52. Tag, Rest: 314 Tage

Heute suche wir the line between brilliance and insenity. Or genius and lunacy. Und die zeigt uns niemand so schön wie Ronnie O’Sullivan. Ein britischer Volksheld. Geboren in England und vielleicht der beste Spieler seiner Art. Sein Bekanntheitsgrad auf der Insel? 100 Prozent.

Snooker ist Volkssport in England, Wales und Schottland. Die Billardvariante ist ebenso beliebt wie Fußball. In vielen Pubs findet man Snookertische. Sie sind mehr als doppelt so groß wie ein amerikanischer Billardtisch. Einfach riesig, jeder der es einmal live sieht kann es nicht fassen. Um die Sache noch schwerer zu machen, sind die Löcher, wo der Ball hineinrollen soll, deutlich kleiner und die Einläufe zu den Taschen extrem schmal. Snookerspieler genießen Kultstatus. Sie verdienen hohe Preisgelder und, wenn sie zur TopTen gehören, nehmen sie nochmal ein Vielfaches durch Werbung ein. Higgins, Davis, Hendry sind allesamt Millionäre. In diesen Club gehört ganz sicher auch Ronnie O’Sullivan. Allerdings kann der sein Geld auch ganz schnell wieder ausgeben. Meistens mit Freunden, denn er gilt als äußerst großzügig.

 

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Aus diesem Blickwinkel kann man erahnen wie groß ein Snookertisch ist. Hier spielt übrigens Ronnie, der ist einmalig und immer zu erkennen.

 

Ronnie ist ein Snookergenie. Ein Jahrhunderttalent, der selbst sagt, ich kann nichts anderes als Snooker spielen. Das aber ist von einem anderen Stern und seine Karriere dauert jetzt schon einige Jahrzehnte! Eigenlich ist er längst zu alt, um noch ganz vorne mitzumachen, gewinnt aber trotzdem jede Weltmeisterschaft mit links. Er hat den Sport schon vor einigen Jahren aufgegeben, spielte fast ein Jahr gar nicht, kam dann zur WM und siegte mal so eben. Dem Mann zuzusehen ist ein Genuß.

Ronnie hat eine fast schockierend ehrliche Biografie geschrieben, die ansatzweise erklärt, warum er ein enfant terrible ist. Seine Familiengeschichte ist dramatisch, sein Vater saß wegen Mordes ein, und Ronnie selbst hat lange gebraucht sich halbwegs zu erden. Inzwischen ist er selbst stolzer Vater, aber auch schon wieder geschieden. Er zieht gerne mit Ron Wood von den Stones um die Häuser und macht keinen Hehl aus seinem Alkohol- und zeitweise auch Drogengenuß. Ronnie lässt es krachen, leben und leben lassen, ist seine Devise. Snooker ist schon längst ein Präzisionssport, der allerhöchste Konzentration von den Spieler abfordert. Sie müssen körperlich und mental fit sein, ein Spiel kann durchaus mehrere Stunden dauern. Manche der ganz Großen wirken inzwischen fast wie Roboter, das kann langweilig werden und deshalb sind die Eskapaden von Ronnie stets willkommen. Im Gentlemensport Snooker gilt eine strikte Kleiderordnung (dunkle Hose, Weste, Hemd und Fliege, Lederschuhe) und da brauchte Ronnie letztes Jahr eine Sondergenehmigung, um am Masters teilzunehmen. Er trat in Socken an den Tisch, denn er hatte sich vorher den Knöchel angebrochen und konnte keine Schuhe tragen. Er ist übrigens ein sehr erfolgreicher Marathonläufer; das macht er “nur” so nebenbei, um sich ggfs. den Kopf freizulaufen. Also Ronnie stand da mit dicken Fuß und spielte noch schneller als gewöhnlich. Das Stehen tat ihm weh. Raten Sie wer zwei Wochen später die Trophäe in den Händen hielt? Ja, klar.

(Nachtrag: Eine Leserin hat aufgepasst. Ronnie gewann die UK Championship 2014 in Socken; nicht das Masters. Danke Astrid!)

 

Übrigens hatte er an der WM nur teilgenommen, weil er nach der Scheidung kein Geld mehr hatte. Das hat er auch offen zugegeben und kein Mensch hat es geglaubt. Aber es war die Wahrheit.

 

Im Snooker gibt es etwas ganz Besonderes. Es ist die magische 147. Davon träumen die Spieler überall auf der Welt. Es ist die maximale Punktzahl, die man unter normalen *) Umständen erreichen kann. Es gibt nicht viele Spieler denen das gelungen ist. Noch weniger haben es vor Publikum geschafft. Und nur ein paar Dutzend hatten die Nerven es in einem großen Tournier hinzulegen. Eine 147 bedeutet, dass man alle Bälle locht, dazu immer die Kombination roter Ball / schwarzer Ball spielt. Das ist sauschwer und kostet Nerven. Keiner war (und wird, meine Vorhersage) erfolgreicher als Ronnie sein.

