200. Tag, Rest: 166 Tage 

Ich bin ja nicht so der Kinogänger. Am meistens stören mich die anderen Besucher! Und die kann man ja kaum vermeiden. Irgendwie kann ich mich mit ihnen nicht auf eine Welle einschwingen. Sie lachen an Stellen, wo ich es nicht tue und bleiben stumm, wenn ich mich nicht mehr einkriege. Das ist blöd, warum soll ich mich gegen Bezahlung dauernd zum Idioten machen? Da gucke ich doch lieber zu Hause, wo der Bildschirm inzwischen auch schon irgendwo zwischen ein und zwei Quadratmeter groß ist. Warum zoomen sie bloß immer die alternden Politikergesichter so nahe heran? Kein Mensch will ihre Nasenhaare zählen oder grundtief in die Poren blicken.

Was mir auch am Kino nicht gefällt, ist die Lautstärke. Ich habe wohl recht gute Ohren und finde es fast immer zu laut. Am schlimmsten sind aber die Geräusche. Das geht mir regelrecht auf den Magen. Als 007 im Helikopter angeschwebt kam, brauchte ich Gehörschutz, um mich nicht augenblicklich zu übergeben. Auch ein guter Grund, lieber in den eigenen vier Wänden den Kinospaß zu erleben.

 

vegan
Was kann man sonst noch so in London machen? The Old Ship in Hammersmith ist immer eine gute Adresse zum Einkehren. Am Wochenende gab es ein Vegan-Bier-und-Wein-Festival. Wir bevorzugen das richtige Bier (was ist an Wasser, Hopfen und Alkohol nicht vegan?) und warten ab, bis endlich einmal ein warmer Sommerabend zum Ausgehen an die Themse einlädt. Hammersmith liegt im Nordwesten der Stadt. Vier Undergrounds laufen den gleichnamigen Bahnhof an.

  

Ganz nett finde ich einige Programmkinos; sie sind nicht so überlaufen. Das gefällt mir. In Hamburg gibt es die Koralle in Volksdorf. Gemütlich, überschaubar, gute Luft und von Hand verlesene Filme. Ich erinnere mich an Jan Haft’s ‘Das Grüne Wunder – unser Wald’. Musik und Bilder waren so betörend schön, dass mir in der ersten halben Stunde ohne Pause die Tränen über die Wangen liefen. Zum Glück saß niemand in unmittelbarer Nähe. Die hätten gedacht ich bin liebeskrank oder unter Drogen, was aufs Gleiche hinausläuft.

 

phoenix
Lieber ein Foto zeigen, sonst trifft Sie der Schlag. Das Phoenix Cinema in der High Street von Finchley ist ein kleines, äußerlich unscheinbares Gebäude. Wir sind hier sozusagen “privat” und deshalb hat es auf unserer Ausgehliste einen festen Platz.

 

In London gehen wir gerne ins Phoenix, eines der ältesten Kinos in N2. In den roten Samtpolstern kann man wunderbar träumen, knutschen und Händchenhalten. Ähnliche kleine, alte, aber sehr nette Kinos, findet man im West End. In manchen wird Essen und Trinken geboten. Richtig mit Tisch, Teller und Besteck. Da wird der Film zur Nebensache. Jetzt hat ein ganz neues Kino aufgemacht. Es ist hoch auf den Dächern von Peckham (Südlondon) zu finden. Eine Art Strandplatz mit Leinwand. Irgendwie ganz urig. Aber der eigentliche Knüller ist das Angebot für Hunde. Ja, die dürfen ausdrücklich mitgebracht werden. Das outdoor cinema mit dem Namen Rooftop Film Club ist ganz auf den Vierbeiner eingestellt. 

 

pup idol
Gleich in unserer Nachbarschaft gab es eine Charity Veranstaltung mit dem Titel “Pup Idol”. Dahinter stand der Tierschutzbund. Gelockt wurde mit Welpen und dann zogen die Leute mit ausgewachsenen Retrievern nach Hause. Weil uns das auch passiert wäre, habe ich die Einladung vorsorglich verschwinden lassen.

 

“Come on, let’s take the pup to the pictures”, lädt mich George ein. “Ja, gerne. Was gibt’s denn? Lassie?” “No, you can choose between ‘Romeo and Julia’ or ‘Dirty Dancing’.” Eigentlich ist der Unterschied nur marginal aber ich bin entschieden für Patrick Swayze and Jennifer Grey. George ist einverstanden, immerhin dreht sich die Story um gute und böse Ärzte. Und wir können mitsingen: “Big girls don’t cry” und bei der alles entscheidende Frage “Will you love me tomorrow”. Den Hunden links und rechts scheint es auch zu gefallen, sie wedeln mit dem Schweif im Takt. Einer hebt sogar an einer besonders dramatischen Stelle den Kopf und öffnet die Schnauze. Ich denke gerade, der will jetzt losjaulen! Aber dann sehe ich, dass er nur kräftig gähnen muß. Es scheint ansteckend zu sein, denn George nickt auch so langsam ein und kriegt von “She’s like the wind” nix mehr mit.

Am Kiosk holen wir uns zwei Pint Beer. Und als ich noch brav in der Queue stehe, fällt mir das Schild mit dem speziellen Hunde-Angeboten auf: Snuffle dog beer and pupcorn. Da muß ich aufpassen, sonst bekommt George das falsche Getränk. Was wohl auch nichts ausmachen würde.

 

wooftop
Two dogs, two beers, two pup corn. So mag es der Engländer, Spaß für alle. Perfekte Unterhaltung im Wooftop Cinema.

 

 

  

The boss himself says:

George says: “‘Great service. They enabling pooches to be just as well fed and lubricated as their humans. If you’re a dog-lover with a furry friend, then you’d be barking to miss it.”

Ich sage: “Also, wenn der Vierbeiner quängelt, dann gehen Sie mit ihm in den Wooftop, äh Rooftop Film Club aus. Und wenn Herrchen keine Ruhe gibt, dann ist er dort auch gut aufgehoben.”

 

 

 

Was passierte noch am 18. Juli?

de 1976

Der Elbe-Seitenkanal läuft in der Nähe von Adendorf aus. Über 5 Millionen

Kubikmeter Wasser überfluten das Umland. – Und wer hat den Stöpsel gezogen?

uk 2000

Erstmals eröffnet ein britisches Staatsoberhaupt eine Botschaft im Ausland. Königin 

Elisabeth II. übergibt die Britische Botschaft in Berlin als diplomatische Vertretung. –

Und was haben die Berliner gesungen? “God save the Queen” oder “Denkste denn,

det ick darum weene? Wenn de mir nicht lieben duhst, denn lieb ick mir alleene”?