233. Tag, Rest: 133 Tage 

Es hilft ja alles nix. Ohne Smartphone komme ich in London nicht weit. Ich hasse die Dinger (weil ich sie nicht bedienen kann, pssscht!), bin dann aber heilfroh George anrufen zu können, wenn ich mal wieder gar nicht weiß, wo ich bin und wo ich hin soll. Ausserdem brauche ich es zum Bezahlen, U-Bahn fahren, einchecken, übersetzen … Also habe ich mich zähneknirschend mit der Bedienungsanleitung beschäftigt und stundenlang den Zugangscode gelernt, nur um ihn am nächsten Tag schon wieder falsch einzutippen. Natürlich kann ich mir vier Ziffern merken, aber wenn mich etwas nicht interessiert, dann will ich es mir nicht merken und das weiß das Gehirn.

Um so erfreuter war ich, als ich vom neuen Emoji-Keyboard hörte. Sie kennen die kleinen Icons bestimmt, man findet sie manchmal zuhauf in Mails. Da drückt der Absender seine Gefühle (emotions) mitttels einer Gesichtsmimik aus, das ist viel einfacher als langatmige Zustandsbeschreibungen einzutippen.  😛  😐  😕  😥

Trotzdem war ich kein großer Fan und habe die Emojis nur sparsam verwendet. Meistens nur den Big Laugher. Jetzt wird sich das ändern, denn ich entwickle mich gerade zum Emoji Experten. Es bleibt mir gar nix anderes übrig, denn George hat sich den brandneuen London Satz aufs Smartphone geladen. Die App ‘Londonmojis’ gibt es für iPhone und Android zum Preis von £0.79. Und nun bombardiert er mich mit diesen Dinger und ich muß zusehen den tieferen Sinn seiner Botschaft richtig zu erfassen.

 

collage

 

Gut, wenn ich ein Bild aus der dieser Serie von ihm erhalte, verstehe ich die Nachricht sofort. Er will sich mit mir an dem angezeigten Ort verabreden. Ich muss dann nur noch herausbekommen wann es passieren soll. Aber irgendwo wird eine 1, 2 oder 3 zu finden sein. Das soll dann vermutlich p.m. bedeuten.

 

wembleyKniffliger ist dieses Icon. Anfangs konnte ich rein gar nichts damit anfangen. Das war ärgerlich, denn es ist bedeutungsschwer. Es zeigt das Wembley Stadium in London Brent. Dort spielen die ganz großen Vereine, zum Beispiel Liverpool vs. Barcelona. Und wenn der Fußball Pause hat, dann treten dort Rockstars wie Billy Joel auf (vormerken: 10. Sept.).

 

binge-watching tvMit anderen Worten, das hübsche Icon beinhaltet eine folgenschwere Botschaft für mich: I’m with the mates in the football stadium – don’t wait. Je nach Spielergebnis kann ich George dann zwischen 4 – 24 Stunden später wieder zuhause erwarten. Das schmeißt die ganze Planung für den Abend um und meine gute Laune rutscht in den Keller. Und deshalb antworte ich prompt, und zwar auch nur mit einem einzigen Emoji, dem binge-watcher: Weck’ mich nicht, wann immer du kommst; ich habe den ganzen Abend sexy Poldark im TV gesehen.

 

brick-laneInzwischen mag ich diese kleinen Bilder. Sie sind sehr praktisch. Statt langer Wortsuche, nimmt man das passende Gesicht und drückt auf den Sende-Button. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich bin beim Tippen auf den kleinen Tasten eher ungeschickt. Wir haben sogar schon unsere ganz eigenen Definitionen entwickelt. Da gibt es zum Beispiel ein Emoji aus der Reihe ‘wo-wollen-wir-uns-treffen’, dem wir eine neue Bedeutung gegeben haben. Denn die Brick Lane in East End ist eher ein Treffpunkt für Hipster. Nein, der Bohème gehörten wir wohl auch in jüngeren Jahren niemals an und deshalb ist die Straße kein Ziel für uns. Aber weil die Brick Lane auch die zentrale Meile der Curry Houses ist, nutzen wir das Symbol als Einladung zum indischen Restaurantbesuch. Wo auch immer.

queuing
Das Queue-Icon: Ich stehe gerade an, im Restaurant, Theater oder Klo.

Mir ist heute aber gar nicht danach, viel lieber würde ich ganz konservativ in ein Steak House gehen, vielleicht am Covent Garden. Und weil ich richtig Hunger habe, ist mir das mehr als eine Zeile tippen wert. George ist einverstanden und so treffen wir uns ein paar Stunden später im Restaurant. Zum Glück ist es nicht so voll, dass wir für einen Tisch anstehen müssen. Das ist in London oft der Fall, selbst wenn man reserviert hat. Brav reiht man sich am Empfang in die Queue ein und wartet bis man einen Tisch zugewiesen bekommt. Auf Wünsche des Kunden wird dabei keine Rücksicht genommen. Aber was soll man auch lange wählen, wenn alle Tische besetzt sind? Wie gesagt, wir haben Glück und lassen uns in die Polster plumpsen. Der Kellner bringt etwas zu trinken, zündet die Kerze an und lässt uns erst einmal in Ruhe wählen. Ich schlage also gespannt die Karte auf und denke mich trifft der Schlag:

 

 

menu

 

Leider habe ich bis heute nicht herausgefunden, was die Rakete*) sein soll? Eine Eisbombe? Surprise Pudding? Flambiertes Eis? Hilft nix, wir müssen noch einmal hingehen.

 *) Mein Schlauberger weiß es natürlich: Rukola heißt auf Englisch rucola 😉 und umgangssprachlich rocket.

  

 

 

The boss himself says:

George says: “Do you fancy a break in the country? Perhaps in Cornwall in the beginning of September?

Ich sage: answer

 

 

 

happy-tubePS: Was das Gesicht auf dem Beitragsbild ausdrücken soll, ist uns beiden bisher noch nicht so ganz klar. Wir streiten noch. Immerhin sind wir uns einig, dass es jemanden in der Underground zeigt. George meint einen glücklichen Menschen zu sehen, ich glaube eher da schwitzt jemand in der Northern Line im Sommer. Aber vielleicht liegen wir beide falsch und es soll was ganz anderes übermitteln?

 

 

Was passierte noch am 20. August?

de 1980

Reinhold Messner bezwingt als erster Bergsteiger den Mount Everest im Alleingang

und ohne Sauerstoffgerät. – Ich kann es nicht so ganz nachvollziehen, aber nun. Sich

einer Herausforderung zu stellen, verdient Respekt. Ob es gleich der Everest ein muß,

will ich eher verneinen.

uk 1995

 In London wird mit dem Neasden-Tempel der zu diesem Zeitpunkt größte hinduistische 

Tempel außerhalb Indiens eröffnet. – Der soll sehr beeindruckend sein. Ich habe ihn

als nächstes Ausflugsziel auf meiner Liste. Der ist ganz in der Nähe von Wembley.