*) Theoretisch ist mehr möglich, wenn man durch ein gegnerisches Foul bereits Punkte erhalten hat.

 

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Die Statistik der Maximum Spieler. Wohlgemerkt ist das die Bilanz der Karriere, nicht von einer Saison!

Letzte Woche, beim Welsh Open, ein großes Tournier, live im TV übertragen, war es wieder einmal soweit. Ronnie war wieder auf Maximumkurs. Die Zuschauer halten dann den Atem an. Wenn Spieler an einem Nebentisch sind, unterbrechen sie ihr Game und schauen dem Kollegen staunend zu. Jedem läuft ein Schauer über den Rücken, wenn die letzte rote Kugel gelocht ist. Jetzt müssen nur noch die Farben in richtiger Reihenfolge versenkt werden. Niemand wagt zu applaudieren, es ist Totenstille. Der Spieler wirkt wie in Trance, er ist hochkonzentriert. Bewegt sich langsam, überlegt immer wieder, wie er fortsetzen soll. So ist das normalerweise, aber das gilt alles nicht für Ronnie. Der spielt die Sache runter wie im Training. In einer Affengeschwindigkeit. Keine Sekunde kommt ihm irgendein Zweifel auf. Dem Mann macht das alles überhaupt nichts aus. Für ein Maximum bekommt er ein Sonderpreisgeld in Höhe von durchaus mehreren zehntausend Euro. Alleine das lässt andere Spieler in dieser Situation zittern. Er muß nur noch einmal die schwarze Kugel lochen. Der Spielball liegt perfekt; er könne ihn auch mit verbunden Augen spielen. Nerven hat Ronnie noch nie gezeigt, ich glaube er hat gar keine. Nun beugt er sich zum Tisch herunter, kommt in die Spielposition, bricht dann ab und richtet sich noch einmal auf. Er geht zum Schiedsrichter und stellt ihm eine Frage: Wie hoch ist das Preisgeld für ein Maximum? Den Gag hat er schon einmal gebracht, aber diesmal ist ihm gar nicht lustig zumute. Die Belohnung wurde nämlich gekürzt und das fand Ronnie nicht gut. Der Schiedsrichter antwortet und Ronnie zeigt den Veranstaltern und der ganzen Welt seine Misachtung, indem er die falsche Kugel locht! Ein starker Protest.

Man reagierte seitens der Veranstalter ganz schön sauer. Aber Ronnie verteidigte seine Entscheidung auf der Pressekonferenz: “I knew it was 10 grand *) and I just thought that’s a bit too cheap really. To make a maxi, it’s such a massive achievement and if they’re going to pay us 10 grand, I think it’s worth a bit more than that. Certain things have value, and a 147 is a special moment. I want it to feel special all round.”

*) grand wird umgangssprachlich für tausend Pfund benutzt. 10 grand = knapp 13.000 Euro.

 

Manchmal ganz schön crazy. Ronnie O’Sullivan ist für mich der weltbeste Snookerspieler. Er wechselt übrigens das Queue mal eben von der rechten in die linke Hand, der Stoß geht immer ins Schwarze. Der Mann ist genial und schwierig. Er litt lange an Depressionen, auch das gab er stets offen zu. Eine seiner engsten Freunde ist der Maler Damien Hirst. Ebenfalls ein bißchen exzentrisch, genial und schweinereich. Damien sitzt oft im Zuschauerraum, wenn Ronnie spielt.

 

 

 

The boss himself says:

George says: „Great entertainers entertain. It’s what they were born to do . Money doesn’t really come into it.

Und ich: “Privat möchte ich mit Ronnie nicht zusammensein. Aber Unterhaltungswert hat er allemal. Und eins sollte man bedenken: Der Veranstalter gewinnt etliche zusätzliche Werbeeinnahmen, wenn ein Maxi gefallen ist. Deshalb finde ich Ronnies mutige Aktion durchaus angebracht.” 

 

 

Was passierte noch am 21. Februar?

de xxxx

Ich finde nichts Berichtenswertes. Aber die Sonne wechselt heute in das 

Sternzeichen Fische und das kann man sehen, fühlen und spüren. Gehen

Sie einfach mal raus, am besten in die Natur, dann wissen Sie was ich meine. 

uk 1952

The British government, under Winston Churchill, abolishes identity cards in the

UK to “set the people free”. – Das gilt bis heute. An jeder Ecke eine Videokamera,

aber bloß keine Ausweispflicht. Das wäre zu persönlich, meint man.