173. Tag, Rest: 193 Tage

Kehrtwende im hohen Norden. Die Sonne stieß letzte Nacht an den ‘Wendekreis des Krebses’, -haben Sie es gefühlt?-, und nun zuckelt sie ganz langsam in den Süden zurück. Ja, die Tage werden kürzer! Aber erst einmal beginnt heute der Sommer und das ist doch eine schöne Nachricht. Der Duke of Cambridge feiert heute seinen 34. Geburtstag, schicken wir ihm also ein Happy Birthday William! Die Schulferien beginnen und die Leute fahren an die See. Die Londoner überlassen ihre von Menschen überquellende Stadt für ein paar Wochen den Touristen, denn der Sommer kann in London ganz schön stickig werden. Sea- or rural countryside sind jetzt die Ziele. Dabei steckbriefmuß es gar nicht in die Ferne gehen, der Engländer kann auch in der nahen Natur entspannen. Eigentlich egal in welcher Richtung man London verlässt, nach kurzer Fahrt wird man in die wunderschöne, typisch englische Landschaft eintauchen, die von saftig grünen Wiesen geprägt ist. Durchzogen von langen Trockenmauern und wilden Hecken, einige ein halbes Jahrtausend alt. Hier und da ein Ententeich, eine alte Kirche auf noch älteren Felssteinen gebaut und immer wieder ein Pub wie aus dem Bilderbuch. Und in dieser idyllischen Landschaft sieht man in diesen Tagen einen Steckbrief an den hölzernen Strommasten angepinnt. Wer wagt es diese Ruhe durch bad behaviour zu stören?

Die gesuchte “Person” ist eine Kuh, die seit Wochen ihren Launen freien Lauf lässt. Man spricht von “hormonell gesteuerten Attacken” und ich ahne was gemeint ist. Die eigentlich ganz fröhlich dreinschauende Kuh wird als ‘aggressiv and rogue’ bezeichnet. Sie ist inzwischen ein ‘official investigation case’ der örtlichen Polizei. Im schönen Cambridge, am beliebten Mill Pond, kommt es immer wieder zu tierischen Überfällen. Dabei hat die Kuh es besonders auf junge Frauen abgesehen. Unfassbar. Eine Augenzeugin, die namentlich nicht genannt werden will, gab zu Protokoll: “The aggressive cow run quickly towards three women and attack them in an unprovoked manner.” Das geht nun wirklich nicht und da müssen die Ordnungshüter einschreiten. Ob man Fingerabdrücke genommen hat? Schließlich sieht eine Kuh wie die andere aus. Den Fachmann frage ich mal lieber nicht, sonst muckscht der wieder bis spät in die Nacht.

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Ich glaube sie will nur spielen. Ich kann nichts Falsches in ihren Augen entdecken.

Eigentlich leben Mensch und Vieh im ländlichen England gut zusammen. Die Kühe sind normalerweise nicht auf eingezäunten Weiden, sondern laufen irgendwo querfeldein, wo immer es grün ist. Das muß man wissen um diesen Satz zu verstehen: “On any sunny day about a hundred people have picnics among the cows and hundreds more walk on the roads inside the enclosed area daily without suspecting any danger.”  Und nun kommt auf einmal so eine Kuh, die auf Krawall aus ist und die ganze schöne Stimmung vermiest. “I think the trouble cow should be moved to another place.”

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Ein Troublemaker. Aber schließlich ist die Kuh hier zuhause.

Mitten in der Nacht wurde die Polizei alarmiert, weil die Kuh nicht nur Liebespärchen um den Ententeich jagte, nein sie war auch noch laut am muhen! Das geht nun wirklich zu weit. Im Protokoll konnte man später lesen: “We were called at 1.45pm on May 29 with reports that a cow had been chasing members of the public and mooing loudly in a field near Mill Pond in Cambridge. The incident happened on a public footpath through a field between Darwin College and the Hilton Hotel.” Der Fall ist inzwischen amtlich und deshalb hat das Rindvieh auch Anspruch auf einen Verteidiger. Der argumentiert, dass sie sich innerhalb des für Weidezwecke ausgewiesenen Gebietes aufhält, hin und wieder zu ‘a bit stampede’ neigen würde aber eigentlich ein grundgütiges Tier sei. Man sollte sie nicht wie ein Haustier behandeln, weder mit ihr spielen, noch reiten oder mit Sandwiches füttern. Und so wartet man ab, ob es sich nicht von alleine beruhigt. Wahrscheinlich hat man Angst vor der Festnahme, weil die Zellen einfach nicht groß genug sind und wer soll dann morgens um fünf das Tier melken? Muuuuuuuuuh.

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Wenn sie so weiter macht ist ein Speicheltest fällig. Da komme ich gerne mit, denn Cambridge ist ein schönes Städtchen. Leider ist George gar nicht zuständig.

 

The boss himself says:

George says: “What would you say if I will chasing women in the night and mooing loudly?

Ich sage: “Dann würde ich den Landlord im Pub bitten dir Hausverbot zu geben.

Was passierte noch am 21. Juni?

de 1895 Kaiser Wilhelm II. eröffnet den Kaiser-Wilhelm-Kanal, heute als Nord-Ostsee-

Kanal bekannt. Es ist die meistbefahrene künstliche Wasserstrasse für Seeschiffe

weltweit. Und dabei denkt man bei ‘Brunsbüttel’ immer an Kohlköppe.

uk 1886 Grundsteinlegung und damit Baubeginn der Tower Bridge in London. Eröffnet

wird sie dann im Jahre 1894. Noch heute wird die Fahrbahn durchschnittlich

dreimal täglich hochgeklappt. Manchmal nur als Ehrensalut für die Queen.