20. Tag, Rest: 346 Tage

winter
Der Winter ist da. Kaum fällt Schnee, schon bleiben die Züge stehen.

British Railways ist nie um eine Ausrede verlegen, wenn die Züge mal wieder später als versprochen ankommen. Und das passiert leider ziemlich regelmäßig. Der Londoner scheint leidensfähig zu sein, selten schimpft einer laut los. Dabei sind die allermeisten Berufstätigen auf die Bahn angewiesen. Täglich pendeln sie zwischen Häuschen im Grünen und City hin und her und nehmen dabei klaglos Fahrtzeiten zwischen 60-90 Minuten in Kauf. Ein Heer von Pendler fällt täglich in die Stadt ein; man nennt sie commuters

Alle Fernbahnen sind sehr gut mit der Londoner Underground verzahnt. Zum Beispiel die Southeastern hält an den Stationen Victoria, Charing Cross, London Bridge oder St. Pancras (King’s Cross) und einige mehr. Die Southeastern bedient genau das Gebiet, das man erwartet. Der Zug fährt die ganze “Halbinsel” von Kent ab, kriegt bei Hastings die Kurve und rollt dann landeinwärts wieder auf London zu. Im Sommer ideal, um einen Ausflug an die See zu machen. Und zwar an den ruhigeren Küstenabschnitt östlich von Brighton und Eastbourne. Dieser Landstrich ist im Winter eher schneefrei. Hier herrscht ein mildes Klima. Und trotzdem kämpft der Southeastern ständig mit widrigen Umständen, ja mit Natur- und Wetterphänomenen, die ich bisher nicht gekannt habe.

 

Mit dem Southeastern kann man ganz bequem an die See fahren. Pendler nutzen ihn allerdings täglich und das ist nicht immer entspannend.

 

Major delays, also nennenswerte Verspätungen, mussten die Pendler letzte Woche aushalten. Der Grund: too sunny! Jawohl, es war zu sonnig! Statt über helle Januartage froh zu sein, litten die Zugführer unter dem falschen Einfallwinkel des Lichts. Sie konnten ihre Armaturen nicht mehr ablesen und wußten deshalb wahrscheinlich weder wohin, noch wie schnell sie unterwegs waren. Man kennt das ja auch als Autofahrer, die tiefstehende Sonne kann ganz schön blenden. Ich benutze dann eine Sonnenbrille. Aber das gehört wohl nicht zur Berufskleidung der britischen Eisenbahner. 

Auf Nachfrage erboster Fahrgäste gab Southeastern bekannt: Due to a ‘low winter sun’ hitting dispatch monitors, drivers are unable to read signals on certain lines. So ist das also. Ob man damit auch bei einer überfahrenen roten Ampel durchkommt? Für den Notfall, kann ich es mir ja mal merken. Obwohl ich es kaum brauchen werde, ich fahre stets gelassen und angepasst. – Im Herbst fallen die Züge aus, weil ‘wet leaves‘ auf den Gleisen liegen. Im Winter ist es meisten der Schnee, aber nicht der normale sondern (O-Ton): Wrong kind of snow??? Falsche Sorte? Welche ist denn richtig? Ein Reisender traute sich dann doch mal zum Widerspruch. Er postete via Facebook: My train has been delayed because it is too sunny…greatest excuse EVER. Immerhin reagierte Southeastern prompt und tat das was jeder Engländer gemacht hätte. Na klar, eine Entschuldigung: Hi, sorry for the delay, we have issues with distracting trains at Lewisham due to sunlight hitting the dispatch monitors. MS. Immerhin, man hat geantwortet. A safe journey at all times!

 

zug
Im Sommer ist mal ein Zug nach einer Notbremsung entgleist. Kühe standen auf dem Bahndamm. Zum Glück ist niemanden etwas passiert. Kent ist eine ländliche Gegend.

 

The boss himself says:

George: „What are Southeastern going to come up with next? Too wet, too hot, too cold… but too sunny?!”

Und ich: “Die Deutsche Bahn ist da auch ganz einfallsreich. Mit Entschuldigungen sind sie eher sparsam.”

 

 

Was passierte noch am 20. Januar?

de 1969

Mit Ellinor von Puttkamer wird die erste Frau in der Geschichte des 

Diplomatischen Dienstes der BRD Botschafterin. 

(Diplomatie als Männerdomäne? Das konnte ja nicht gut gehen.)

uk 1936

Edward VIII becomes King of the United Kingdom.