167. Tag, Rest: 199 Tage

Die Londoner Parks sind herrlich. Alle sind gepflegt, liegen an den schönsten Stellen der Stadt und sollen ausdrücklich von den Menschen benutzt werden. Betreten des Rasen ist erlaubt. Bringen Sie gerne Decke und Picknickkorb mit, niemand wird sie vertreiben. Natürlich dürfen auch die Hunde mitkommen, aber bitte an der Leine. Radfahrer und Skater sollten darauf achten, nur die für sie ausgewiesenen Wege zu benutzen. Alle Parks sind kostenfrei; nachts werden die Tore geschlossen.

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Typischer Londoner Park. Der Rasen darf benutzt werden, Liegestühle laden zum Verweilen ein. Diese stehen im Regent’s Park. Auf dem Wasser fahren Tretboote.

Mein Favorit ist der Regent’s Park. Vielleicht weil er für uns zu Fuß erreichbar ist. Wir sind dort oft und gerne. Er ist eine gute Alternative zum Naturschutzgebiet Hampstead Heath. Der Regent’s Park soll ca. 400 acres groß sein, dann wäre er etwas größer als der Hamburger Stadtpark. Als Startpunkt für einen Rundweg empfehle ich die U-Bahnstation Great Portland Street. Dort halten mehrere Linien. Statt gleich in den Park einzubiegen, gehen Sie bitte erst einmal die Albany Street entlang, bis Sie zum Chester Gate kommen. Das ist in diesem Fall auch eine Straße, am Ende allerdings ist tatsächlich das gleichnamige Eingangstor zum Regent’s Park. Aber Sie werden längst ins Staunen gekommen sein, denn die beiden Straßen führen durch eine der elegantesten Wohn- und Bürogegenden Londons. Schneeweiße Häuser, picobello in Schuß gehalten, säumen den Straßenrand. Man sollte keinen Neid verspüren, aber das nenne ich luxuriöses Wohnen und ein leichtes Seufzen entweicht mir.

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Chester Terrace ist englische Wohnkultur in Vollendung. Manchmal glaubt man durch eine Filmkulisse zu spazieren.

Dann also rein in den Park und entweder dem Broad Walk folgen, der einen schnurgerade durch die Anlage führt oder aufs Geratewohl den Parkwegen folgen. Eine Karte sollte man in der Jackentasche haben. Im Regent’s Park entdeckt man hinter jeder Biegung eine neue Attraktion. Besonders in den Sommermonaten Mai-September kann man dort gar nichts falsch machen. Etliche Cafés und Restaurants*) laden zum Verweilen ein. Natürlich können und sollen Sie auch im Park selbst, gleich auf der Wiese, Picknick zum Nulltarif machen. Einzige Bedingung: Sie dürfen maximal 40 Gäste (!) zu Sandwiches and Sparkling Wine einladen.

*) Ab heute lädt der Park wieder zu einem Gourmetfest ein. Fünf Tage lang kann man Schmausen. Es sind zahlreiche Zelte aufgestellt und sobald man den Duft in die Nase bekommt, ist es passiert. Da geht keiner hungrig nach Hause. Übrigens auch kaum einer nüchtern. Das Event heißt: Taste of London und verwandelt den Regent’s Park zur einem “foodie wonderland”. Was sich wohl die Löwen im Zoo denken, wenn sie Grillwurst wittern.

Man kann mit dem Auto in den Regent’s Park fahren. Es gibt Parkplätze. Die maximale Parkdauer beträgt 4 Stunden und kostet ca. £10 (13€). Bitte auch im Park niemals auf einer doppelten gelben Linie halten; das wird teuer.

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Das Tor zum Inner Circle des Parks. Mit royalen Wappen und eleganten Anstrich. Dafür gibt der Londoner viel Geld aus, er mag die gepflegte Eleganz. Mir gefällt das.

Es gibt einige herausragende Attraktionen, für mich sind die Highlights aber eigentlich die Blumen, Pflanzen und Tiere, die hier zu Hauf zu finden sind. Herrlich finde ich die Liegestühle auf den weiten Wiesen, wo laut Prospekt “junge Paare gerne turteln”. Wenn wir da sitzen, ignorieren wird das Alterslimit, da wird hemmungslos geflirtet. Die Benutzung der Liegestühle kostet übrigens eine geringe Gebühr. 

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Eine Freilichtbühne bietet abends wunderbare stimmungsvolle Unterhaltung. Sie ist mitten im Park zu finden. Der Besuch lohnt sich, aber man sollte zu zweit sein.

Jeder sollte den Regent’s Park selbst entdecken, trotzdem will ich gerne auf ein paar Highlights hinweisen:

  • Der London Zoo ist in der nordöstlichen Ecke untergebracht
  • Der Allotment Garden wird von George immer angesteuert. Er ist an der Ecke Chester Road / Inner Circle. Dort wird vor allem Obst und Gemüse angebaut.
  • Queen Mary’s Garden ist im Sommer eine einzige Blütenpracht. Etwa 12.000 Rosen blühen hier um die Wette. Er liegt innerhalb des Inner Circle.
  • Die Avenue Gardens sind im Victorian style gehalten. Man findet sie am Ende des Broad Way, nahe des Chester Gates.
  • Das Open Air Theatre lädt abends zur Vorstellung ein. Das mag künstlerisch nicht immer die erste Wahl sein, aber die Atmosphäre unter freien Sternenhimmel ist einmalig. Auch was für Turteltäubchen.
  • Und dann der Regent’s Canal, der ganz am Nordrand, zwischen Zoo und Primrose Hill entlangläuft. Unser Nachhauseweg. Längst liegt dort Hausboot an Hausboot. Aber es ist noch immer sehr schön, sehr ähnlich wie die Hamburger Alster zwischen Hummels- und Wellingsbüttel.
  • Hier können Sie sich eine Karte des Parks ansehen (1,2 MB).
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Triton Fountain in Queen Mary’s Gardens. Ein schöner Platz zum pausieren; hier stehen sogar Palmen.

 

 

The boss himself says:

George says: “Let’s make a jolly good morning run to Primrose Hill. I wake you at five a’clock then London belongs to us.

Ich sage: “Um Gottes Willen NEIN. Nie wieder! Da quält man sich endlos den Hügel rauf und oben ist eine winzige Betonplattform von der man einen mäßigen Rundblick über die Stadt hat. Der Hügel selbst ist ziemlich schlicht, kein Baum oder Strauch weit und breit. Du kannst ja gerne raufrennen, ich halte solange das Bett warm.

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Auch das ist London. Eben waren wir noch im Park, dann am Regent’s Canal entlang gegangen und hier in der Camden Highstreet herausgekommen. Ein buntes, wildes Viertel. Gleich nähern wir uns Hampstead und es wird wieder ganz brav und bürgerlich.

Was passierte noch am 15. Juni?

de 1882

Wilhelm Bartelmann stellt den weltweit ersten Strandkorb in Warnemünde auf. Seine

Auftraggeberin wollte trotz Rheuma das ihr bekömmliche Seeklima genießen. – Es hat

doch alles auch eine gute Seite.

uk 1215

King John of England puts his seal to the Magna Carta. – Und die ist noch heute

gültig. Genau genommen hat England keine Verfassung. Man beruft sich auf die

Magna Carta, die über die Jahrhunderte ständig ergänzt und erweitert wurde.