198. Tag, Rest: 168 Tage 

London ist eine Stadt der Gegensätze. Ein Beispiel wäre: Weltmetropole und/oder grüne Oase. Bei all dem Verkehr, den Millionen Pendlern und der auch nachts hellwachen City, nehme ich auch immer die vielen Parks, die privaten Gärten und den ‘grünen Gürtel’ wahr. Wo immer ich in London bin, nirgends verliere ich meine tiefe Verbindung zur Natur und auch das dürfte ein Grund sein, dass ich mich hier wohl fühle. Der ‘green belt’ ist ein ungeteiltes Naturschutzgebiet, das sich rund um die gesamte Stadt schützend wie ein Wall gelegt hat. Kluge Planer haben schon in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts dieses zusammenhängende Naturschutzgebiet ausgewiesen und für jegliche Bebauung gesperrt. Damit ist gewährleistet, das London sich nicht wie ein Krebsgeschwür rücksichtslos in das Umfeld ausbreiten kann. Allerdings wird die Fläche innerhalb des Ringes langsam zu klein und man sucht die Lösung darin, dass man die Wohnhäuser in die Höhe baut. Und zwar richtig, da entstehen Skyscrapers mit zwanzig Etagen (ca. 60 Meter) am nördlichen Rand von Camden. Die Begrenzung durch den green belt ist letztlich auch einer der Hauptgründe für die astronomischen Hauspreise in London. Das ist die Kehrtseite. Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage, und die Lust am Hausbesitz in der Stadt ist ungebremst hoch.

 

green-belt
In England sind die großen Städte von einem grünen Gürtel umgeben. Das Gebiet ist für jegliche Bebauung gesperrt. Der green belt von London ist besonders dick und bietet jede Menge Erholung in nächster Nähe.

 

Der Londoner ist in erster Linie Engländer und hat damit automatisch eine innige Beziehung zu Mutter Natur. Es ist ihm ein Bedürfnis die Mittagspause im Park zu verbringen. Sein Wochenende genießt er dann in der outstanding natural beauty. George ist ein Paradebeispiel; durch und durch Großstädter, aber mit Rückzugsgebiet. Gleich zwei Schrebergärten werden von ihm beackert, weil er ohne eigene Tomaten, Bohnen und Honig sofort sein inneres Gleichgewicht verlieren würde.

 

collage
in diesem Jahr schwärmen die Bienen ungewöhnlich spät. Selbst im Juli bildeten sie noch ihre Trauben. George sieht keine Gefahr, aber er imkert grundsätzlich ohne jeden Schutz. Ich bin da deutlich skeptischer.

 

Chris Packham, der regelmäßig über Englands herrliche Landschaften im TV berichtet, sagt voller Stolz:

“The British countryside is amongst the most picturesque in the world with a plethora of marvellous creatures for us to discover in the national parks, forests and stunning areas of coastline on our doorsteps.”  Und dann fügt er noch grinsend hinzu: “I love the smell of snakes anus.” Das mußte sein, ohne Lacher geht es nicht.

Aber kennt sich der Londoner denn auch gut in der Natur aus? Da sind die älteren Leute wohl deutlich fitter als die nachfolgenden Generationen. Eine Umfrage hat es an den Tag gebracht. Etliche Tierarten würden die Londoner heute nicht mehr erkennen können. Ich war schon erstaunt, denn ich fand die Fragen leicht. Mein Problem lag ganz woanders, ich kannte die englischen Bezeichnungen nicht. Eine gute Gelegenheit für mich, die Lücke zu schließen. Hätten Sie’s gewußt? 

  • 43,5% wissen nicht wie ein Kingfisher aussieht (Eisvogel)
  • Ein Drittel erkennen keine Dragonfly (Libelle)
  • Volle 99% haben keine Ahnung was ein Hawfinch ist (Kernbeißer)
  • Nur 6% könnten einen Buzzard identifizieren (Mäusebussard)
  • 76% kennen keine Heather (Heidekraut)
  • und mehr als ein Drittel der Londoner wissen nicht wie eine Oak aussieht (Eiche). Jedenfalls nicht als Baum, bekannter sind die Fässer, in denen nicht nur der gute Single Malt Whisky gelagert wird.

Nun ja, ich bin im Vorteil, weil ich alles schon auf meinen Fototouren im Duvenstedter Brook (Hamburg) vor der Kamera hatte.  (Stimmt nicht ganz, vom Eisvogel träume ich noch immer. Aber wer weiß, plötzlich flattert er vorbei. Und dann bin ich so verzückt, dass ich den Auslöser nicht drücke … ) Da hätte ich also in der Londoner Umfrage glänzen können, allerding nur theoretisch, denn die meisten Bezeichnungen waren mir nicht geläufig. Ab sofort ist die Lücke geschlossen und damit steht unserem Ausflug in den green belt von London nichts mehr im Wege.

 

brook
Libelle, Mäusebussard und Eiche (mit jungen Uhu) habe ich in Hamburg schon fotografiert. Wer die Natur mag findet hier mehr Bilder von mir: http://brook-site.de/wp-log/

 

 

  

The boss himself says:

George says: “‘Surprisingly 14% of us admitted to only leaving the city once every six months to enjoy the countryside. And of those that do, 63% headed straight for the nearest pub.”

Ich sage: “Das jeder siebte Londoner nur zweimal pro Jahr einen Ausflug in die Umgebung macht, wundert mich schon. Aber das davon fast zwei Drittel direkt im Pub landen, hätte ich fast erwartet.”

 

 

 

Was passierte noch am 16. Juli?

de 1990

Helmut Kohl besucht Michail Gorbatschow in der Sowjetunion und verhandelt mit ihm über

die deutsche Wiedervereinigung. – Der Verdienst bleibt ihm. Und überhaupt, eigentlich

mag ich den Dicken. Und ich weiß wer ihm die Millionenspende gegeben hat. Man muß

nur seine Erinnerungen lesen, da steht es balkendick zwischen den Zeilen. Auch mit wenig

Phantasie ist klar, wer die Wahlkampfhilfe überwiesen hat. Ich zitiere mal Kohl aus seinem

TV Geständnis: “Es waren ungefähr 1,6 bis 1,7 Millionen … also sagen wir mal zwischen

1,5 und 2 Millionen Mark.” Dabei war er im Kopf schwer am umrechnen. Na, ist der

Groschen gefallen? Der Spender lebt übrigens noch.

uk 1994

Heute wird es kosmisch: Bruchstücke des im Vorjahr entdecken Kometen Shoemaker-Levy 

tauchen in die Oberfläche des Planeten Jupiter ein. Es ist das erste Mal, dass die Kollision

zweier Körper des Sonnensystems und die Auswirkungen eines solchen Impakts direkt

beobachtet werden kann. – Können Sie sich noch erinnern? Das war vielleicht ein Ding.

In kosmischen Einheiten ist die Erde nicht weit vom Jupiter entfernt. Göttliche Warnung?