232. Tag, Rest: 134 Tage 

Wir haben uns an der Station Baker Street verabredete. George verspätete sich, aber ich warte nicht alleine. Neben mir steht noch jemand, der schon viel länger wartet und den Ausgang nicht aus den Augen lässt. Ich kann zwar nur seinen Hut sehen, aber keine Frage, das ist Sherlock Holmes. Ob er auf Dr. Watson wartet? Da kommt mein Doktor auch schon um die Ecke gehastet, sorry darling I’m late.

 

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Am Bahnhof wartet Sherlock. Auf wen? Und wie lange steht er hier schon?

 

Hier sind immer viele Touristen unterwegs. Zur Baker Street 221b ist es nicht weit, dort kann man das Holmes Museum besuchen, ein Stück die Strasse hinunter sieht man schon die grüne Kuppel von Mdm. Tussauds Kabinett und am Strassenrand wartet der offene Doppeldecker Bus auf  seine nächsten Gäste. Hop-on, hop-off Tour. Klar, da gibt es auch jede Menge Souvenirshops und genau da werden wir jetzt unseren ganz privaten Rundgang starten. George ahnt, dass das teuer werden könnte.

 

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Ich habe noch nie so viele Teddies auf einem Haufen gesehen, wie in diesem Shop. Auf den Regalen winken mir freundliche Paddingtons zu: Take me home. Sie sind fast mannsgroß und das will ich George nun doch nicht zumuten, dass wir mit so einem cutie in unserer Mitte die Tour fortsetzen. Dabei hätten so ein Bär thematisch durchaus gepasst. Wir wollen uns nämlich eine Kuriosität ansehen, die auch ganz schön tierisch ist. Und dazu müssen wie in die Chiltern Street, die gleich gegenüber der Tube Station beginnt. Hier stehen schöne, mehrgeschossige viktorianische Häuser. Wie sind im vornehmen Stadtteil Marylebone. An der Ecke Porter Street sind die Portman Mansions zu finden, ein mehrgeschossiges Doppelhaus, das Ende des 19. Jahrhundert erbaut worden ist.

 

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Wer keinen Garten hat, bepflanzt kurzerhand Geländer und Zäune. Blumen gehören zur Wohnkultur. Überall sieht es dadurch bunt und einladend ein.

 

Die Porter Street ist nur schmal und die Portman Mansions, die gleich an der Strasse stehen, haben sechs Etagen und  deshalb muß man den Kopf weit in den Nacken legen, um die Giebel sehen zu können. Dort oben entdecke ich einige Figuren, die der Architekt zur Verschönerung seines Baues ausgesucht hat. Zwei der Statuen fallen auf, denn sie sind größer. Die eine ist direkt an der Ecke Chiltern-/Porter Street und die andere am gegenüberliegenden Ende des Herrenhauses. Was sollen sie darstellen?

 

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Wir haben eine gute Kamera dabei und als ich mir durch den Sucher das Bild scharf stelle, kann ich es kaum glauben. Ist das ein Affe? Und das dahinten ist doch Quasimodo, oder? Der Bucklige guckt direkt auf die Passanten herunter und scheint zu schimpfen. Sehr merkwürdig, das passt doch gar nicht zu den anderen Figuren.

 

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“Well, it’s a bit strange”, klärt mich George auf. “As soon you look up to the top you see two unexpected statues: A monkey and a hunchback. They were never part of the original plans of the building. People say both have materialized very suddenly overnight in the summer 1935.” Soll ich das glauben oder nimmt er mich mal wieder auf den Arm? Ich weiß es nicht, aber die Figuren sind für jeden sichtbar. Wenn Sie mal wieder in der Gegend sind,  machen Sie doch einfach einen kurzen Abstecher in die Chiltern Street, es ist nicht weit.

 

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Das viktorianische Herrenhaus Porman Mansion liegt an der Ecke Chiltern- / Porter Street. Auf dem Giebel hockt ein Affe. Im EG ist eine Wohnung frei.

 

Und dann entdecke ich noch ein “Wunder” ganz zufällig. Im Erdgeschoss der Portman Mansions wird eine Wohnung zum Kauf angeboten. Es liegen Verkaufsprospekte aus, die in großen Lettern anpreisen: A stunning ground floor one-bedroom flat. So, so, denke ich mir, ‘stunning’ also atemberaubend, das weckt Erwartungen bei mir. Was also kann man erwarten? Und tatsächlich ist das Angebot aussergewöhnlich, denn es zeigt einen Grundriss mit Maßen und Quadratmetern! So detaillierte Angaben sehe ich hier zum ersten Mal in London und ich habe viele Angebote studiert. Allerdings wird auch sofort gewarnt, dass die Maße völlig unverbindlich seien. Man solle sich auf keinen Fall darauf verlassen. Immerhin die Wohnung ist wirklich nett geschnitten, hat einen kleinen Flur, ein kleines Duschbad mit WC, eine große Küche (14,6), ein Schlafzimmer (13,5) und ein Wohnzimmer (21,4), genannt “Empfangszimmer”. Aber groß sind die Räume alle nicht, ich habe die Quadratmeter in Klammern angegeben. Alles ist tip-top renoviert, die Küche modern und gut ausgestattet. Und was ist nun atemberaubend an der Wohnung? Ja, klar, der Preis: £1.150.000 = 1,36 Mio. Euro. Oh yes, it’s stunning, isn’t it?  

 

 

 

The boss himself says:

Ich frage: “Wer kann solch eine Wohnung kaufen? Ich meine da kann man doch nicht zu zweit oder gar als Familie leben. Also welcher Single hat soviel Geld?”

George says: “Daddies daughter. – Nobody pays it cash. Let’s have a look at the mortgage calculator. For such a sum you will have an interest rate of 1.33% over 25 years. That means you have monthly repayments of £4.507,98.

Ich sage: “Das kann doch auch keiner aufbringen. Und dann guck dir mal die Energie Effizienz des Hauses an. Die liegt bei 73 Punkten, das heißt knapp in Klasse C. Das ist ganz schön mittelmäßig und bedeutet hohe Heizkosten. Aber das tollste ist, das sie damit werben als wäre es der Hauptgewinn.” “It is the jackpot.”

 

 

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Und welchen soll ich nun mitnehmen? Ach, ich glaube ich bleibe bei George. Der ist mir am liebsten von allen cuties.

 

 

 

Was passierte noch am 19. August?

de 1963 Die Bundesrepublik Deutschland tritt dem Kernwaffenteststopp-Vertrag bei.
uk 1987

 

Es gab einen Amoklauf in Hungerford, aber soll man daran erinnern?