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Die Regent Street im Dezember

Spricht man in diesen Tagen vom Shopping denken natürlich alle an Weihnachtseinkäufe in der Stadt. Und das ist in London ganz sicher ein Erlebnis, denn die großen Warenhäuser sind bekannt für ihre üppige Schaufensterdekoration. Da werden märchenhafte Szenen gezeigt, die alleine schon einen Besuch wert sind. Ich will aber über den täglichen Einkauf sprechen. Nicht bei Harrods in Knightsbridge sondern bei Lidl in Camden.

Deutsche Supermarktketten sind auch in England zu finden: Aldi, Lidl oder Spar. Die Supermärkte sind oft deutlich größer als hier aber viele Produkte finde ich unter den Markennamen, die mir bekannt sind. Wie immer gibt es Sprachfallen, wer Chips für den Fernsehabend haben will muß nach crisps fragen, sonst bekommt er Pommes Frites eingepackt. Interessant wird es an der Kasse bzw. an jeder Theke, wo noch Menschen stehen, die einen bedienen. Also auch beim Drogisten, Paketamt oder an der Tankstelle. Dort steht der Kunde im Mittelpunkt, man kümmert sich um ihn. Beispielsweise kann es an der Supermarktkasse passieren, dass ein Angestellter unaufgefordert die Sachen für einen eintütet. Anfangs dachte ich, wie kommt der Kerl dazu meine Ware anzufassen? Dann begriff ich, dass das Kundenservice ist. Auf Nachfrage trägt man die schweren Tüten auch gerne bis zum Auto. Ein Trinkgeld ist dann Pflicht. Vermeiden Sie wenn möglich das Wort ‘okay‘, es ist amerikanisch und wird in England ungern gehört. Zeigen Sie ihre Zustimmung durch ein ‘alright‘ an, dann freuen sich alle.

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Lidl in der Camden High Street in London

Gut möglich, dass die Kassiererin Sie mit einem freundlichen ‘darling‘ anspricht. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nett gemeint. Auch ein ‘love‘ habe ich schon von weiblichen Angestellten über die Theke geflötet bekommen. Auch nett gemeint, keine Hintergedanken, alright. Einige Kunden regen sich über diese plumpen Vertraulichkeiten auf, nicht selten sind es Touristen aus Deutschland oder Österreich. Der Engländer interpretiert nichts Schlechtes in die Redewendung. Tatsächlich soll sie einfach nur gute Laune befördern. Es ist ein, auf ein einziges Wort reduzierter, small talk.

George hat seine eigene Theorie über die (wenigen) Leute, die ein ‘love‘ oder ein ‘darling‘ am frühen Morgen nicht vertragen können. Er sagt: I suggest the miserable souls who moan about it stay at home in their windy garrets and stick pins into themselves. 

In Restaurants ist gerade ein anderer Slogan in Mode: Enjoy! Kaum hat der Kellner die Teller gebracht, ruft er einen auch schon den Imperativ zu. Manche Verkäufer haben das jetzt übernommen und in ihr Immer-Lächeln-Repertoire eingebaut. Als George letztens im Drogeriemarkt einkaufte, erzählte er mir anschließend von seinem Erlebnis: I bought some loo rolls at the local cut-price chemnist. When they were handed to me, the young man said “Enjoy!”. I replied: “I’ll try”.


George says: „Listen to this guy, I found myself losing the will to live.“

Ich sage: “In Deutschland kriegt man oft nur ein Grunzen zurück.”


 

Was passierte noch am 16. Dezember?

de 1999 Helmut Kohl räumt live im TV ein, daß er gut 2 Millionen illegale Spendengelder angenommen hat.
uk 1653 Oliver Cromwell becomes Lord Protector of the Commonwealth of England, Scotland and Ireland.