349. Tag, Rest: 16 Tage

Über Nacht fiel der Schnee. Morgens war es ganz still, auf den Straßen fuhren weniger Autos als sonst. Es war nicht viel heruntergekommen, aber es reichte um die Landschaft zu verzaubern. Leider war es in London zu warm, hier fiel nur Regen. Aber im nördlichen England war es kalt genug. Das macht mir Hoffnung auf eine weiße Weihnacht, denn Hamburg liegt auf demselben Breitengrad wie Birmingham, also fast 150 km nördlicher als London. Für mich immer wieder überraschend, wenn ich es mir klar mache.

snow-plugTrotzdem kommt fast immer das Londoner Wetter mit 36 stündiger Verzögerung in Hamburg an. Grund ist wohl die Winddrift, die nicht von Westen nach Osten, sondern leicht versetzt, aus Süd-Westen bläst. In London liegt ganz selten Schnee und in Norddeutschland waren die letzen Winter ausgesprochen mild. Wenn ich es richtig erinnere, fiel keine Flocke mehr, nachdem in Deutschland die Winterreifenpflicht eingeführt wurde. Ich vermute mal, der ADAC ist an allem Schuld.

Die Engländer sind jedes Jahr sehr erschrocken, sobald die Strassen glatt werden. Sie sind so gut wie nie vorbereitet. Winterreifen gibt es gar nicht, viele rutschen auf längst abgefahrenen Profil durch den Verkehr. Das nimmt man nicht so genau. Eines der wenigen Situation, in denen sich der angeborene Optimismus nicht bezahlt macht. Fällt ein Winter mal strenger aus, dann hält man es für ein Jahrhundertereignis und sagt sich die Wiederholung erlebe ich nicht mehr. Warum also rechtzeitig Streusalz kaufen und einlagern. Als ich Anfang des Jahres vorbeugend einen Schneeschieber im Londoner Baumarkt kaufte, wußte der Verkäufer sofort, dass ich Deutsche bin. Am Akzent hat er es bestimmt nicht erkannt.

Andererseits würde ihnen ein Salzlager auch nicht weiterhelfen. Ich glaube in ganz London gibt es nur einen Streuwagen. In den ländlichen Gebieten sieht es nicht besser aus. Also muß man sich selbst helfen. Und das macht der Engländer auf seine urtypische Weise. Wenn es nicht anders geht, dann ignoriert er ganz einfach die Situation. Statt sich Sorgen zu machen oder sich gar ängstlich zu verkriechen, trotzt der Brite jeder Widrigkeit. Da tut man einfach so, als hätten wir schon Mai. In London laufen die Menschen dünn bekleidet durch die Stadt. Ganz besonders abends, da zeigen die Damen gerne Haut und laufen strumpflos im Mini los. Es scheint ihnen nichts auszumachen.

Gut das wir schon älter sind. Da gibt es viele Gründe mehr als weniger zu bedecken. Und so wickle ich mir den dicken Schal um den Hals und George steckt sich ein paar Taschenwärmer in die Hosen. Dann kann nichts schief gehen, selbst wenn es spät werden sollte.


George sagt: „Baby, it’s cold outside. Come lie in bed for a cuddle.“

Ich sage: “Laß es schneien, denn erst dann wird Weihnachten magisch.”


 

Was passierte noch am 14. Dezember?

de 1977 Das deutsche Bundesverfassungsgericht stoppt die Abschaffung der Gewissensprüfung für Kriegsdienstverweigerer.
uk 1906 The London Underground’s Great Northern, Piccadilly and Brompton Railway opens.