168. Tag, Rest: 198 Tage

The laugh is always on the loser. Frei übersetzt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wo ich gleich mal oberlehrerhaft einhaken muß, denn der Engländer denkt in solchen Situationen eben nicht an Spott. Sonst würde er von mockery reden und das Wort höre ich nun wirklich selten unter unseren Freunden. Aber heute will ich nichts erklären, keine Schulstunde geben, sondern mal herzhaft mit Ihnen zusammen lachen. Wie finden Sie diesen Paradiesvogel?

 

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Ist er nicht wunderschön? Dies leuchtende orange vermittelt mir gleich gute Laune. Kennen Sie die Rasse? Doch, bestimmt. Schauen Sie einfach noch einmal hin. Na, ist der Groschen gefallen? Has the penny dropped yet? – Genau, es handelt sich um eine seagull; wir nennen sie Möwe. Davon gibt es viele in England, schließlich verläuft rund um die Insel ein breiter Badestrand oder, wenn gerade der Sand alle ist, auch mal steile Klippen. Beides mögen die Möwen gerne. Und ganz besonders lieben sie die Londoner, die am Wochenende nach Brighton fahren, und dort eine Tüte Fish & Chips verdrücken. Dann kommen sie im Sturzflug herbei und helfen beim Futtern. Natürlich sehen die englischen Möwen genau wie unsere aus; der Kanal ist für sie kein Hindernis. Morgens wachen sie am Hamburger Fischmarkt auf, mittags drehen sie eine Runde über Sylt und abends landen sie auf der Themse und lassen sich von Big Ben in den Schlaf bimmeln. Beneidenswert.

Was also ist mit diesem Vogel passiert? Sie werden es nicht glauben, aber es ist wahr. Er (sie?) hatte Abfälle im Hinterhof eines Restaurants entdeckt. Die Mülltonne war leicht offen, also konnte man an die Leckerbissen herankommen. Aber dann, du meine Güte, rutsche der Vogel ab und landete in einer Wanne voller Currysoße! Das Restaurant war ein sogenanntes Curryhouse, die tonnenweise chicken tikka masala an hungrige Londoner als take-away verkaufen. Einmal probiert und schon ist man süchtig.

Gullfrazie, wie man den Unglücksraben (kann man das auch für tollpatschige Möwen benutzen?) später nannte, war ein Fall für den Tierpfleger. Man brachte den marinierten Freund zum animal rescue center, wo prompt der Stöpsel in die Wanne gedrückt wurde. Dann folgte ein langes Bad, mit vielen Duschgängen. Gullfrazie war hoch erfreut, denn Wasser kann eine Möwe nicht erschrecken. Und schließlich, als die Federn wieder trocken waren, voilà, entpuppte sich der Spaßvogel als eine ganz normale, sehr brave und sehr saubere seagull.

 

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Ein paar Tage muß sie noch im Tierheim bleiben, denn das Waschen hat auch das körpereigene Fett von den Federn gespült. Aber das lässt sich schnell beheben und niemand kann es besser als der Vogel selbst. Thank you, great show and good luck!

 

 

 

The boss himself says:

George says: “The Gullfrazie has a bright orange. I would like to have this colour for the curtains in the conservatory. What do you think about it?

Ich sage: “Streu doch mal ein bißchen Curry auf die jetzigen Vorhänge, dann können wir es leichter entscheiden.

 

  

 

Was passierte noch am 16. Juni?

de 1900

 

In Lübeck wird in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. der Elbe-Trave-Kanal (heute 

Elbe-Lübeck-Kanal) eingeweiht. – Und mein Urgroßvater, Constanz Schurack, 

durfte den Kaiserzug als Lokomotivführer von Altona nach Lübeck steuern! Ein

dreifaches Hipp-hipp-hurra.

uk 1915

Foundation of the British Women’s Institute. – Damals war das vorrangige Anliegen

die Männer an der Front mit Lebensmitteln zu unterstützen. Nach dem WK I setzte

man sich für politische Ziele in der Frauenbewegung ein. Die Organisation ist noch

heute in England aktiv.