137. Tag, Rest: 229 Tage

Ich war heute morgen beim Friseur. Ich war ein paar Minuten zu früh, konnte aber schon Platz nehmen. Vor mir die großen Wandspiegel und auf der Ablage Pflegeprodukte aus der Profi-Serie. Sowas sehe ich mir gerne an und wenn möglich, probiere ich es auch gleich mal aus. Ein sehr schicker, metallic-rot gestylter Flacon weckte meine Begierde. Was da wohl drin war? Ein durchsichtiges, wohl eher dickflüssiges, Liquid. Ob ich mir das mal ins Haar sprühe? Oder ist es womöglich stehen geblieben, als heute morgen hier geputzt wurde? Lieber mal nachlesen, bevor ich mich blamiere. Und da muß ich dann doch laut loslachen, denn da steht in großen Lettern: Blow & go – strong. Oh je, was für ein Name. Ich habe keine Ahnung was gemeint ist, aber George werde ich bestimmt nicht um Übersetzung bitten. Der würde sich den ganzen Abend an der Steilvorlage weiden. Dann kommt auch schon Steffi, die Friseuse meines Vertrauens, und zehn Minuten später sind die Haare ab. Wie immer perfekt geschnitten. Wenn Steffi jemals aufhören sollte, werde ich ein unlösbares (?) Problem haben.

garden-partyMeine Friseuse kann nicht nur gut schneiden, nein, sie ist auch eine der freundlichsten Menschen, die ich kenne. Ein Besuch bei ihr erinnert mich immer ein wenig an die englische Lebensart. Freude schenken, sich ganz auf den anderen konzentrieren, herzlich sein. Das war sicherlich auch das Motto bei der garden party letzte Woche im Buckingham Palace. Die Queen lädt dreimal pro Jahr zu sich ein. Jedesmal sind es um die achttausend Gäste und die meisten davon sind Menschen wie du und ich. Es ist das erklärte Ziel der Königin so vielen Briten wie möglich die Gelegenheit zu geben, sie einmal im Leben persönlich kennenzulernen. Sympathisch.

Leider regnete es an dem Tag in London. Aber das ist kein Problem, man greift sich einfach einen Regenschirm. Phillip, wie immer, steht wacker an ihrer Seite. Da kann kommen was will, auf ihn ist Verlaß. Ungewöhnlich war allerdings, dass die Queen gleich zweimal ein höchst skeptisches Gesicht machte. Meistens verbreitet sie ausnahmslos gute Laune mit ihrem freundlichen Lächeln; genau wie mein Friseuse. Grund für die kurze Misstimmung während der Unterhaltung mit David Cameron, -für ihn sind die Parties ebenfalls ein Pflichttermin-, war dessen Hinweis, das in Nigeria und Afghanistan Regierungen an der Macht sind, die höchst korrupt agieren. Die Queen wußte sofort, das man auch in diese Länder finanzielle Hilfen aus Steuergeldern regelmäßig überweist. Und wenn der Empfänger charakterlich dieser Unterstützung nicht würdig ist, dann geht ihr das gegen den Strich. Dann gehen die Mundwinkel runter. Auch sehr sympathisch, weil stets authentisch.

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Etwas später wurde ihr eine Polizistin vorgestellt, die während des mehrtägigen Staatsbesuches des Chinesischen Präsidenten Sonderschichten leisten mußte. Weil die Chinesen sich wohl (hinter den Kulissen) ziemlich unhöflich benommen haben, also jeden small-talk schlicht verweigerten, war die Queen noch immer ziemlich sauer auf die Herren aus Fernost. Und so rutschte ihr prompt heraus: “So ein Pech”. Aber genau das kann man in der englischen Sprache gar nicht formulieren. Solch negative Worte fehlen ganz einfach im Wortschatz, denn wozu sollte man sie benutzen? Man kann damit doch nur die Stimmung herunterziehen und das ist nun das allerletzte was einem Engländer in den Sinn kommen würde. Und so tat die Queen ihren Unmut kund, indem sie genau den Begriff benutzte, den jeder Engländer in einer solchen Situation sagen würde: “Bad luck!”

queen-skepsis
 Staatsbesuch Anfang 2016: “Phillip, we don’t invite them again.” 

 

 

The boss himself says:

George says: “And ‘bad luck’ isn’t the same like ‘so ein Pech’? What do you say in such context?

Ich sage: “Dem Verstand kann man es nur schwer erklären. Aber die Seele erkennt es sofort. ‘Bad luck’ ist zwar Pech, aber dahinter schimmert noch immer das Glück.

Was passierte noch am 16. Mai?

de 1974 Helmut Schmidt wird als Nachfolger von Willy Brandt zum fünften Bundeskanzler gewählt.

Ob ich noch alle zusammenkriege? Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt. War einfach.

uk 1991 Queen Elizabeth II of the United Kingdom addresses a joint session of the United States

Congress. She is the first British monarch to address the U.S. Congress. – Kein Wunder.

Als sie gekrönt wurde liefen in den USA noch die Indianer durch den Busch.