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London hat sich einen neuen Bürgermeister gewählt. Es ist schon ein paar Wochen her und Sie erinnern sich sicherlich noch an den Vorgänger? Ja, das war der blonde Boris Johnson, der erst einmal ziemlichen Wirbel in Sachen Brexit gemacht hat. Übrigens hat er nicht gekniffen, wie die meisten nach seinem Rückzieher meinen. Er konnte sich nicht als Nachfolger von David Cameron zur Wahl stellen, weil sein wichtigster Unterstützer, Michael Gove, ihm in letzter Sekunde in den Rücken fiel. Da war die Schlacht für Boris verloren, bevor das Rennen begann. Nun ja, alles Geschichte. Der auch schon vorher nicht sehr sympathisch wirkende Gove hat seine Quittung bekommen; er wurde sang und klanglos abgewatscht. 

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Das Londoner Rathaus wird City Hall genannt. Es liegt am Südufer der Themse. Ganz in der Nähe ist das Shard, das höchste Gebäude Londons. So kann man sich immer leicht orientieren. Am anderen Ufer, genau gegenüber der City Hall liegt der Tower of London.

Wer aber ist denn nun der Neue im Londoner Rathaus? Sein Name ist Sadiq Khan. Er ist Mitglied der Labour Party, 46 Jahre alt und muslimischen Glaubens. Auch so ein Widerspruch(?), den ich mir nicht aus dem Stehgreif erklären kann. Während die Übergriffe auf Migranten in London stetig zunehmen sollen, wählen die Bürger sich einen Mann in das erste Amt, der pakistanischer Abstammung und Muslim ist. Für Londoner geht das alles bestens zusammen, wir versuchen es logisch zu analysieren und scheitern.

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Sadiq Khan ist der “Neue” in London. Anfangs dachte ich immer es wäre George Clooney, der hat nämlich auch eine Zweitwohnung in England.

Sadiq Khan hat es nicht einfach, denn sein Vorgänger war äußerst beliebt. Der stets etwas exentrische Boris Johnson war ganz nach dem Geschmack der quirrligen Metropole. Für jede Idee zu haben, egal wie absurd sie auch sein mochte. Brachte sie ihm Aufmerksamkeit, dann war er bereit zur Umsetzung. Khan geht es wohl etwas ruhiger und sachlicher an und das kann London nicht schaden. Wenn auch ständig Großprojekte in Angriff genommen werden müssen, die jeden anderen Bürgermeister den Schlaf rauben würden. Aber der Zuzug in den nächsten Jahren wird gewaltig sein. London ist auf dem besten Weg die 10 Millionen und bald danach auch die 15 Millionen Einwohnergrenze zu knacken. Da muß man auf Jahre im voraus planen, und zwar immer im großen Stil. Wer erst einmal abwartet, hat schon verloren.

Ein Megaprojekt könnte aber nun doch kippen. Nämlich die Gartenbrücke über die Themse. Och nöööö – ich hätte den schwebenden Garten gut gefunden. Sicher, man braucht den Bau nicht. Die Brücke wird super-teuer und hat keinen echten Zweck. Aber genau das zeichnet doch die Highlights in London aus. Wer braucht ein Riesenrad? Welche Millionenstadt leistet sich eine Klappbrücke im hochfrequentierten Straßennetz? Und wer ist bereit einer königlichen Familie ein angemessenes Haus einzurichten?

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Wer möchte nicht über diese paradisische Brücke wandeln?

Aber Bürgermeister Khan weiß um seine Londoner und hat noch keineswegs die Tür zugeknallt. Die Brücke wird jetzt noch einmal finanziell auf den Prüfstand gestellt. Und den schwarzen Peter hat man dem Londoner Verkehrsverbund (TfL) zugespielt. Die müssen jetzt entscheiden, ob sie ihre Underground Station Temple ganz gewaltig ausbauen wollen oder nicht. Das ist nämlich die Voraussetzung für die neue Themse Querung. Das Nordende soll auf dem Bahnhof aufgepflockt werden. Ganz schön clever, denn damit spart man schon mal die Kosten für ein Ende. Der geschätzte Aufwand für TfL liegt bei gut £ 3 m. Dafür haben sie dann auch für immer ewig den direkten Zugang zur vielleicht schönsten Brücke über die Themse.

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Und abends in die Themse spucken? – Ach das kann nett werden.

The boss himself says:

George says: “What an enchanted bridge, it looks ridiculous. We are in London not in Wiltshire. Is it a poor copy of a William Turner painting?

Ich sage: “Miesmacher.”

 

Was passierte noch am 15. August?

de 1740  

Geburtstag von Matthias Claudius. In Hamburg als “Wandsbeker Bote” bekannt.

Um siebenzwanzig Ecken bin ich mit ihm verwandt. Und deshalb kann ich auch

die zweite Strophe vom aufgegangenen Mond auswendig aufsagen: Wie ist die 

Welt so stille, und in der Dämmerung Hülle, so traulich und so hold.

uk 1965 The Beatles play to nearly 60,000 fans in New York City, an event later regarded as

the birth of stadium rock. – Wie kann das ein halbes Jahrhundert her sein??? Sind

die denn schon soooo alt? Und ich auch??? Unbelievable.