325. Tag, Rest: 41 Tage 

Ich hab’ ja schon immer nahe am Wasser gebaut, aber dass das im Alter eher schlimmer wird, gefällt mir gar nicht. Sobald etwas Kleines/Nettes/Hilfloses an meine normalerweise fest verschlossene Box mit der Aufschrift “Gefühle” klopft, kriege ich den Deckel nicht wieder zu. George hat sich daran gewöhnt. Anfangs dachte er immer, ich würde seine Hilfe brauchen, wenn ich ihm tränenüberstömt die Haustür öffnete. Heute weiß er, da läuft wohl gerade wieder ein Video mit einem süßen/tapsigen/flauschigen Kullerauge. Oder er hofft auf die ihm liebere Alternative, nämlich dass ich schon mal die Zwiebeln für’s Diner schneide. 

 

coming-home
Ankunft in Heathrow. Mann ist das alles riesig – wo müssen wir hin?

 

Und deshalb ist die Vorweihnachtszeit für mich schwieriges Terrain, denn in England zielt die Werbung gerne genau ins Zentrum der Seele. Damit landet man Volltreffer bei Jung und Alt. Eigentlich ahnte ich nichts Sentimentales, als ich mir den neuen Trailer vom Heathrow Airport ansah. Erinnern Sie sich an den letzten Streifen? Das war mit Stephen Fry, der den Touristen gleich nach der Landung ein paar typisch englische Verhaltensweisen näherbrachte.  Ein sehr komischer Film. Diesmal aber wird Werbung in eigener Sache gemacht: Fly home for Christmas. Und ‘home’ kann natürlich nichts anderes als die englische Insel sein. 

 

koffer
Man glaubt es nicht, wieviele Leute mit identisch aussehenden Koffern unterwegs sind. Meinen ‘schmücke’ ich schon längst mit einem individuellen Eye-Catcher.

 

Hat der kleine Film nun ein happy end oder etwa nicht? Und warum um alles in der Welt erinnert mich das Ganze so sehr an George und mich? Könnte es sein, dass wir genauso aussehen, wenn wir händchenhaltend unseren Flieger suchen? Ach du meine Güte, ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung womöglich größer als gedacht? Fragen über Fragen, aber die kann mir der Boss heute Abend mal aus seiner Sicht beantworten. Vielleicht nach dem Diner; heute gibt es Steak mit Champignons. Da muß ich jetzt die Zwiebeln schneiden und dann wird er wohl auch gleich klingeln…

 

home
Och sind die niedlich. Und irgendwie -ähem- ‘familiar’ ?

 

 

The boss himself says:

 

George says: “You’re cute like a teddybear and sometimes akward on your feet but sexy as %&x!* …

Ich frage: “Danke das reicht, wir bleiben hier jugendfrei.

 

 

Video Link: 

Oha, fast hätte ich vergessen den Link zum Heathrow Airport Video hier einzufügen. 

PS: Erst beim vierten Ansehen habe ich die Pointe begriffen! Klar, der Film hat ein happy end. Wäre ja wohl auch noch schöner. Falls sich Ihnen die story auch nicht auf Anhieb erschließt, dann achten Sie mal auf die Mäntel der beiden. Die sind der Schlüsseln zum Ganzen.

 

 

 

Was passierte noch am 20. November?

 

de 1896

Die Schauerleute in Hamburg beschließen einen Hafenarbeiterstreik, der sich

in der Folge zur ersten großen Arbeitsniederlegung im Deutschen Reich entwickeln

wird. – Mutig kurz vor Weihnachten die Arbeit niederzulegen. Wer nicht nicht mit

Elbwasser getauft wurde, bekommet die Übersetzung für ‘Schauerleute’ geliefert:

Eigentlich nichts anderes als ein Hafenarbeiter, der Schiffe be- oder entlädt.

uk 1947

Die britische Prinzessin Elisabeth heiratet in London Philip, Duke of Edinburgh.

Herzlichen Glückwunsch! – Da ist ja nächstes Jahr schon wieder ein Jubiläum

der Extraklasse fällig. Das reisst jetzt irgendwie gar nicht mehr ab.

PS: Hilde und Werner, unsere Freunde, haben heute auch Hochzeitstag. An

euch denken wir natürlich auch.