170. Tag, Rest: 196 Tage

Die Engländer zollen ihren Veteranen viel Respekt. Man hat ein ungetrübtes Verhältnis zum Militär. Altgediente Soldaten genießen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Bei uns ist das anders, da traut sich kein Bundeswehrsoldat die Uniform nach Dienstschluß zu tragen. Der alljährliche Poppyday (Heldengedenktag) im November erinnert noch immer an die Gefallenen des ersten (!) Weltkrieges und ist quasi eine Pflichtveranstaltung für jeden Bürger. Die Königin schreite auf der Gedenkfeier voran und man folgt ohne Murren. Ist es also vielleicht ein zu heißes Eisen, wenn ich mich heute augenzwinkernd über die alten, pensionierten Recken amüsiere? Nee, ich denke nicht. Schließlich bin ich gerade selbst im Begriff die letzte (?) große Wandlung durchzumachen; ab nächsten Monat bin ich eine offizielle deutsche Rentnerin! George habe ich das noch gar nicht gesagt, aber der alte Zirkusgaul rennt ja nur deshalb noch im Kreis, weil er keinen Boss hat, der ihm das Stroh wechselt. Ich glaube er wird meinen neuen Status verkraften und vielleicht sogar seine eigene Situation überdenken.

Vor wenigen Wochen fand die Chelsea Flower Show in London statt. Ein alljährliches Großereignis, mit viel prominenter Aufmerksamkeit. Fast täglich besuchten Mitglieder der königlichen Familie die Gartenshow und Queen Elizabeth wurde gleich an mehreren Tagen gesichtet. Eines der Gründe ist der Ort, denn die Gärten rund um das Royal Hospital bieten der Veranstaltung den Rahmen. Inzwischen wird das altehrwürdige Gebäude im vornehmen Chelsea längst nicht mehr als Krankenhaus genutzt. Man hat es umgebaut und bietet hier den Veteranen einen Platz für den Lebensabend an. 

 

royal hospital
Das Royal Hospital wurde wie so viele Londoner Prachtbauten vom Architekten Sir Christopher Wren entworfen und gebaut. Das war nach dem großen Londoner Brand, Ende des 17. Jahrhunderts.

 

Zivilisten können sich hier nicht einnisten, man muß schon aktiv gedient haben und zwar als Berufssoldat. Alle haben eine lange militärische Laufbahn hinter sich. Noch immer tragen sie voller Stolz die Uniform und verzichten auch im Alltag nur ungern darauf. Was machen die Recken am Abend? Spielen sie Schiffeversenken bei Marschmusik? 

 mayou

 

Vor zwei Jahren war dann eine Herausforderung zu meistern. Im Mai 2014 zog Barbara Whilds als erste weibliche Veteranin ein! Einzige Frau unter Männern – davon träumen die Damen in der “normalen” Seniorenresidenz. Eigentlich hatte man schon 2009 beschlossen das Haus auch für Frauen zu öffnen. Schließlich gilt in England Wehrpflicht für beide Geschlechter. Aber man mogelte sich im Royal Hospital über Jahre so durch, indem man behauptete, man könne keine seperaten Badezimmer anbieten. Damit ist jetzt Schluß, man renovierte und so konnte Barbara nicht nur ein frisch gestrichenes Zimmer beziehen, sondern auch ein modernes Bad in Besitz nehmen. Man muß mindestens 65 Jahre alt sein, um hier aufgenommen zu werden. Ich müßte also noch warten. Ach so, und mir fehlt natürlich auch der militärische Karrierenachweis … And you aren’t British, not even from the Commonwealth … Ja, ja, ist ja gut. 

Vermutlich anlässlich des königlichen runden Geburtstages gab es letzte Woche auch im Royal Hospital eine große Feier. Alle waren in ihren Gala-Uniformen angetreten. Die Fahne flatterte im Wind und bewegte Worte wurden gesprochen. Und doch war es irgendwie recht komisch. Oder lag es gerade daran, das man jede Komik vermeiden wollte? Ein Vorhaben das in England scheitern muß. Jedenfalls bekam die ganze Sache einen unbeabsichtigten Dreh. Oder empfinde womöglich nur ich das so? Dann kann ich gleich eine Erklärung anbieten: Als Kind hanseatischer Kaufleute ist mir jede preußische Erziehung fremd. Respekt vor Glanz und Gloria stand nicht auf meinem Stundenplan. Egal, entscheiden Sie selbst, hier sind die Helden:

 

veterans

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Last year a Chelsea Pensioner was kicked out of Royal Hospital, I can remember.

Ich sage: “Warum? Hat er Witze über die Monarchie gerissen?” “No he has sexually assaulted a woman.” “War das wirklich ein Angriff oder einfach nur Lust im Alter?” “He was 72 and she was 29. And she was drunk. Decide it by yourself.” “Oha. Und er ist ran wie Blücher. Nein, das macht der Gentleman nicht.”

 

 

 

Was passierte noch am 18. Juni?

de 1982

 

England darf heute zweimal punkten, denn Geschichten wie diese muß man

erwähnen: Unter der Londoner Blackfriars Bridge wird der italienische Bankier 

Roberto Calvi erhängt aufgefunden. Als Präsident der Banco Ambrosiano hatte

Calvi einige Tage zuvor nach der Konkursanmeldung der Bank Italien fluchtartig

verlassen. Das Bankhaus, an dem die Vatikanbank erhebliche Anteile hält,

wird illegaler Manipulationen verdächtigt. Die Hintergründe von Calvis Tod

bleiben im Dunkeln.

uk 1815

The Battle of Waterloo results in the defeat of Napoleon Bonaparte by the 

Duke of Wellington and General von Blücher forcing him to abdicate the throne 

of France for the second and last time.