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Die englische Verkehrsampel sieht auf den ersten Blick wie unser Modell aus. Oben rot, in der Mitte gelb und unten das grüne Licht. Es gibt auch die zusätzliche Ampel mit grünen Pfeil, die uns sagt wir dürfen da jetzt abbiegen ohne mit Gegenverkehr oder Fußgänger rechnen zu müssen. Und doch hat sich der Insulaner natürlich eine Sonderregel ausgedacht, auf die man auch erst einmal kommen muß. Ich spreche von der red amber sequenz. Eine Phase in der sowohl das rote als auch das gelbe Licht dauerhaftet leuchten. Anfangs hat es mich irritiert, aber eigentlich ist es ganz einfach. Nach rot kommt gelb + rot. Das soll den stehenden Fahrer ermuntern sich auf das baldige Anfahren vorzubereiten und dann wechselt die Ampel auf grün und schon kann man die Kupplung kommen lassen. Röööhr.

 

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Umgekehrt folgt auf grün einfach nur das gelbe Licht, gefolgt von rot. Am besten denkt man nicht viel darüber nach, denn eigentlich ist alles wie hier geregelt. Gerade in der Testphase ist der erlaubte Abbieger trotzt roter Ampel, wie wir ihn seit Jahren kennen. Allerdings gilt das in England natürlich nur für Linksabbieger, denn man fährt auf der linken Fahrbahn. Wer in eine Straße einbiegen will, die rechts einmündet, müßte die Gegenfahrbahn queren und das geht bei roter Ampel natürlich nicht. 

Und weil ich gerade beim Thema Verkehr bin und der Fachmann sein Interesse zeigt, frage ich ihn gleich mal nach den komischen Kreuzungen, die mit einem hübsch anzusehenden Gittermuster komplett vollgemalt sind. Ist das Kunst auf der Straße oder hat es irgendeine Bedeutung? George zieht die Augenbraue hoch, was schärfste Kritik bedeutet: “You drive my car and don’t know the box junctions rules?” Ähhh, na ja, nicht so ganz …

 

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Die meisten großen Kreuzungen in London sind mit einem gelben Gitter markiert. Bei der Fahrprüfung droht hier das Aus.

 

Also: Viele große Kreuzungen sind mit einem gelben Gitternetz auf der Fahrbahn gekennzeichnet. Man nennt sie yellow box junctions. Grundsätzlich darf man diese Kreuzungen nicht blockieren. Sie werden immer mit Video überwacht und das Knöllchen wird postwendend zugestellt. Also auf die gelbe Fläche nur dann fahren, wenn man mit Sicherheit vor der nächsten Rotphase wieder runter ist. Bei der Fahrprüfung wird man immer eine solche Kreuzung fahren müssen und wehe man patzt. Dann ist die Prüfung hunderprozentig vergeigt; ärgerlich aber kein Drama, denn man kann in England so oft wiederholen wie man Lust hat. George hat noch ein anderes Argument für das Freihalten der Kreuzung und das ist mal wieder typisch englisch: “If entering a box junction when the exit is not clear will make other motorists angry, it is also illegal.” Das man andere verärgert wiegt schwerer als der Verstoß. Wie sympathisch!

dont-allowedVerkehr zu beschreiben ist schwierig, deshalb versuche ich es lieber mit einer Zeichnung. Hier will das rote Auto nach rechts abbiegen. Es ist in die yellow box gefahren, obwohl der Verkehr auf der rechten Straße staut. Und damit hat es sich falsch verhalten und könnte eine Strafe bekommen. Richtig wäre es gewesen, wenn es vor der Ampel wartet, bis die rechte Straße frei geworden ist. Okay, das habe ich verstanden, aber wird das die Leute hinter mir nicht zur Weißglut treiben? Wenn ich da drei Ampelphasen lang warte, bis endlich genug Platz ist um abzubiegen? Und kein Mensch an mir vorbeikommt. George zuckt kurz mit den Schultern: “We’re warmhearted, hospitable, interested, courteous in traffic and patient in queues.” Das lasse ich mal unkommentiert durchgehen.

Meistens bleiben die Engländer vage in ihren Vorschriften und Regeln. Wenn es um Verkehrsdelikte geht werden sie aber meistens sehr klar und deutlich. Wer per Video in einer yellow box entdeckt wird und dort den Querverkehr blockiert, weil er nicht rechtzeitig von der Fläche runtergekommen ist, darf sich auf eine Strafe in Höhe von £100 freuen. Alright, das habe ich begriffen. Ab sofort werde ich solche Kreuzungen mit größter Vorsicht befahren oder noch besser, ich suche mir gleich eine Route ohne diese gelben Dinger. Das wäre perfekt.

Noch ein Wort zu den Fahrradwegen an der Ampel. Dort gibt es sogenannte waiting areas für die Radfahrer. In der Skizze sind sie schön zu sehen. Da sammeln sich die Radler bei roten Licht und zwar direkt vor dem eigenen Kühler. Bitte nicht hupen oder meckern. Natürlich blockieren die Biker beim Wechsel auf grünes Licht den ganzen Verkehr, aber das ist wohl so gewollt und soviel Toleranz und Geduld erwartet der englische Staat von seinen Bürgern.  (Ausserdem kann in der Zeit der Querverkehr weiterziehen und schon gehört die gelbe Box mir!) Diese vom Radfahrer erzwungenen Zwangspausen sind ein gutes Training in Sachen Selbstbeherrschung. Radio anmachen, don’t worry be happy pfeifen und sich freuen, dass man in London zu Gast sein darf. Have a good trip!

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Don’t forget to stop at red light. Even learner drivers may find themselves with 3 penalty points on their provisional licence and a fine of £60.

Ich sage: “MAY find??? Wer bei rot über die Ampel brettert kann EVENTUELL mit einer Strafe rechnen?? Ich verspreche es nie zu machen, egal ob rot, rot-gelb, dunkelgelb oder wie auch immer.

 

 

Was passierte noch am 14. Mai?

de 1909

In Deutschland regelt der Reichstag im Bankgesetz, dass Banknoten gesetzliches

Zahlungsmittel neben Münzen sind. – Mal sehen wie lange noch.

uk 1692

In der Londoner Wochenzeitung erscheint der erste Wetterbericht, bei dem es sich

jedoch nicht um eine Vorhersage sondern um einen Lagebericht handelt. – Heute 

zeichnet sich der Bericht dadurch aus, dass man immer mit einer Katastrophe 

rechnet (sibirische Kälte / der Hitzetod droht).