230. Tag, Rest: 136 Tage 

Die Fremdsprachen waren meine große Schwachstelle in der Schule. Weder Englisch noch Französisch wollte mir flüssig über die Lippen gehen. Mein Vokabular war eher gering und wenn ich endlich ein paar passende Worte in meinem Kopf gefunden hatte, dann unterbrach die Lehrerin, weil meine Grammatik nicht stimmte. Falsch, sechs, setzten. Ach, es war zum Verzweifeln. Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn mich jemand (die Lehrerin?) daran erinnert hätte, dass ich ja bereits eine Sprache erfolgreich gelernt hatte! Und das in einem Alter, als ich noch nicht einmal lesen konnte. Was mich gleich zur ersten Überlegung bringt. Statt Englische Texte zu lesen, wäre es vielleicht viel besser, sie zu sprechen. Erst etwas holperig, dann immer flüssiger und schließlich formt der Mund sie ganz alleine, ohne gedankliche Unterstützung. 

 

kind
Wenn man sich von morgens bis abends aktiv mit etwas beschäftigt, dann ist der Erfolg garantiert. Learning by speaking.

 

Wenn ich in Hamburg bin, vergesse ich erstaunlich schnell meine englischen Sprachfertigkeiten. Ich versuche es wettzumachen, indem ich Bücher im Original lese oder sogar Vokabeln lerne. Irgendwie bringt es mich aber nicht sehr viel weiter. Viel besser klappt es, sobald ich aktiv spreche. Und wenn niemand zur Verfügung steht, -es muß kein Engländer sein, es macht auch Spaß mit einer Freundin englisch zu reden-, dann lasse ich mir eben vorlesen. Hörbücher oder Audio-Lernbücher sind eine gute Unterstützung. Ich lasse sie einfach im Hintergrund laufen oder setze auch mal die Kopfhörer auf und lausche gespannt den Abenteuern von Winnie Pooh

 

worcestershire
Die malerische Landschaft von Worcestershire. Aber wie spricht man die Grafschaft richtig aus? Woos-ter-shire. George: I know we’ve already covered the ‘ces’ thing elsewhere, but this is a bit tricky.

 

Eigentlich ist Englisch doch eine einfache Sprache, oder? Es gibt nur einen Artikel “the” oder “a” und also entfallen auch bei der Deklination all die komplizierten Endungen am Nomen. Das Alphabet hat genauso viele Buchstaben wie unseres, nämlich 26 Stück. Aber der Engländer bildet damit 44 verschiedenen Laute. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn zu den Ausspracheregeln gibt es mindesten genauso viele Ausnahmen. Einziger Trost, kaum ein Engländer beherrscht sie. Ganz besonders bei Namen, kann man sich prächtig blamieren. Ich gebe mal ein paar Beispiele, alle aus eigener Erfahrung gekramt:

Wenn Sie nach Shrewsbury in Shropshire fahren, dann wird es ernst. Der Ort wird ‘Shrow-burry’ ausgesprochen. Noch verzwickter wird es in Cornwall. Der bekannte Ferienort Fowey wird einfach ‘Foy’ gesprochen. Oder in London, in der Nachbarschaft von Sherlock Holmes, laufen Sie durch Marylebone. Aber der Engländer sagt ‘Mar-lee-bone’. Und wenn Sie von der Themse sprechen, dann sagen Sie bitte immer ‘The River Thames’ und das wird unbegreiflicherweise ohne ‘th’ gesprochen, also einfach ‘The River Taims’. Wie das? Nun, es soll auf König Georg I. zurückgehen. Er wurde in Deutschland geboren und tat sich mit der englischen Aussprache schwer. Besonders mit dem Tiee-Äidsch. Natürlich wagte niemand den King zu verbessern und selbst nach seinem Tod blieb man einfach bei der deutschen Weise. 

 

godmanchester
Ein fieses Beipiel. Dieser Ort wird Gum-ster ausgesprochen! Daran scheitern selbst die Briten.

 

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Hören Sie soviel gesprochenes Englisch wie möglich (Hörbuch, Filme auf DVD, BBC-Radio, gute Freundin …). Kümmern Sie sich anfangs nicht um die Grammatik. Das machen Kleinkinder auch nicht, und die sind bekanntlich sehr erfolgreiche Sprach-Lerner. Ausnahmslos, also – ja – auch Sie. Wenn Sie englische Texte lesen, dann immer laut. Und versuchen Sie mit dem Übersetzen aufzuhören. Es kostet nur Zeit und hilft nicht weiter. Sie sollten einige englische Sätze parat haben, die sie auf viele Situationen anwenden können. Es ist viel sinnvoller solche Phrasen zu lernen, statt sich mit Vokabeln zu plagen (denken Sie ans Kleinkind). Und weil gerade mein Engländer mir neugierig über die Schulter schaut, nutzen wir die Gelegenheit. Let him play the guinea pig. 

  

The boss himself says:

 

George flog gestern von London nach Hamburg. Er kam später als angekündigt an und erklärte es mir in wenigen Worten: “I’m very sorry I’m late. There were some problems at check-in and the plane took off late.

Und wie würde ich das jetzt übersetzten? Nun, viel kürzer kriege ich es nicht hin: “Es tut mir sehr leid, dass ich mich verspätet habe. Es gab Probleme beim Einchecken und die Maschine konnte erst später starten.Würde ich jetzt andersherum versuchen, diesen Satz Wort für Wort ins Englische zu übersetzen, würde ich mich wohl hoffnungslos verfransen. Deshalb ist es viel besser, wenn man komplette Phrasen (I’m very sorry I’m late) in der Erinnerung hat und die kann man dann für alle möglichen Stutationen einsetzen. “Yes, make always best use of a clear and pleasant pronunciation.” “Präzise UND erfreulich? Das geht in Deutschland nicht zusammen. Du mußt dich entscheiden.”

 === Peter Piper picked a peck of pickled peppers … === 

 

 

bicester
Oft ist es einfacher, als man vermutet. Diese Station bei Oxford spricht man ganz simpel aus, nämlich Bis-ter.

 

 

 

Was passierte noch am 17. August?

de 1960

The Beatles geben im Hamburger Rotlichtviertel ihr erstes Konzert unter diesem

Namen. – Sie spielten im Starclub auf St. Pauli. Ich war gerade sechs Jahre

alt und durfte natürlich nicht hin. Aber ich konnte ihre Songs im Radio mitsingen.

Ich hatte keine Ahnung was die Worte bedeuteten, aber ich hatte ihre Aussprache

gelernt. Und so konnte ich fröhlich auf englisch einstimmen: Yeah, yeah, yeah.

uk 1896

Bridget Driscoll is run over by a Benz car in the grounds of The Crystal Palace,

London, the UK’s first pedestrian motoring fatality. – Ich wußte gar nicht, dass so

früh schon Autos fuhren. Und wie kam der Benz auf die Insel?