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Vorletzte Woche starb der Duke of Westminster, Gerald Cavendish Grosvenor in seinem Landhaus in Lancaster. Es stand in der Zeitung und ich war nur insofern interessiert, weil mir der Familienname schon öfter in London begegnet war (Kunstgallerie, Themsebrücke, Straßennamen …). Der Duke war nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend im Alter von 64 Jahren verstorben. Er war einer der reichsten Männer Englands, mit einem geschätzten Vermögen von 11 Milliarden Euro. Die Familie Grosvenor ist seit Generationen Großgrundbesitzer und verdient ihr Geld mit Immobilien. Sie sind weltweit tätig, haben aber in London besonders wertvollen Besitz. Im teuersten Viertel, in Mayfair, Belgravia und Pimlico gehört ihnen mehr als ein Quadratkilometer Land, bebaut mit exquisiten Häusern. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Nun, ich bin in den letzten Monaten gleich dreimal in diesem Blog mit den Grosvenors in Berührung gekommen, ohne das ich es wußte. Erst als ich den Nachruf las, fiel es mir auf. 

 

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Der Duke of Westminster, Gerald Cavendish Grosvenor (1951-2016)

 

Die erste “Begegnung” fand Ende März statt. George hatte mich nach Birmingham mitgenommen und anschließend nutzten wir die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub in Chester: (Beitrag ansehen) Ich war sofort von der kleinen Stadt ganz im Norden Englands begeistert und schrieb: “Alles sehr nett, proper, einladend. Ich fühle mich auf Anhieb wohl. Hier würde ich sofort hinziehen.” Und jetzt lese ich, dass mehr als die Hälfte der Stadt im Eigentum der Familie Grosvenor ist. Kein Wunder das alles wie aus einem Guß aussieht und dabei sehr gepflegt. Hätte ich meinen Wunsch wahr gemacht, wäre ich damals vielleicht Mieter der Immobilienfirma Grosvenor geworden.

Das zweite Zusammentreffen fand vor wenigen Wochen statt, als ich mich mit einer Maklerin im Tower St George Wharf verabredet hatte und kurz die Fassung verlor: (Beitrag ansehen) Ich musste erfahren, dass Londoner Mietpreise für eine Woche gelten und nicht etwa für den Monat. Indirekt ist Grosvenor auch in dieses Erlebnis verwoben; es wird gleich klar. Bitte Geduld. – Und das dritte Ereignis ist so frisch, dass ich den Bericht noch gar nicht geschrieben habe. Aber das hole ich jetzt mal schnell nach. Es geht nämlich um die US Botschaft in London. Sie liegt in Mayfair am Grosvenor Square. Gleich am östlichen Rand des Hyde Parks, nur wenige Schritte vom Kaufhaus Selfridges entfernt. Das Gebäude ist wenig spektakulär, eigentlich sogar ausgesprochen schlicht gehalten. Da zeigt die US Botschaft in Hamburg mehr her, sie wird “das Weisse Haus an der Alster” genannt. Nun, zur Londoner Vertretung gibt es eine Anekdote zu erzählen. Weltweit sind alle US Botschaftgebäude und Grundstücke im Eigentum der Amerikaner. Sie kaufen Haus und Land und bekommen dann einen Sonderstatus, der die Botschaft quasi zum US-Inland macht. So kann beispielsweise die heimische Polizei auf dem Gelände nicht tätig werden.

 

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Links die Londoner US-Botschaft am Grosvenor Square, rechts die Hamburger an der Aussenalster.

 

Als die amerikanischen Diplomaten 1960 in das Haus am Grosvenor Square einzogen, fragte man den Eigentümer, also den Earl of Westminster, wieviel Geld er für den Verkauf haben will. Nun, Geld hatte die Familie genug, damit konnte man sie nicht locken, aber sie hatten durchaus eine Idee, wie man mit den Amis ins Geschäft kommen könnte. Sie brachten ihren Ur-Ur-Ur…Ahnen Grosvenor ins Verhandlungsgespräch, der im Amerikanischen Bürgerkrieg enteignet worden war. Würde man seinen Landbesitz der heutigen Familie zurückgeben, was nur recht und billig wäre, dann könnten die Yankees das Haus am Londoner Grosvenor Square übernehmen, ohne einen Penny zu zahlen! Die Amerikaner gingen auf das Angebot nicht ein, sie wußten, sie waren geschlagen. Hätten Sie zugestimmt, dann würde der größte Teil von Main und New York heute dem Duke of Westminster gehören!

