsatz britischer 

Truppen in Nordirland. – Bürgerkrieg im zwanzigsten Jahrhundert. Wie so oft im Namen

der Kirchen.