154. Tag, Rest: 212 Tage

Bevor ich mich erstmals in England hinter das Lenkrad traute, habe ich mich ein bißchen mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht. Das meiste ist mir aus Deutschland bekannt, die Fahrbahnmarkierungen (Park- und Halteverbot, Sperrzone …) waren mir allerdings neu. Ins dickste Gewühl traue ich mich eh nicht. Die Innenstadt umfahre ich weiträumig oder überlasse gleich dem Boss den driver seat. Auf jeden Fall sollte man die Vorschriften im Straßenverkehr ernst nehmen. Verstöße werde teuer und fallen mit Sicherheit auf. Alles wird per Video überwacht und das Nummernschild verrät die Adresse des Sünders. Die Rechnung kommt postwendend und wird auch ins Ausland nachgeschickt. Schnell kann man in London versehentlich auf eine Busspur geraten oder sie nur mal kurz anschneiden, schon ist man fällig. Wenn es dumm läuft zahlt man dafür knapp 200 Euro.

bus-lane
Halten Sie sich fern. Auch ein kurzes Überfahren der weissen Linie wird als Befahren der Busspur gewertet und kostet Geld. Wenn sie im Halteverbot stehen müssen sie nicht nur zahlen sondern auch noch die von der Polizei angelegte Radkralle (clamp) wieder los werden (siehe Beitragsbild).

Vor meiner ersten Fahrt im Auto, besorgte ich mir erst einmal ein Computerprogramm, um meine theoretischen Kenntnisse aufzufrischen. Ach du meine Güte, wahrscheinlich würde ich heute durch die Prüfung fallen. Manche Frage ist mir in der Praxis noch nie über den Weg gekommen. Aber zum Glück gilt der Führerschein lebenslänglich und wenn man ihn hat muß man sich nie wieder um theoretische Spitzfindigkeiten kümmern. 

Kostprobe gefällig? Die Engländer würzen auch offizielle Angelegenheiten gerne mit ein bißchen Mutterwitz:

What is a warning sign that you are driving on ice?

  1. The steering feels very heavy
  2. You start imagining you are hearing Ravel’s Bolero
  3. The tires make hardly any noise

The rear of your car skids to the right – what should you do?

  1. Kiss your ass goodbye
  2. Steer quickly and smoothly to the left?
  3. Steer quickly and smoothly to the right?

 

licence
Wer sie hat, gibt sie ungern wieder her. Die driving licence. In England auch so eine Art Ersatz Ausweis.

Zu meiner Überraschung ist die Sache in England anders geregelt! Ich wollte es erst gar nicht glauben, aber es stimmt. Der Führerschein gilt nur bis zum 70. Geburtstag. Verfallsdatum pünktlich zum Jubiläum! Dann ist eine neue Prüfung fällig. Sie soll feststellen, ob der Fahrer noch immer den Herausforderungen im Verkehr standhält. Alle drei Jahr wird der Test dann wiederholt. Oh, oh. Das ist ja gar nicht mehr so lange hin. Also nicht bei mir, aber George nähert sich langsam der Grenze. Da sollte ich ihn fit halten, denn das fehlt noch, dass er keinen Führerschein mehr hat. Vielleicht würde es ihn gar nicht stören, solange ich ihn kutschiere. Dann könnten die Abende im Pub noch lustiger werden und seine Blokes würden sich wünschen, sie wären auch schon siebzig. Aber George sieht der Sache gelassen entegenen. Er klärt mich auf, dass es sich um keine praktische Prüfung handelt. Er hat lediglich zu versichern, dass er gesundheitlich fit ist, sich alleine anziehen kann (das habe ich mir jetzt ausgedacht) und ein Nummernschild aus einer Entfernung von 70ft lesen kann. Und ausserdem würde man die Vorschrift gerade an das gestiegenen Durchschnittsalter anpassen. Künftig müsste man (wahrscheinlich) erst mit 75 zum licence renewing check. Da hätte er noch sehr viel Zeit.

senior-style
Die Menschen werden älter. Gerade wurde der neue senior-style für die moderne Großmutter in London vorgestellt. Die Hüte gefallen mir! Und der Schnitt; da muß ich nicht um jedes Pfund kämpfen.

Die Nachricht beruhigt mich; also schweife ich zu anderen Themen ab. Aber dann kommt es mir doch noch einmal in den Sinn. Wie war das mit dem Nummernschild? “You must read a number plate from 70ft.” Mit Brille? “Yes, of course, if you need glasses.” Mit anderen Worten, wer ein Kfz-Nummernschild, -und die Zeichen darauf sind in England genau so groß wie bei uns-, aus einer Entfernung von 21 Metern entziffern kann, darf auch weiterhin Auto fahren. Ich peile mal kurz durchs Küchenfenster die Auffahrt entlang. Bis zur Straße könnten es zwanzig Meter sein. Erkenne ich das Schild am dort geparkten Auto? Ja, es lautet: NX09 XEN. Oder ist es NXO? Nein, zwei Buchstaben, zwei Ziffern, drei Buchstaben, so ist es neuerdings geregelt. Egal, ich muß ja nicht zur Prüfung. Aber wenn es soweit ist, werde ich auf jeden Fall vorher noch einen Besuch beim Optiker machen. Besser ist besser. – Und übrigens mein neuer deutscher Führerschein, im Checkkarten Format nach EU-Richtlinien gestaltet, ist ebenfalls zeitlich limitiert! In 15 Jahren läuft das Ding ab. Hätte ich bloß den grauen behalten.

The boss himself says:

George says: “Drivers over the age of 70 account for 22% of road fatalities, but made up only 11% of the population.”

Ich sage: “Der Vergleich hinkt. Wieviel Prozent der fahrenden Menschen machen die Senioren denn aus?” “I’ve no idea. Hope the driverless vehicles are coming soon.”  “Auch ‘ne Lösung.”

older-driver
Tatsächlich schnitten die ‘older driver’ bei einem kürzlich durchgeführten Test besser als der Rest ab.

Was passierte noch am 2. Juni?

de 1980 Der Verkauf von Ernő Rubiks Zauberwürfel beginnt in Deutschland. – Ich brauchte keine

3 Minuten um die Flächen farblich zu ordnen. Das war faszinierend, denn egal wie der

Würfel verstellt worden waren, man konnte ihn immer nach demselben Dreh- und

Verschiebeschema in den geordneten Zustand zurückbringen. Toller Zeitvertreib.

uk 1953 The coronation of Queen Elizabeth II, who is crowned Queen of the United Kingdom,

Canada, Australia, New Zealand and Her Other Realms and Territories & Head of the

Commonwealth, the first major international event to be televised. – Noch ‘ne Feier

zwischendurch; 63. Thronjubiläum. Respekt.