288. Tag, Rest: 78 Tage 

smartphone
Cartoonist Matt Pritchett sieht es wie ich.

Eigentlich bin ich der PC-Spezialist von uns beiden. Aber je älter ich werde, desto weniger Freude machen mir die elektronischen Wundergeräte. Bei Saturn flehe ich den Verkäufer an: Bitte keine eingebaute Uhr, keine Bluetooth Option und keine WiFi Verbindung zum Handy. Ich will mir damit einfach nur die Haare föhnen. Der geschulte Fachmann ist enttäuscht und lässt mich stehen. Liegt es am Alter? Mag sein, dass die elektronische Welt sich längst an mir vorbei entwickelt hat. Ich kann sie nicht bedienen und entdecke deshalb keine Vorteile für mich. George ist da ganz anders drauf. Er steuert seine Welt mit dem Smartphone, wählt sich fehlerfrei über das Internet in TelCons ein und tippt ganze Mails souverän mit dem Daumen ins Telefon. Ich weiß, dass er technisch keine Ahnung hat, aber irgendwie scheint ihn das nicht auszubremsen. Ich finde das ungerecht, frustrierend und überhaupt …

ikettleUnd so hat es mich auch nicht gewundert, als er vor einiger Zeit einen iKettle mit nach Hause brachte. Äußerlich einem Wasserkocher verblüffend ähnlich, ist das Ding innerlich bereits im nächsten Jahrhundert angekommen. Man füllt den Kessel zwar wie gehabt mit Wasser, steckt den Stecker in die Dose und startet dann den Brühvorgang. Aber an der Stelle beginnt die technische Revolution. Ich würde den Schalter auf ‘ON’ schieben, George zückt sein Smartphone und gibt den Kochbefehl per hausinternen WLAN Router weiter. Das sei viel praktischer, denn so kann er das morgendliche Teekochen schon unter der Dusche starten. “Aha. Und welchen Vorteil hat das? Ich meine so ganz konkret?” Keine Antwort.

Letzte Woche wurde der Wunderkocher in Betrieb genommen. Morgens, Punkt sieben, gibt der Boss den Befehl via Voice Control. “Start brewing” lautete das Kommando und ich wartete gespannt auf das Zünden der Triebwerke. Aber nix passierte. Keine Rückmeldung, kein grünes Licht, keine Zischgeräusche in der Küche. Da half nur eins, nämlich nachzusehen. Eine gute halbe Stunde später, ich war längst geduscht und angezogen, lag George bäuchlings vor der FritzBox. Natürlich noch immer im Pyjama. “Stimmt was nicht?” “The connection between the kettle and the Wifi base station is down”. Eine weitere Stunde später, ich hatte inzwischen längst meinen Maschinen gekochten Kaffee getrunken, sitzt George vorm PC, noch immer unrasiert. “Was macht dein Tee?” “After a reset the port-scanning network cannot find where the kettle is now.” Das wird wohl noch dauern, also werde ich erst mal die Betten machen und ein bißchen saugen. Kurz vor Mittag wage ich mich wieder in die Küche wo das Wunderwerk der Technik noch immer tonlos schmollend, bis zum Rand mit Wasser gefüllt, auf ein Startsignal wartet. George hat sich zwischenzeitlich immerhin schon mal angezogen. Er scheint aber noch immer mit der Konfiguration des Netzwerkes beschäftigt zu sein. Bevor ich überhaupt nachfragen kann, legt er los: “Now my Wifi kettle is basically taking the p*ss. Told me it had found network, now you need to recalibrate me.”

 

message

 

Langsam tut der Mann mir leid. Ob er es noch vor dem Zubettgehen schafft? Ich fülle einfach mal den Kochtopf mit Wasser, damit kann ich ihm ganz konservativ Tee zubereiten. Wenn George dann erst einmal den heißen Becher in der Hand fühlt, wird er sich entspannen und kriegt dann hoffentlich Kontakt zum neuen iKettle. Houston, wir haben ein Problem. Well, you should put the kettle on.

 

teatime

 

The boss himself says:

 

George says: “Unbelievable but this was a 12-hour struggle to make a single cup of tea.

Ich sage: “Aber du hast gewonnen! Oder etwa nicht?” “Wait and see tomorrow morning.” 

 

 

 

Was passierte noch am 14. Oktober?

 

de 1974

Die erste deutsche Filiale des schwedischen Möbelmarktes IKEA wird

eröffnet. – Weil ich gerne umbaue, liebe ich die Baukastenmöbel noch immer.

uk 1913

In Wales ereignet sich das bislang schwerste Grubenunglück in Großbritannien. 

Durch eine Kohlenstaubexplosion sterben 439 Bergleute.