321. Tag, Rest: 45 Tage 

Ein Haus, Baujahr 1964, kann noch gut in Schuß sein, wenn man es regelmäßig renoviert hat. Allerdings stecken die Engländer nur widerwillig Geld in die bereits bezahlte Immobilie. Der Begriff ‘Werterhalt’ sagt ihnen wenig. So kommt es, dass man einem solchen Bau sein Alter ansieht. Selbst dann, wenn er fast nur aus Stahl und Luft besteht, wie das Snowdon Aviary, das im westlichen Teil des Regent’s Parks steht. Mir ist der Name nur deshalb bekannt, weil wir im letzten Herbst plötzlich ein ausgewachsener Pfau im Schrebergarten in East-Finchley hatten, den George stolz sein eigen nennt und der wohl das letzte wäre, von dem er sich jemals trennen würde. Zwar wird auch hier der Werterhaltung wenig Zeit geschenkt, dafür erlebt er aber umso intensiver das ‘Rad der Natur’, die sich stets selbst erneuert, indem sie Altes rigoros ersetzt.

peacock

Als ich den stolzen peacock auf dem Zaun springen sah, dachte ich erst, er würde in den Garten gehören. Dann erzählte man mir aber, dass er wohl aus der Snowdown Aviary ausgebüxt sei. Das ist eine große Volière, die im London Zoo, nahe am Regent’s Canal zu finden ist. Einer der Architekten war der Earl of Snowdon und so kam es zu der Namensgebung. Der Käfig stand lange unter Denkmalschutz, jetzt aber muß er weichen, denn neue Bewohner wollen hier einziehen.

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Das sind gute Nachrichten für die Zoobewohner und für die Londoner. Nachdem die Tiger, und im letzten Sommer die Löwen, große Freigehege bekommen haben, freut sich jetzt die Affenbande. Ihr Monkey’s Kingdom ist beschlossene Sache und wird hier am Regent’s Canal, gleich beim Primrose Hill, entstehen. Das Besondere am Snowdon Aviary war (ist), dass die Besucher in den Käfig hineingehen können. Mit den Affen will man es genauso machen. Das kann lustig werden.

monkey

Den Architekten, den man für das Projekt gewinnen konnte, ist kein Geringerer als Lord Norman Foster! Jawohl, genau der. Britischer Stararchitekt und weltbekannt durch herausragende Bauten wie die Kuppel auf dem Berliner Reichstagsgebäude, den Londoner Swiss Re Tower (The Gherkin) oder die City Hall am Südufer der Themse. Allerdings hat sein Team auch schon Erfahrungen mit den Bedürfnissen von Zootieren gemacht, beispielsweise in Kopenhagen, wo das Elefantenhaus von ihnen konzipiert wurde. Das sieht vielversprechend aus, denn es hält den starken Tieren stand und ist doch filigran und lichtdurchflutet.

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Das Affenreich, -wohl das einzige Kingdom, das man neben dem royalen in London akzeptieren wird-, wird wie so oft   aus Spendengeldern finanziert. Jedenfalls zum Teil. Man benötigt noch zwei Millionen Pfund, um loslegen zu können. Ich bin mir sicher, dass man es schnell zusammenbekommen wird, aber wie so oft zählt jede Spende. Also wenn Sie demnächst den London Zoo besuchen wollen, dann zeigen Sie sich großzügig und helfen mit, dass die Londoner Affen bald ein neues Dach über dem Kopf bekommen. Aber natürlich kann man den Zoo auch online unterstützen und da bin ich dabei.

The boss himself says:

 

George says: “Great news and one reason more to have an early morning lap in Regent’s Park.”

Ich sage: “Nach meiner Spende habe ich die ‘Affen Absolution’ schon bekommen. Du mußt sie dir vielleicht noch erlaufen, aber da bin ich ausnahmsweise mal nicht bei dir.” 

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Der Eingang zum Snowdon Aviary ist ziemlich versteckt im Londoner Zoo. Hat man ihn gefunden, kann man mit Glück und Geduld der Vogelwelt ganz nahe kommen. Man begegnet dort green peafowls (eine Pfauenart), little or cattle egrets (Seiden- oder Kuhreiher), sacred ibis and bald ibis, and brolga (eine Kranichart). Meist ganz oben sitzen die grey headed gulls (Möwen).

Was passierte noch am 16. November?

 

de 1953 Oskar Lafontaine löst Rudolf Scharping als Bundesvorsitzender der SPD ab. – 

Stimmt, die Namen waren auch mal ganz oben auf der Liste, aber eine Träne

kann ich ihnen nicht nachweinen.

uk 1855 David Livingstone erreicht als erster Europäer die Victoriafälle. – Ist es nicht schön,

dass man das heute alles auf der Couch sitzend nacherleben kann? George würde

jetzt ‘NO’ sagen. Ich tendiere zu ‘na ja’.