 

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Nur der etwas zu groß geratene Seeadler und die Stars and Stripes wirken botschaftlich. Das Haus selbst hat eine recht schlichte Fassade und ist auch nicht sehr hoch.

 

Und nun zurück zum zweiten Berührungspunkt mit meinen Bloggeschichten. Die Amis haben inzwischen eine neue Botschaft bauen lassen. Die wird nächstes Jahr eröffnet und liegt am Südufer der Themse. Man will vor allem aus Sicherheitsbedenken (gegen wen?) ein neues Haus haben. Nach 2001 haben die Amerikaner Angst und rüsten auf wo sie können. Schutzmaßnahmen in diesem Umfang lassen sich im eleganten und beschaulichen Mayfair nicht realisieren. Deshalb geht man jetzt in einen ganz neuen Stadtteil, Nine Elms,  und baut dort eine Botschaft und etliche Wohnhäuser. Und da fiel bei mir der Groschen. Na klar, das ist genau neben dem Tower, wo ich so gerne eingezogen wäre! Kein Wunder, dass die Mieten dort ins Unermessliche klettern. Das ist demnächst allerfeinste Londoner Wohngegend.

 

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Hier in Southwark wird die neue US Botschaft gebaut. Rundherum wird ein ganze Wohnvierter hochgezogen, alles recht luxoriös. Hinten sieht man den Tower, den ich mir angesehen habe. Am Bauzaun kann man es lesen: Embassy.

 

All das fügte sich auf einmal zusammen, nur weil ich die Todesanzeige eines Englischen Aristokraten gelesen habe.    Ehrlichen Herzens wünsche ich ihm, er möge in Frieden ruhen. – Für mich ist es ein schönes Gefühl anzufangen mich selbst zu zitieren. Es scheint mir gelungen zu sein, einen Grundstock zu legen. Mal seh’n wie weit ich komme.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Did you know that the US Embassy first wanted to move in the Kensington Palace? That was short after 9/11.

Ich sage: “Nein!!! Das darf doch nicht wahr sein. Dort leben doch Kate und William. Und vorher andere Mitglieder der königlichen Familie. Das ist ja fast schon dreist, überhaupt danach zu fragen.” “The Queen exercised a veto. After that the property in Nine Elms was bought by the US Embassy.” “Das ist ja mal wieder typisch Ami-Stil. Ich sag’ mal lieber nichts dazu, sonst steigt der Blutdruck.” “Keep calm.”

 

 

nine-elms 

In 2017 wird die neue US Botschaft eröffnet. So soll sie dann aussehen. Sie steht inmitten eines künstlichen Teiches, der dient der Sicherheit. Soll das eine Wasserburg werden? Hoffentlich mit Zugbrücke. – Kleiner Witz am Rande: Der Britische Geheimdienst (MI6) ist mit seinem Headquarter keine 500 Meter entfernt untergebracht. Falls man sich gegenseitig ausspionieren will, reicht ein gutes Fernglas und Lauschen bei offenen Fenster.  

 

 

 

Was passierte noch am 21. August?

de 1949

 Eine Woche nach der ersten Bundestagswahl findet in Konrad Adenauers Wohnhaus 

in Rhöndorf eine weichenstellende informelle Zusammenkunft maßgebender Politiker

von CDU und CSU statt. – Ich fürchte das könnte demnächst wieder passieren, dann

aber wohl eher in Ingolstadt als in der Uckermark.

uk 1770

James Cook formally claims eastern Australia for Great Britain, naming it New South

Wales. – Ein erfolgreicher Mitarbeiter der Krone. Hat er einen Bonus bekommen?