111. Tag, Rest: 255 Tage

Es gibt nur noch ein Thema in England: Der Geburtstag der Queen. Fast tut sie mir ein bißchen leid, denn es scheint jetzt wirklich alles publiziert zu werden. Da bleibt ja gar kein privates Eckchen mehr übrig. Zum Glück weiß die Königin was sie tut, niemand kann sie überrumpeln. Selbst ihr Enkel Harry erntet eisiges Schweigen, als er sie fragt: Granny, what’s your secret? Gut, vielleicht hätte er die Frage nicht vor laufenden Kameras stellen sollen? Die Queen verfügt über kluge Strategien, sonst ist es nicht möglich stets würdevoll und fehlerfrei ein so langes öffentliches Leben zu meistern. Hut ab – hats off and respect!

  

liebe
Ein erfülltes Leben. Das ist kein Geschenk, sondern harte Arbeit. Die Queen strahlt ihren Ehemann an. Eines meiner Lieblingsfotos von ihr.

 

Wenn andere längst im Lehnstuhl sitzen und zugucken wie ihr Lebenswille verrinnt, besteigt die Queen noch munter den Pferdesattel. Wer kann das noch zu Beginn seines zehnten Lebensjahrzehnts? Königin wird man durch Geburt. Man durchläuft eine Erziehung, die sich von einer normalen Kindheit gewiß unterscheidet. Man wird auf das Leben einer Monarchin gut vorbereitet und sollte deshalb, im Erwachsenenalter, frei von jeglichen Starallüren sein. Und trotzdem denke ich mir immer das Alltagsleben der Königin wird sich doch bestimmt gewaltig von meinem unterscheiden. Und damit entlarve ich mich selbst als Spiessbürgerin mit kleinkarierten Vorstellungen. Die “private” Königin hat vermutlich ganz ähnliche Sorgen wie wir alle, vielleicht sogar Ängste, aber auch Freuden und Vorlieben wird sie mit jedermann teilen. Ich bin davon überzeugt, dass Elizabeth Alexandra Mary, wie ihre Vornamen lauten, sehr auf einen geregelten Tagesablauf Wert legt. Sie scheint mir lieb gewonnene Gewohnheiten über lange Zeit zu pflegen. Warum auch nicht? Das ist nicht verkehrt, und solche Menschen sind stets zuverlässig.

 

trooping-the-color
Trooping the Colour. Wem dabei nicht das Herz aufgeht, hat keins. Ich war im letzten Jahr dabei. Ein märchenhafter Tag.

 

Angeblich wird ein großes Geheimnis um den Tagesablauf der Queen gemacht. Blödsinn, man weiß sehr genau was sie gerne mag und wie sie in den Tag startet. Nur ist das alles ganz unspektakulär und somit fast schon wieder enttäuschend. Sie nimmt beispielsweise morgens gerne ein Vollbad. Für Engländer ist das eine luxoriöse Vorstellung. In den meisten Badezimmern findet sich weder eine Heizung noch fließendes warmes Wasser. Da muß erst einmal der Boiler angeheizt werden. Die Queen mag ihr Badewasser mit 72° Fahrenheit und das ist nun wieder sehr englisch. Es sind man gerade 22° Celsius und das wäre mir viel zu kalt. Aber da ist der Brite abgehärtet. George braucht morgens die Eiseskälte beim Rasieren. Sein Kick für den morgendlichen Start. Wenn er in Hamburg, in meinem Badeszimmer sich den Bart schert, macht er auch im Winter gerne das Fenster einen Spalt weit auf, dann weht ihm der kalte Wind über den Rücken und alles fühlt sich richtig an. Das ist dann wie in England, wo auch bei geschlossenen Fenstern die Kälte durch die undichten Rahmen kriecht.

 

familiy
Für die Zukunft ist vorgesorgt. Nie waren die Royals beliebter als heute. Die Wende kam 2012, durch den ‘Olympic parachute jump’ der Queen. Mit dem Clou ist sie mitten in den Herzen der Menschen gelandet.

 

An den allermeisten Tagen hat die Queen ein ausgefülltes Programm zu absolvieren. Falls das mal nicht der Fall ist, entspannt sie am Nachmittag mit einem Glas Dubonnet, -der Likör wird mit Gin aufgefüllt (!)-, und abends löst sie dann das Kreuzworträtsel im Daily Telegraph. Das ist auch meine Liebslingszeitung, alleine schon wegen den Cartoons von Matt. Irgendwie sympathisch zu wissen, dass die witzigen Zeichnungen auch von ihr gelesen werden. Ich möchte wetten dieser Gag zu ihrem Geburtstag hat ihr gut gefallen:

 

matt
Matt zeichnet für The Daily Telegraph. Da schaut auch die Queen jeden Abend hinein. Sie wird sehr gelacht haben.

 

 

The boss himself says:

Geoges says nothing. For a second he cannot speak because he has to wipe a tear out of his eye.

Das Gelöbnis, das Elizabeth anlässlich ihres 21. Geburtstages, der ganzen britischen Nation gab, und das im Radio live übertragen wurde, wird oft zitiert. Ich finde es in der Zeitung und lese es laut vor: “I declare before you all that my whole life, whether it be long or short, shall be devoted to your service.” Ja, und da steigt dann auch bei mir ein Tränchen ins Auge.

 

  

Was passierte noch am 20. April?

de 1899

Der Bundesrat des Deutschen Reichs beschließt, Frauen offiziell zu den

Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie zuzulassen.

uk 1992

Im Londoner Wembley-Stadion halten die nach dem AIDS-Tod von Freddie Mercury 

verbliebenen drei Musiker der Rockgruppe Queen vor 72.000 Menschen das Tribute

Concert ab. Die BBC übertrug live.